24.08.2016, 10:00 Uhr

Mohn und andere Unterschiede zwischen Österreich und Schweden

Mehlspeisenliebhaber Thomas Marten fehlt in seiner Wahlheimat vor allem eines: Mohn.

Vor 36 Jahren hat der gebürtige Steyrer Thomas Marten seine Liebe in und zu Schweden gefunden.

BAD HALL. Jedes Mal, wenn ein Gaststudent aus Steyr oder Linz im Hörsaal von Thomas Marten Platz nimmt, muss der Dozent grinsen. Vor allem, weil sich Marten noch gut daran erinnern kann, wie schwer er sich anfangs, vor mittlerweile 36 Jahren, mit den kulturellen Differenzen getan hat. „In Österreich ist man gewöhnt, auf der Uni mit 'Sie' angesprochen zu werden. Hier in Schweden duzt man sich – auch mit den Studenten“, erklärt Marten.

Erste Vorlesung 1980

Vor 36 Jahren, da hat Marten gerade noch Politikwissenschaften in Berlin studiert. Naheliegend war das vor allem deshalb, weil Martens Mutter Deutsche war. Weil der Vater aus Österreich kam, wuchs Marten die Jahre zuvor in Steyr auf. „Heimat“ bedeuten für ihn Österreich und Deutschland, „Zuhause“ ist aber Schweden. Im Jahr 1980 hielt er seine erste Vorlesung als Dozent für „Germanistik/Deutsch als Fremdsprache“ an der Linnéuniversität im südschwedischen Växjö. „Obwohl ich eigentlich Politologe war, habe ich als 'ausländischer Lektor' – so die offizielle Bezeichnung damals – an der Uni anfangen können“, so Marten. Ebenso leitet der Dozent einen von insgesamt drei Auslandsösterreichervereinen mit etwa 40 Mitgliedern in Schweden.

„Nörgeln auf höchstem Niveau“

Ein Mal pro Jahr besucht Marten seine Geschwister in Bad Hall. An der österreichischen Einstellung stört ihn vor allem das „Nörgeln auf höchstem Niveau, in einem Land mit so hoher Lebensqualität und so vielen Angeboten.“ Was dem Wahl-Schweden besonders fehlt, ist Mohn: „Den gibt's nämlich hier in Schweden leider garnicht.“ Nächstes Jahr wird er in Pension gehen. Solange seine Frau noch berufstätig ist, werden die Martens in Schweden bleiben. Was dann kommt, ist noch ungewiss.
Was ihm fehlt, das sind auch die Berge, die österreichische Gemütlichkeit und das kulturelle Angebot. Vor allem dann, wenn Marten Zuhause mit einem Schweden ins Gespräch kommt. „Und dann sagt der zu dir, 'du kommst aus Österreich? Was machst du dann hier in Schweden?'“, lacht Marten.

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