20.06.2017, 12:45 Uhr

Arbeiterkammer Steyr zog Bilanz

(Foto: Arbeiterkammer Steyr)
STEYR. Die Arbeitnehmer aus den Bezirken Steyr-Stadt und Steyr-Land erbringen enorme Leistungen – ob sie in der Reinigung, am Bau, in der Produktion, im Büro oder in der Forschung tätig sind. Ohne sie stünde alles still. Ohne sie gäbe es keine Wertschöpfung. Darum hat die Arbeiterkammer Oberösterreich die Leistungsbilanz der Beschäftigten aus den beiden Steyrer Bezirken erstellt.

Von den 64.392 Einwohnern (Stand 1.1.2016) im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren aus den Bezirken Steyr-Stadt und Steyr-Land waren im Jahresdurchschnitt 2016 39.312 Menschen unselbständig beschäftigt (21.456 Männer und 17.856 Frauen). Im Vergleich zum Jahr zuvor ist die Beschäftigung um 0,9 Prozent gestiegen. Die Erwerbsquote liegt mit 77,2 Prozent (2015) über dem Landesdurchschnitt von 76,6 Prozent.

Im Bezirk Steyr-Land haben etwas mehr als 31 Prozent der Beschäftigten einen Teilzeitjob, in der Stadt Steyr sind es 27,8 Prozent die niedrigste Quote aller oberösterreichischen Bezirke. Die Teilzeitquote bei den Frauen ist deutlich höher: Von den in der Stadt Steyr wohnenden Arbeitnehmerinnen waren 2015 fast 48 Prozent teilzeitbeschäftigt – auch das ist der niedrigste Anteil aller Bezirke –, im Bezirk Steyr-Land sogar 54,5 Prozent (Männer: 10,7 bzw. 10,9 Prozent).

Arbeitsmarkt zwischen den Geschlechtern geteilt
Landesweit sind 29,9 Prozent der Beschäftigten in der Produktion und 64,7 Prozent im Dienstleistungssektor tätig. In den Steyrer Bezirken stellt sich das Verhältnis etwas anders dar: In der Stadt Steyr arbeiten 38,5 Prozent in der Sachgütererzeugung und 61,2 Prozent im Servicebereich. Im Bezirk Steyr-Land sind 35,6 Prozent in der Produktion und 52,7 Prozent in Dienstleistungsberufen beschäftigt.
Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt zwischen den Geschlechtern geteilt: Während mehr als die Hälfte der Männer (Stadt: 58,2 Prozent, Land: 50,7 Prozent) in der Sachgüterproduktion arbeitet, sind 86,6 Prozent (Stadt) bzw. 68,9 Prozent (Land) der Frauen im Dienstleistungssektor beschäftigt.


Beschäftigungsentwicklung im Arbeitsmarktbezirk Steyr
Die Beschäftigungsentwicklung im Arbeitsmarktbezirk Steyr ist merklich schlechter wie im Landesdurchschnitt: Bei den Frauen stieg die Zahl der Beschäftigten im Zeitraum 2008 bis 2016 um 7,3 Prozent. Bei den Männern gab es 2009 bedingt durch die Wirtschaftskrise erhebliche Beschäftigungseinbußen. Noch immer sind um 0,6 Prozent weniger Männer beschäftigt als vor der Wirtschaftskrise. Das ist in keinem anderen oberösterreichischen Bezirk der Fall.

Wichtigste Branche in der Stadt Steyr ist die Herstellung von Waren (ÖNACE –Abschnitt C) mit 8888 Beschäftigten – das sind 32,8 Prozent aller Beschäftigten im Bezirk. Auf das Erziehungs- und Unterrichtswesen entfallen 3660 Arbeitsplätze (13,5 Prozent aller Beschäftigten). Rang 3 belegt der Handel mit rund 3475 Beschäftigten (12,8 Prozent). Auf diese drei Branchen entfallen somit fast sechs von zehn Arbeitsplätzen.

