26.10.2016, 01:00 Uhr

Der bleibenden Zeit mehr Leben geben

Das Wohlbefinden der Patienten und eine Verbesserung der Lebensqualität sind für das Team der Palliativstation wichtig. (Foto: gespag)

Palliativstation LKH Steyr: Lebensqualität fördern und Menschen die Möglichkeit geben, in Würde zu sterben.

STEYR. Menschen, die im fortgeschrittenen Stadium an einer schweren Krankheit leiden und keine Aussicht auf Heilung haben, benötigen eine ganz besondere und ganzheitliche Betreuung. Aus diesem Grund wurde im Landeskrankenhaus Steyr 2011 eine Palliativstation mit zwölf Betten errichtet. Ein interdisziplinäres Team, das neben Ärzten und Pflegern auch aus Sozialarbeitern, Psychotherapeuten, klinischen Psychologen, Seelsorgern, Physio- und Ergotherapeuten sowie Diätologen besteht, kümmert sich dort rund um die Uhr um körperliche und vor allem auch seelische Bedürfnisse der Betroffenen und deren Angehöriger. Ein höchstmögliches Maß an Lebensqualität und Zufriedenheit ist dabei die Zielsetzung. "Wir führen Gespräche mit den Angehörigen und Patienten, klären auf über die Erkrankung, helfen, wenn es beispielsweise um ein Testament geht, oder erfüllen letzte Wünsche", sagt Oberärztin Luzia Schreiber-Winzig, Leiterin der Palliativstation.
Die Behandlungsmethoden, die zum Tragen kommen, haben immer ein klares Ziel: Sie müssen der Verbesserung der Lebensqualität dienen. „Wir wollen unseren Patienten sozusagen mehr Leben für die verbleibende Zeit geben. Offenheit, Empathie und das notwendige Know-how zur Symptomkontrolle, wie beispielsweise Schmerzen, Übelkeit oder Schlafstörungen, sind dabei wesentliche Werkzeuge. Besonders wichtig ist aber das aktive Zuhören“, beschreibt die Oberärztin die Arbeit an der Palliativstation.

Keine Sterbestation
Palliative Pflege unterstützt und begleitet darüber hinaus aber auch Patienten, gut betreut wieder den Weg nach Hause zu finden. Maßgeblich ist dabei die intensive Einbeziehung von Angehörigen. „Das Wohlbefinden der Patienten ist für uns das Wichtigste, wir sind bestrebt, ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren und ihnen die Entlassung ins häusliche Umfeld zu ermöglichen. Die Palliativstation ist keine Sterbestation“, betont sie. Mehr als die Hälfte der Patienten wird wieder in häusliche Obhut und Pflege entlassen. Eine exakte Entlassungsplanung ist für das Team von Schreiber-Winzig besonders wichtig. "Wir schauen natürlich darauf, wie wohnt der Patient, gibt es Angehörige, die sich kümmern, oder braucht der Patient zum Beispiel ein Krankenbett", erklärt die Oberärztin.

Akzeptanz gestiegen
Auf der Station passiert viel: Besuchszeit ist rund um die Uhr. Angehörige können dort übernachten. Die Clini-Clowns und ein Therapiehund kommen vorbei. Zusätzlich unterstützen ehrenamtliche Mitarbeiter das Team der Palliativstation: Sie lesen vor, gehen mit den Patienten ins Kaffeehaus, basteln oder sind einfach nur für die Patienten da.
Finanzielle Unterstützung gibt es vom Verein zur Unterstützung der Palliativstation am LKH Steyr (VUPS). "Viele Menschen haben am Lebensende noch einen Wunsch. Oft fehlen die nötigen Mittel. Es ist Aufgabe des Vereines, einen Beitrag für derlei Anliegen zu leisten", so Schreiber-Winzig. Die Patienten werden entweder vom LKH oder anderen Krankenhäusern oder von praktischen Ärzten zur Palliativstation zugewiesen. Manche Patienten melden sich auch selber. „Es ist für Ärzte oft schwer zu akzeptieren, dass man einen Patienten nicht mehr heilen kann“, weiß Schreiber-Winzig, „die Empfehlung zur Weiterbetreuung in einer Palliativstation war früher für viele Mediziner ein schwieriger Schritt.“ In den vergangenen Jahren hat sich dieser Zugang aber zum größten Teil gewandelt und die Palliativstationen haben sich als besonders wertvolle Unterstützung für Menschen, die keine Aussicht auf Heilung mehr haben, etabliert.

Infos zur Palliativstation des Landeskrankenhauses Steyr gibt es unter: www.lkh-steyr.at/fachbereiche/palliativstation
Mehr über den Verein zur Unterstützung der Palliativstation am LKH Steyr (VUPS) finden Sie auf der Homepage www.vups.at

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