10.09.2014, 00:00 Uhr

„Wir haben Angst um unsere Existenz“

Josef Pörnbacher, Bernhard Nikodem und Franz Zweckmayr (v. li.) machen mobil gegen Natura 2000. (Foto: Thöne)

Die Landwirte im Ennstal wehren sich gegen die geplante Nachnominierung von Natura 2000-Schutzgebieten.

ENNSTAL. Wut, Zorn und Enttäuschung haben sich bei vielen Landwirten im Ennstal und darüber hinaus breit gemacht. Sie steigen gegen die von der EU geforderte Nachnominierung von Natura 2000-Gebieten auf die Barrikaden. Befürchtet werden Einschränkungen bei der Bewirtschaftung, eine Entwertung der Höfe und der Verlust der Existenzgrundlage.

Neue Interessengemeinschaft
Bei den nominierten Flächen, die nachträglich unter Schutz gestellt werden sollen, handelt es sich zum Großteil um Privatbesitz. Eine Gruppe von betroffenen Ennstalern hat am 4. September eine Interessengemeinschaft (IG) gegründet. An deren Spitze agieren der Landwirt Franz Zweckmayr vulgo Trauner aus Trattenbach sowie der Land- und Forstwirt sowie Ziviltechniker für Forst- und Holzwirtschaft Bernhard Nikodem aus Reichraming.

18 Fragen an Naturschutz-Landesrat
Sie bekritteln vor allem die mangelnde behördliche Information. Niemand weiß so recht, welche Maßnahmen und Einschränkungen geplant sind und ob es Entschädigungen geben soll. Die IG verfasste einen Brief mit 18 Fragen an Naturschutz-Landesrat Manfred Haimbuchner. Antworten sind unter anderem zu folgenden Fragen erwünscht: „Um welche Schutzgüter bzw. Lebensraumtypen handelt es sich auf den betreffenden Flächen?“ Und: „Wurden bereits Erhebungen auf den Grundflächen durchgeführt?“

Unterschriftenliste aufgelegt
Auch eine Unterschriftenliste wurde aufgelegt. Sie soll an Landeshauptmann Josef Pühringer übermittelt werden. Damit protestieren die Landwirte gegen die Vorgangsweise bei der Nachnominierung. „Die Grundeigentümer werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Es besteht keine Möglichkeit, legitime Interessen einzubringen“, sagt Nikodem.
Zwischen der Info-Veranstaltung des Landes OÖ, die in Ternberg stattfand, und dem Beschluss über die nachnominierten Gebiete am 15. September 2014 – dieser wird an die EU übermittelt – liegen nur 13 Tage. „Wir sind besorgte Bürger, die seit Jahrhunderten ihre Grundstücke naturverträglich bewirtschaftet haben und nun vor den Kopf gestoßen werden“, klagt Zweckmayr, der sich selbst als „erfolgreichen Nebenverlustlandwirt“ bezeichnet.
Das Ziel der Bemühungen: Privatgrundstücke dürfen nicht benachteiligt und die Nutzung nicht in Frage gestellt werden.

Hofnachfolge in Gefahr
Schützenhilfe erhält die unparteiische IG vom ehemaligen Steyrer Bezirksbauernkammerobmann Josef Pörnbacher. „Es gehört etwas getan, sie fahren über unsere Köpfe drüber“, sagt Pörnbacher, der selbst einen Hof in Ternberg bewirtschaftet. Ist die Arbeit mit immer mehr Auflagen verbunden, sei auch die Hofnachfolge in Gefahr, betont er.

Info-Veranstaltung am 10. September

Eine Informationsveranstaltung der IG für betroffene Grundeigentümer findet am Mittwoch, 10. September 2014, um 20 Uhr im Gasthof Aglas in Reichraming statt.

Zur Sache: Natura 2000

6700 Hektar Grundfläche sollen in Oberösterreich als Natura 2000-Schutzgebiete nachnominiert werden. Der Umweltdachverband (UWD) hatte 200.000 Hektar gefordert. Er brachte bei der EU Beschwerde ein, dass zu wenig Flächen geschützt seien.
Die EU leitete ein Vertragsverletzungsverfahren ein, dessen „Vollstrecker“ die Landesregierungen sind. „Wir setzen nur die Vorgaben um“, erklärt Thomas Zauner von der oö. Naturschutzabteilung.
Bis 15. September ist die oö. Landesregierung aufgerufen, Gebiete nachzunominieren. Es geht darum, bestimmte Pflanzen und Tiere, darunter den Schluchtwald und den Steinkrebs, zu schützen. Die EU allein entscheidet endgültig über die Aufnahme gemeldeter Gebiete in das Schutzgebiets-Netzwerk Natura 2000.
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