Im Bezirk Steyr-Land ist ebenfalls die Herstellung von Waren mit 4836 Arbeitsplätzen (23,5 Prozent) die wichtigste Branche. Dahinter folgen der Handel (2803 bzw. 13,6 Prozent) und die Land- und Forstwirtschaft (2413 bzw. 11,7 Prozent).
Oberösterreich: 40 Millionen Überstunden
und 60 Millionen ehrenamtliche Stunden
Mehr als eine Milliarde Arbeitsstunden haben Oberösterreichs Beschäftigte im Jahr 2016 geleistet. Davon waren 40 Millionen Mehr- und Überstunden, von denen geschätzt mehr als ein Fünftel – das sind rund 8,2 Millionen Stunden – nicht abgegolten wurden, weder in Zeit noch in Geld. Diese zu unrecht unbezahlten Stunden entsprechen einem Wert von rund 200 Millionen Euro oder etwa 4700 Arbeitsplätzen.

Darüber hinaus leisten die oberösterreichischen Beschäftigten rund 60 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden pro Jahr. In dieser Zahl noch gar nicht berücksichtigt ist etwa die häusliche Betreuung pflegebedürftiger Familienangehöriger.

Die Steyrer Beschäftigten sind überaus produktiv
Was die Steyrer Arbeitnehmer vollbringen, kann sich sehen lassen. Betrachtet man die Produktivität in 31 ausgewählten Unternehmen mit mehr als 49 Beschäftigten, so zeigt sich ein beeindruckendes Bild: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag im Jahr 2015 bei mehr als 82.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben diesen 31 Unternehmen jährlich immer noch mehr als 20.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Arbeitslose bemühen sich, wieder einen Job zu finden
Zusätzlich zu den 3846 Arbeitslosen befanden sich im vergangenen Jahr 818 Personen in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 67 Jugendliche suchten eine Lehrstelle. Die registrierte Arbeitslosigkeit beträgt 8,9 Prozent und liegt damit deutlich über dem Landesdurchschnitt. Gegenüber 2015 ist die Zahl der Arbeitsuchenden allerdings um 53 Personen bzw. 1,1 Prozent gesunken.

Den 3846 Arbeitslosen standen 524 offene Stellen gegenüber. Der Stellenandrang lag damit bei 7,3 Arbeitslosen pro freier Stelle – das ist deutlich höher als im Landesdurchschnitt (3,6 Arbeitslose pro offener Stelle) und der mit Abstand höchste Stellenandrang aller Bezirke.
Wie sehr sich die Arbeitslosen aus dem Bezirk Steyr bemühen, möglichst rasch einen Job zu finden, zeigt sich beispielsweise daran, dass 53,4 Prozent der Arbeitsuchenden innerhalb von drei Monaten eine neue Beschäftigung finden. Die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit ist im Bezirk Steyr im vergangenen Jahr um 22 Tage auf 137 Tage gestiegen. Im Landesdurchschnitt ist die Verweildauer um acht Tage gestiegen und liegt nun bei 111 Tagen.

Viele Steyrer nehmen weite Arbeitswege auf sich
Im Heimatort finden 17,8 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Bezirk Steyr-Land und 58,6 Prozent der Beschäftigten aus der Stadt Steyr einen Arbeitsplatz. 63,9 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus Steyr-Land und 41,4 Prozent der Arbeitnehmer/-innen aus dem Bezirk Steyr-Stadt pendeln aus ihrem Heimatbezirk aus – davon jeweils rund 9,5 Prozent in ein anderes Bundesland.

Viele Pendler haben es mit großen Entfernungen zu tun. Etwa 35 Prozent der Beschäftigten aus dem Bezirk Steyr-Land und rund 28 Prozent aus dem Bezirk Steyr-Stadt pendeln jeden Tag mehr als 40 Kilometer und jeweils rund neun Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz. Für sie kostet die berufliche Mobilität nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld.

Einkommen in den Bezirken Steyr-Stadt und Steyr-Land
Die Beschäftigten (Arbeiter/-innen und Angestellte, Voll- und Teilzeit) bekommen in der Stadt Steyr mittlere Bruttoeinkommen von 2733 Euro monatlich – um 24,7 Prozent mehr als im Oberösterreich-Median und das höchste Einkommen aller Bezirke. Der Bezirk Steyr-Land liegt mit einem Median-Einkommen von 2031 Euro an 13. Stelle unter den 18 oberösterreichischen Bezirken.
Landesweit am besten steigen die männlichen Angestellten im Bezirk Steyr-Stadt mit 3998 Euro aus. Arbeiterinnen aus Steyr-Land kommen auf 1291 Euro.

