08.02.2018, 10:31 Uhr

Bürgermeister Hackl setzt sich für Kinderschutz im Sport ein

Ewald Staltner (Vorstand Wigwam), Britta Aicher (Sozialarbeiterin Wigwam), Sonja Farkas (Geschäftsführerin Wigwam), Gerald Hackl (Bürgermeister Stadt Steyr; v. l.). (Foto: klartext-kreil)

Das Kinderschutzzentrum Wigwam berät Vereine und Verbände, die sich aktiv für den Kinderschutz einsetzen wollen.

STEYR. „Wir haben viel von massivem sexuellen Missbrauch in englischen Fußballvereinen, im österreichischen Skiverband, bei amerikanischen Turnerinnen gehört in letzter Zeit. Aber wir sollten weniger empört sein - sondern mehr darüber nachdenken, was wir präventiv dagegen tun können,“ sagt Sonja Farkas, Geschäftsführerin des Kinderschutzzentrum Wigwam in Steyr. Das Wigwam berät Vereine und Verbände, die sich aktiv für den Kinderschutz einsetzen wollen. Der Steyrer Bürgermeister Gerald Hackl unterstützt das als Politiker und als Vorsitzender des ASKÖ Sportverbands.

Regeln aufstellen, Grenzen ziehen

„Nennen wir die Dinge beim Wort: Wo es Hierarchien gibt, Abhängigkeiten von Vertrauenspersonen – und das ist im Sport fast immer der Fall – dort ist die Gefahr von Missbrauch keine abstrakte Größe, Missbrauch ist belegt,“ sagt Farkas. Die Studie ‘Safe Sport‘1 sagt aus, dass jeder dritte Athlet im Sport sexistische Sprüche, Grapschen, körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt hat. 1.800 Sportlerinnen wurden für die Studie befragt. Farkas: „Und dagegen kann man etwas tun: Regeln aufstellen, klare Grenzen setzen, alle Beteiligten sensibilisieren und vor allem: Die Trainer und Verantwortlichen in den Vereinen als Partner für den Kinderschutz gewinnen.“
Kinderschutz in Vereinen ist eine facettenreiche Angelegenheit. Das Wigwam berät die Verantwortlichen darüber, an welchen Rädchen sie drehen können:

Zum Beispiel: erweiterter Strafregisterauszug

Personen mit pädophilen Neigungen können recht effektiv abgeschreckt werden. „Diese Personen suchen sehr gezielt und auch untereinander vernetzt nach Vereinen und den Schwachstellen dort, um an potenzielle Opfer heranzukommen.“ Das lässt sich zumindest bei bereits auffällig gewordenen Personen verhindern. Vereine und Organisationen haben seit dem Jahr 2014 die gesetzliche Möglichkeit, von allen Betreuern, Trainern und Funktionären – auch ehrenamtlichen – den sogenannten „Strafregisterauszug Kinder- und Jugendfürsorge“ anzufordern. Dieser spezielle Strafregisterauszug gibt darüber Auskunft, ob Verurteilungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung und damit zusammenhängende Einträge wie gerichtliche Tätigkeitsverbote im Strafregister eingetragen und entsprechend gekennzeichnet sind oder nicht.

Zum Beispiel: ein Ehrenkodex für das Verhalten im Verein

Trainer stehen im Training oftmals in engem Körperkontakt mit Kindern und Jugendlichen, Einzeltrainings zu späterer Stunde sind nötig, oftmals müssen aus baulichen Gründen Duschen gemeinsam genützt werden, bei Turnieren kann es sein, dass junge Sportler und Betreuer in Schlafsälen gemeinsam übernachten müssen. „Es gibt unzählige Gelegenheiten, die von einer Seite als Missverständnis gedeutet werden können, und es gibt viele Situationen, für die einfach transparente Regeln geschaffen werden können,“ sagt Farkas. „Ein Ehrenkodex kann hier klare Verhältnisse schaffen, wenn er sowohl gegenüber den Trainern als auch gegenüber dem Nachwuchs klar kommuniziert wird.“
Ein Leitfaden für die Gestaltung des Sportalltags kann in jedem Verein festgeschrieben werden, in dem der Kinderschutz explizit angeführt wird. In einer Broschüre des Sportministeriums aus dem Jahr 2017 findet man sehr gute Vorschläge dazu.1

Zum Beispiel: Trainer als Verbündete gewinnen

Trainer und Betreuer sind für die jungen Sportler oftmals Vertrauenspersonen. „Ihnen vertrauen sich Kinder und Jugendliche oftmals an, wenn sie von Gewalt oder Missbrauch bedroht sind,“ sagt Farkas. „Leider sind viele Erwachsene damit überfordert. Sie haben Angst, jemanden zu Unrecht zu verdächtigen und wissen nicht, an wen sie sich ihrerseits vertraulich wenden können.“ Das betrifft sowohl Gewalt im privaten Umfeld der Kinder als auch im Verein durch andere, meist ältere Mitglieder – sogenannte „Peer-Gewalt“. Farkas: „Das kennen wir von Skiinternaten, Fußballakademien und sogenannten Eliteschulen, oftmals handelt es sich dabei um Demütigungen im Rahmen von Ritualen, die fast immer sexualisiert sind.“
Das Wigwam ist für Trainer oder Betreuer, die bei ihren Schützlingen Verdacht schöpfen, ein professioneller Ansprechpartner.

Steyr als Musterstadt

Das Wigwam Steyr geht seit rund einem Jahr aktiv auf Steyrer Vereine zu, um sie auf das Thema Kinderschutz aufmerksam zu machen – mit Rückendeckung von Bürgermeister Gerald Hackl. „Die Maßnahmen kann ich nur unterstützen, Steyr kann hier mit einer engagierten Einrichtung und engagierten Vereinen eine Musterstadt für Kinderschutz imSport werden,“ sagt Hackl, der die Vorhaben auch als Vorsitzender des ASKÖ-Sportverbands unterstützt. „Wenn die Eltern merken, dass ihre Kinder in den Vereinen in guten Händen sind und man dort den Schutz von Kindern und Jugendlichen ernst nimmt, dann können die Vereine nur gewinnen.“ Mehr zum Kinderschutzzentrum lesen Sie auf www.wigwam.at
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