22.10.2017, 20:00 Uhr

„Der Tod kommt, wie es ihm passt“

Trauer zuzulassen, ist wichtig. Johann Haselbauer: „Irgendwann muss man den Blick aber wieder nach vorne richten.“ (Foto: Fotolia/VRD)

Johann Haselbauer ist Fachmann für den Tod. Etwa 80 Bestattungen führt er pro Jahr durch.

BEZIRK. Wenn’s um das Sterben geht, machen wir Lebenden gerne die Augen zu. Allerheiligen erinnert trotzdem jedes Jahr an die Endlichkeit des Daseins. Der Tod ist Begleiter und Teil unseres Lebens.
An 365 Tagen im Jahr ist Bestatter Johann Haselbauer aus Ternberg rund um die Uhr erreichbar. Mit seinem Bruder führt er in dritter Generation den Familienbetrieb, der mit Blumen und Möbeln noch zwei weitere Standbeine hat. Bleibt der Trend der letzten Jahre gleich, kommen bald arbeitsintensive Monate auf den Bestatter zu: Generell sei die Sterbezahl zwar gestiegen. Von den jährlich etwa 80 Bestattungen wickelte Haselbauer in den letzten Jahren die meisten davon im Dezember und Jänner ab.

„Sterben fängt im Leben an“

„Manchmal haben wir 15 Bestattungen im Monat, manchmal gar keine. Der Tod kommt, wie es ihm passt.“ Steht keine Bestattung ins Haus, zeichnet Haselbauer bei einem Küchenplan weiter oder sieht im Blumengeschäft nach dem Rechten. Seine Arbeit als Bestatter macht er gern. Der Tod ist für Haselbauer etwas Alltägliches: „Meine Arbeit belastet mich nicht, im Gegenteil. Ein Todesfall ist immer eine Ausnahmesituation. Mit meiner Erfahrung kann ich anderen helfen und so Gutes tun.“ Im Umgang mit Hinterbliebenen ist großes Einfühlungsvermögen gefragt: „Das Sterben fängt schon im Leben an und endet nach dem Tod. Sterben ist ein Prozess, vor dem man sich nicht verschließen kann.“

Leidvolle Erfahrungen

Angehörigen hilft Haselbauer beim Realisieren und Abschiednehmen. Nur wer seine Trauer zulässt, könne auch loslassen. „Trauer sollte niemanden jahrelang überschatten. Ich muss mich vom Verstorbenen 'lösen können'. Sonst habe ich als Lebender ebenfalls meinen Platz im Leben verloren“, weiß der Bestatter. Falls gewünscht, begleitet der Bestatter die Trauerfamilie auch bei der Verabschiedung in die Aufbahrungshalle. „Für den Menschen ist es wichtig, nicht nur freudige, sondern auch leidvolle Erfahrungen zuzulassen“, berichtet Haselbauer. Nicht viel hält er von zuhause aufgestellten Urnen: „Man entzieht dem Verstorbenen sein Recht auf Öffentlichkeit. Alten Freunden zum Beispiel nimmt man so die Möglichkeit, den Toten zu besuchen.“

Noch „offene“ Aufträge

Im Regal neben verschiedensten Urnen-Modellen – von biologisch abbaubar bis hin zur edlen Holzoptik – steht ein Ordner mit „offenen“ Bestattungsaufträgen. „Manche Menschen wollen zu Lebzeiten ihre Beerdigung planen. Das kann auch finanzielle Gründe haben, um die Angehörigen nach dem eigenen Tod nicht mit Kosten zu belasten.“ Bei manchen dieser Aufträge fehle eigentlich nur noch der „Tag X“.
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