3390 Beschäftigte verdienen trotz Vollzeit unter 1700 Euro
Etwa 3390 Arbeiter und Angestellte aus den Bezirken Steyr-Stadt und Steyr-Land, davon deutlich mehr als die Hälfte Frauen, verdienten 2015 trotz ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung monatlich weniger als 1700 Euro (14 Mal pro Jahr). Das sind 14,1 (Stadt) bzw. 12,3 Prozent (Land) aller ganzjährig Vollzeitbeschäftigten (Frauen jeweils rund 23 Prozent, Männer 9,6 bzw. 7,8 Prozent).

Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung verdienen Frauen im Bezirk Steyr-Stadt um 25,3 Prozent weniger als Männer. Im Bezirk Steyr-Land beträgt der Unterschied sogar 29,8 Prozent. Im landesweiten Bezirksvergleich liegt Steyr-Stadt bei der Höhe der Fraueneinkommen auf Platz vier, Steyr-Land auf Platz sieben (von 18).

Die Steyrer Beschäftigten zahlen 234 Millionen Euro Lohnsteuer
2015 haben die oberösterreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer rund 3,4 Milliarden Euro an Lohnsteuer und rund 3,6 Milliarden Euro an Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die rund 46.998 in den Bezirken Steyr-Stadt und Steyr-Land wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2015 insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro brutto verdient. Von ihren Arbeitseinkommen zahlten die Steyrer Beschäftigten in Summe rund 244,5 Millionen Euro an Lohnsteuer und weitere etwa 243,5 Millionen Euro an Sozialversicherungsbeiträgen (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge). Nach Abzug der Arbeitnehmerveranlagungen werden geschätzt rund 234 Millionen Euro effektiv bezahlte Lohnsteuer bleiben. Insgesamt wurden somit rund 477,5 Millionen Euro an Lohnsteuer und Abgaben bezahlt.

Hohe Innovationsbereitschaft und Kreativität
Innovation entsteht an vielen Orten in vielen Köpfen. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. In Oberösterreich arbeiten rund 11.640 Beschäftige im Bereich Forschung und Entwicklung (umgerechnet auf Vollzeit).

Der hohe Stellenwert von Forschung und Innovation in Oberösterreich zeigt sich auch beim Erfindungsreichtum: So wurden 2016 beim Österreichischen Patentamt 2994 Erfindungen angemeldet. Auf die Bundesländer bezogen stammen die meisten Erfindungsanmeldungen – wie in den Jahren davor – aus Oberösterreich, nämlich 616.

Aus dem Bezirk Steyr-Land sind im vergangenen Jahr 22 und aus dem Bezirk Steyr-Stadt 13 Erfindungsanmeldungen erfolgt. Wenn die Einwohnerzahl berücksichtigt wird, zählten somit Steyr-Land und Steyr-Stadt 2016 zu den 25 Bezirken Österreichs mit den meisten angemeldeten Erfindungen.

Fazit und Forderungen
Die Leistungsbilanz der Steyrer Arbeitnehmer aus beweist, dass sie die mit Abstand wichtigsten Leistungsträgern in den beiden Bezirken sind. Es ist höchste Zeit, diese Tatsache nicht nur öffentlich bewusst zu machen und anzuerkennen, sondern daraus auch die angemessenen wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen zu ziehen.

Für ihre tagtäglich erbrachten Leistungen wollen die Arbeitnehmer/-innen die ihnen zustehenden Gegenleistungen:
Ordentliche Entlohnung
Einhaltung der Arbeitsrechtsansprüche
Soziale Sicherheit

Denn es ist nicht zu akzeptieren, dass die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ständig in Zweifel gezogen wird. Immerhin zahlen sich die Arbeitnehmer/-innen ihre soziale Absicherung zum überwiegenden Teil selber.
Darüber hinaus fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich für die Beschäftigten Lohngerechtigkeit (u.a. durch rasche kollektivvertragliche Anhebung der Mindestlöhne) und Steuergerechtigkeit (u.a. durch Senkung der viel zu hohen Abgaben auf Arbeit).
Die Steuerreform 2016 war ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit. Dennoch bleibt die Schieflage im österreichischen Steuersystem bestehen. Denn nach wie vor tragen die Beschäftigten den Großteil des Steueraufkommens, während Großkonzerne und Superreiche verschont bleiben. Die AK fordert daher weitere Maßnahmen, wie etwa die Millionärssteuer und eine Wertschöpfungsabgabe.
Die hohe Produktivität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer muss ihnen selbst wesentlich stärker zugute kommen. Das hebt auch die Kaufkraft und kurbelt die Konjunktur an.
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