17.10.2016, 15:40 Uhr

Vergrößertes Angebot: Darmkrebs-Vorsorge geht jetzt noch einfacher

Seit 1. Oktober ist das Angebot zur Darmkrebsvorsorge umfangreicher. (Foto: DOC-Photo/panthermedia.net)

Seit 1. Oktober 2016 gibt es die Koloskopie (Darmspiegelung) als Vorsorgeuntersuchung in Oberösterreich zusätzlich zu den Krankenhaus-Ambulanzen auch bei speziell zertifizierten niedergelassenen Fachärzten. Die Koloskopie ist die wirksamste und sicherste Methode, Darmkrebs und seine Vorstufen rechtzeitig zu erkennen.

BEZIRK. Im Rahmen der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung wird ab dem 50. Lebensjahr eine Koloskopie zur Vorbeugung und Früherkennung von Darmkrebs im Abstand von zehn Jahren empfohlen. In Oberösterreich wurde diese bislang nur in Krankenhaus-Ambulanzen durchgeführt. Mit dem Abschluss eines Vertrages zwischen OÖ Gebiets-krankenkasse und Ärztekammer für Oberösterreich trägt die Krankenversicherung nun auch die Kosten für die Vorsorge-Koloskopie bei niedergelassenen Fachärzten für Innere Medizin und Fachärzten für Chirurgie. „Durch das stark erweiterte Angebot für die Vorsorge-Koloskopie erwarten wir eine deutliche Verkürzung der Wartezeiten und mehr Komfort für die Patientinnen und Patienten“, so OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer.

5000 Neuerkrankungen pro Jahr

Die Darmkrebsvorsorge ist von enorm hoher Bedeutung, da Darmkrebs zu einer der häufigsten Todesursachen zählt. Fast 5000 Neuerkrankungen werden jährlich registriert, 56 Prozent der Neuerkrankungen betreffen Männer, 44 Prozent Frauen. Dickdarmkrebs ist damit bei Männern die dritthäufigste, bei Frauen die zweithäufigste Art der Krebserkrankung. Jedes Jahr sterben mehr als 2000 Menschen an Darmkrebs.
„Die Darmkrebsvorsorge in Form einer koloskopischen Untersuchung der über 50-Jährigen senkt das Darmkrebsrisiko erheblich“, sagt OMR Thomas Fiedler, Kurienobmann Niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für OÖ. „Mit dieser Vorsorge-Koloskopie können die niedergelassenen Ärzte auch im Interesse der Patienten nun ihren Beitrag im Rahmen der Vorsorge leisten. Besonders wichtig wäre, die männliche Bevölkerung dazu zu bewegen, diese Vorsorge in Anspruch zu nehmen. Das Auftreten eines Karzinoms ist unter den Geschlechtern etwa gleich verteilt, aber an die Vorsorge denken bis dato vor allem Frauen.“

Wie entsteht Darmkrebs?

Ein bösartiger Tumor im Darm entsteht in den meisten Fällen aus einem Darmpolypen. Diese kommen bei zirka 35 Prozent der Bevölkerung vor und entstehen selten vor dem 30. Lebensjahr. Ab dem 60. Lebensjahr treten sie gehäuft auf. Darmpolypen können mit der Zeit entarten und zu einem Dickdarm-Karzinom heranwachsen. Dies dauert in der Regel rund zehn Jahre. Ein Dickdarm-Karzinom und seine Vorstufen bleiben über lange Zeit symptomfrei.

Erste Warnsignale treten oft erst in einem späteren Stadium auf:

Veränderungen im Stuhlgang wie wechselnd Verstopfung und Durchfall,
Verändertes Stuhlaussehen: Blut oder Schleim im Stuhl
Krampfartige Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit
Blässe, anhaltende Müdigkeit und ein deutlicher Leistungsabfall

Durch das lange Ausbleiben von Symptomen wird Darmkrebs oft erst spät entdeckt ist daher zum Zeitpunkt der Diagnose oft schon weit fortgeschritten: In rund 42 Prozent der Fälle hat der Tumor bei der Diagnose die Darmwand bereits durchbrochen, in weiteren 16 Prozent der Fälle haben sich bereits Metastasen gebildet.

Was bringt die Vorsorge?

Durch die lange Symptomfreiheit ist die Koloskopie die derzeit beste Möglichkeit, Darmkrebs oder seine Vorstufen frühzeitig zu erkennen. Durch die Darmspiegelung lassen sich potenziell gefährliche Veränderungen nicht nur rechtzeitig erkennen, sondern können auch gleich entfernt werden. Damit dient die Koloskopie nicht nur der Früherkennung, sondern auch dem Vorbeugen von Darmkrebs. Somit führt die Koloskopie in den meisten Fällen zur Heilung bzw. zur Verminderung des hohen Behandlungsaufwandes im fortgeschrittenen Stadium.

Wann ist das Darmkrebs-Risiko erhöht?

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist in jungen Jahren sehr gering: Nur etwa 10 Prozent der Darmkrebspatienten sind unter 55 Jahre alt. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 70 bis 75 Jahren. Ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken haben Personen mit chronischen und entzündlichen Erkrankungen des Darmes wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, da die Entzündungsreaktionen Veränderungen der Zellen auslösen können. Etwa fünf bis zehn Prozent der Krebserkrankungen sind auf ein familiäres Risiko zurückzuführen: Sind Eltern oder Geschwister an Darmkrebs erkrankt, weist dies auf ein erhöhtes genetisches Risiko hin.
Auch der Lebensstil beeinflusst das Darmkrebs-Risiko: Eine fettreiche und ballaststoffarme Ernährung, Übergewicht und Rauchen erhöhen nachweislich das Darmkrebs-Risiko. Besteht ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko, ist ein kürzeres Untersuchungsintervall als zehn Jahre angezeigt. Dieses wird gemeinsam mit dem behandelnden Arzt festgelegt. Die Kosten für diese kurative Koloskopie trägt die OÖGKK.

Vorsorge-Koloskopie in Steyr-Stadt und Steyr Land

Kurt Adamer (FA für Chirurgie), Vertragsarzt: Dukartstraße 15, Steyr
Christian Walcherberger (FA für Innere Medizin), Vertragsarzt, Dukartstraße 15-17, Steyr
Krankenhaus der Kreuzschwestern Sierning
Landeskrankenhaus Steyr

Weitere Infos dazu sowie eine Liste der Anbieter auf www.ooegkk.at
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