22.06.2017, 08:00 Uhr

Erstes Treffen nach 64 Jahren

Suchte nach seinem Großvater - „Ahnenforscher“ Mag. Helmut Holzer (Bildmitte) und fand dabei seine „neue“ Tante Margaret Wynarchuk (links im Bild), die nun eine Woche in Schiedlberg verbrachte. Rechts im Bild Mutter Rosa Holzer. (Foto: GEH)

Halbschwester aus Kanada erst nach 64 Jahren in Schiedlberg getroffen

SCHIEDLBERG / TORONTO (GEH). Nach 64 Jahren trafen sich erstmals zwei Schwestern in Schiedlberg (Bezirk Steyr-Land, OÖ). Möglich wurde dies durch die Ahnenforschung von Sohn Helmut Holzer, der nach seinem Großvater suchte und dabei auch Tante Margaret in Toronto aufspürte.

Die Pensionistin Rosa Holzer (71) aus der Ortschaft Droißendorf in der Gemeinde Schiedlberg hat ihren Vater nie kennen gelernt, da der gebürtige Ukrainer nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft im Jahr 1945 nach Kanada ausgewandert ist. Sohn Helmut Holzer suchte viele Jahre nach seinem Großvater und stieß dabei auf den gebürtigen Ukrainer Wasyl Wynarchuk, der in der Zeit des Zweiten Weltkrieges als russischer Soldat nach Österreich kam, einige Tage nach seinem 20. Geburtstag gefangen genommen wurde und bis Ende des Krieges am Bauernhof von Sylvester Wimmer in Kürnberg arbeitete.
In diesen zwei Jahren lernte er die dortige Magd Berta kennen und als Rosa Ende Dezember 1945 das Licht der Welt erblickte, war ihr Vater Waysyl Wynarchuk bereits nach Kanada ausgewandert. Eigentlich wollte er Berta samt seiner kleinen Tochter nach Kanada nachholen. Es kam jedoch anders und er gründete eine neue Familie in Kanada, wo Margaret Wynarczuk im November 1952 geboren wurde und sie lebt seit 1974 in der größten Stadt Kanadas, in Toronto mit 2,6 Millionen Einwohnern.

„Vor vier Jahren habe ich durch meinen jüngsten Sohn Helmut erfahren, dass ich eine Halbschwester namens Margaret in Toronto habe. Zu dieser Zeit hätte mein Vater seinen 90. Geburtstag gehabt, der im Juni 1987 im Alter von 64 Jahren verstorben ist“, erzählt Rosa Holzer. Nach ersten Briefen folgten unzählige Kontakte per e-mail mit Halbschwester Margaret und ein erstes Treffen war bereits vergangenes Jahr geplant. Dieses Treffen musste jedoch auf heuer verschoben werden und am Samstag, den 10. Juni, war es dann endlich soweit. Am Linzer Hauptbahnhof fielen sich die beiden Halbschwestern in die Arme und Tränen der Freude kullerten über ihre Wangen. „Ein unbeschreiblicher Moment, einfach unglaublich, dass man eine Halbschwester erst nach 64 Jahren zum ersten Mal trifft“, so Rosa Holzer.
Auch bei Margaret Wynarchuk war die Aufregung spürbar: „I felt overwhelming joy and happiness at meeting my sister Rosa“. Und auch die drei Kinder von Rosa: Leopold, Brigitte und Helmut freuten sich über den einwöchigen Besuch ihrer „neuen“ Tante aus Kanada und übersetzten die englische Sprache für ihre Mutter. „I love the beautiful scenery and the mountains. I can look at them forver, without ever tiring of seeing them“, schwärmt Margaret Wynarchuk über ihren erst zweiten Österreichaufenthalt nach Wien im Jahr 1972, wo sie damals noch nichts von ihrer Halbschwester wusste.
„Früher waren uneheliche Kinder verpönt und deshalb hat meine Mutter Berta nur selten etwas von ihrer Beziehung erwähnt. Doch heute sind wir besonders stolz auf sie, da ich und meine geliebte Familie ohne sie nicht auf dieser Welt wären.
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