"Bei Deal wäre die Natur zweimaliger Verlierer"

Jetzt, da ein so gut wie fertiges Projekt für den „Großraum“ auf dem Tisch liegt, melden sich die Stubaier Grünen nochmal zu Wort. „Wir lehnen diesen massiven Eingriff in seinen Grundzügen ab“, bestärken die Gemeinderäte Andreas Töchterle (Telfes), Christian Egger (Neustift) und Paul Steixner-Kircher (Fulpmes) ihre ablehnende Haltung.

STUBAI (tk). Nachdem der Geschäftsführer der Infrastruktur Stubai Service GmbH, Thomas Ceipek, im BEZIRKSBLATT-Interview erstmals detailliert über die Pläne für die Verbindung von Schlick 2000 und Axamer Lizum sowie allfällige Erweiterungen in Form von Neuerschließungen in den Skigebieten informiert hat, bekunden Töchterle, Egger und Steixner-Kircher noch einmal heftigen Protest: „Auch bei den Vorstellungen in den Gemeinderäten wurde das Vorhaben so dargestellt, als wäre es nur ein kleiner Eingriff. Dem ist aber nicht so, ganz im Gegenteil! Aus diesem Grund lehnen wir das Projekt auch in seinen Grundzügen ab!“

Wettrüsten ist ökologischer Unsinn
Den Stubaier Grünen geht es aber nicht nur darum, dass das Ruhegebiet Kalkkögel zerschnitten würde – dessen Aufhebung würde einen Rattenschwanz an Folgeanträgen mit sich bringen, sind die Mandatare sicher – vielmehr ist es die generelle Zerstörung der Natur, welche die drei zum Kopfschütteln veranlasst: „Alle wollen nur in Richtung mehr Pistenkilometer. Dieses Wettrüsten ist aber ökologischer Wahnsinn! Unsere Ressourcen sind unser Kapital und wir sollten sorgsam mit ihnen umgehen, denn sie sind begrenzt“, meint etwa Egger. Töchterle bringt einen anderen Aspekt aufs Tapet: „Wenn alles so realisiert werden kann, wie vorgesehen, dann hätten wir fünf vollwertige Talstationen in zwei unterschiedlichen Regionen. Für die Orte mit direktem Zugang würde sich aus wirtschaftlicher Sicht wohl was verbessern – Neustift wäre bestimmt Profiteur Nummer eins – aber dass das auch in den übrigen Dörfern der Fall sein wird, wage ich zu bezweifeln!“ Steixner-Kircher sorgt sich ums Finanzielle: „Wer soll die rund 25 bis 30 Millionen Euro bezahlen und trägt sich das überhaupt? Die Gemeinden laufen Gefahr, ihren finanziellen Spielraum erheblich einzuschränken. Und das nicht nur durch Beiträge für die Verwirklichung des Großraums an sich, sondern auch wegen möglicher Folgekosten – siehe Sorgenkinder Elfer und Hochserles-Liftanlagen! Das kann‘s allerdings wirklich nicht sein!“ Die drei Gemeinderäte sind nebenbei bemerkt eine der wenigen, die überhaupt gegen die Skigebietsfusion aufstehen. Bekanntlich steht der Großteil der Politiker und Touristiker im Stubai dem Projekt durch und durch positiv gegenüber. Töchterle, Egger und Steixner-Kircher sind aber sicher, auch innerhalb der Bevölkerung großen Rückhalt für ihren Protest zu haben. Dabei richtet der sich ja nicht gegen den Tourismus an sich, wie die Drei betonen: „Wir sind dafür, dass der Tourismus im Tal floriert und befürworten qualitative Verbesserungen und moderate Neuerschließungen. Aber bitte nicht in Form eines Großraumes!“

Lieber qualitative Verbesserungen und moderate Neuerschließungen
Um dennoch konkurrenzfähig zu bleiben, schlagen die Stubaier Mandatare die Verwirklichung anderer Pläne vor: „Man könnte zum Beispiel den Bereich Galtalm ausbauen, beim Kreuzjoch eine sonnseitige Abfahrt schaffen und die Skiwiese mit einer vergrößerten und modernen Anlage – zumindest einem Sessellift – reaktivieren“, führt Töchterle dazu aus. „Damit würde die Schlick plötzlich bis an das Ortszentrum von Fulpmes reichen, wo sich ein großer Teil der Hotellerie und Gastronomie befindet. Eine starke Belebung des Zentrums wäre zu erwarten. Die derzeitige Talstation könnte für Busgäste und Autofahrer mehr oder weniger unverändert bleiben.“

Das Ruhegebiet Kalkkögel sollte im Gegenzug aufgewertet werden, meint der Telfer: „1983 wurde dieses Schutzgebiet verordnet und dann wurden die Betroffenen 25 Jahre lang damit allein gelassen. Kein Wunder, dass das Ruhegebiet in der lokalen Bevölkerung nicht sonderlich beliebt ist! Ich sehe hier das Land unter Zugzwang, etwas zu unternehmen. Die seit einigen Jahren bestehende Schutzgebietsbetreuung Stubaier Alpen ist ein erster wichtiger Schritt, aber man muss das intensivieren. Regionen wie das Stubai, in denen besonders viele Schutzgebiete ausgewiesen sind, sollten etwa bei der Verteilung von Mitteln für die Infrastruktur besser bedient werden, denn wir leisten ja auch einen höheren Beitrag zum Naturschutz als andere!“

Goldener Mittelweg als Lösung?
Laut Töchterle, Egger und Steixner-Kircher gilt es also insbesondere, einen „goldenen Mittelweg“ zu finden: „Oder ist uns das alles die Zerstörung der Natur wert? Wenn man zu allem Ja und Amen gesagt hätte, wo wäre das Tal heute? Wir hätten einen Lift auf die Serles, mindestens einen Golfplatz etc.! Die Touristen sind doch ursprünglich wegen der bewahrten Natur gekommen und wollen diese in Kombination mit einer guten Infrastruktur auch heute noch. Diese Gratwanderung gilt es zu meistern.“

„Werden nicht aufgeben“
Ein klarer Standpunkt, wobei aber noch unklar ist, inwieweit die Haltung der Stubaier Grünen Einfluss auf die noch ausstehende Entscheidung von Seiten des Landes nehmen kann. Aber man gibt sich ohnehin kämpferisch: „Sollte die Genehmigung erteilt werden, wollen wir trotzdem noch nicht aufgeben!“ Und zum immer wieder gerüchteweise in den Raum gestellten „Deal“ Stubaier Wasser für den Ausbau des Speicherkraftwerks Kühtai gegen Aufhebung des Ruhegebietes meint Egger: „Wenn, dann finden diese Gespräche hinter meinem Rücken statt, befürchte ich. Bei so einem Handel wäre jedenfalls die Natur zweimaliger Verlierer!“

Allen, die ebenfalls ihren Unmut über die Verbindung von Schlick und Lizum kundtun wollen, empfehlen die Grünen abschließend die Internetseite ihrer Kollegen aus Axams – www.unserekalkkoegel.at – hier kann man mittels Unterschrift gegen das Projekt „Großraum“ auftreten.

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