Trins
Der Exot im Orchester

Georg Pranger aus Trins mit seinem Lieblingsinstrument, dem Euphonium.
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  • Georg Pranger aus Trins mit seinem Lieblingsinstrument, dem Euphonium.
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Georg Pranger ist Österreichs einziger Euphonium-Profi. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Instrument zu mehr Anerkennung zu verhelfen.

TRINS. Er ist 32 Jahre jung und ein absoluter Spezialist am Euphonium. Noch nie gehört? Wir auch nicht, bis wir Georg Pranger trafen. Der Trinser ist weit mehr als ein leidenschaftlicher Musikant. Er reiht sich in die Riege der Profis ein und wird europaweit für Gastspiele gebucht. Seine große Liebe gilt dem Euphonium, einem mit dem Tenorhorn verwandten Instrument.

Klassischer Werdegang

"Begonnen hat alles ganz traditionell", erzählt Pranger. "In der Musikschule habe ich Ziehorgel und Tenorhorn gelernt. Ich habe alle Abzeichen gemacht und bin in die Musikkapelle eingetreten." Für Pranger war schon früh klar, dass er hauptberuflich Musik machen will. Um trotzdem ein zweites Standbein zu haben, absolvierte er die HTL für Maschinenbau in Innsbruck. Dann aber gab es kein Halten mehr: Pranger spielte bei der Militärmusik Tirol, der Brass Band Fröschl Hall und studierte am Mozarteum in Salzburg Posaune. Posaune deshalb, weil man in Österreich Tenorhorn und Euphonium nicht studieren kann. "Das heißt, wenn man sein Talent zum Beruf machen möchte, muss man wechseln", beschreibt Pranger einen Wermutstropfen.

Hunderte Spielereien

Heute ist er im Brotberuf Musikschullehrer bei der LMS Wipptal und in Innsbruck. Nebenbei reist er in coronafreien Zeiten freischaffend von einem Engagement zum Nächsten. Auftritte, Jurytätigkeiten, Workshops - sein Einsatzspektrum ist breit gefächert. Pranger ist dabei nach wie vor am liebsten mit dem Euphonium unterwegs. Da das Instrument aber zumindest in unseren Breitengraden zu den totalen Exoten zählt, ja, mitunter stiefmütterlich behandelt wird, ist das nicht immer ganz einfach, erklärt der 32-Jährige: "Im Symphonieorchester gibt es keinen fixen Platz für das Euphonium, respektive ist es nur in ganz wenigen Werken besetzt. Von daher hat man mit dem Euphonium keinen so leichten Stand."

Auf Neuland gewagt

Der Wipptaler hält dennoch mit viel Herzblut an seiner Grundliebe fest. Er hätte es sich eben so in den Kopf gesetzt, lacht er. "Ich habe mich damit zwar musikalisch etwas ins Abseits gestellt, das aber auch ganz bewusst, mir taugt's." Unbeirrt hat er sich also auch auf dem Euphonium ständig weitergebildet. Unter anderem bei Oberguru Steven Mead, der in Augsburg eine Gastprofessur hatte." Damit es andere Euphonium-Fans künftig nicht mehr so schwer haben, zielt Pranger nun darauf ab, dass man Euphonium auch in Österreich als Hauptfach studieren kann: "In anderen Ländern ist das längst Usus. Dort gibt es Vorbilder, eine Szene und einen Markt. Das würde ich mir auch für Österreich wünschen, dafür will ich kämpfen", betont er. Um ein Signal zu setzen, hat er beispielsweise eine CD mit Stücken aufgenommen, die österreichische Komponisten extra für ihn komponiert haben.

Kein Nachteil ohne Vorteil

Im Umkehrschluss ist der 32-Jährige aktuell eben einer der ganz wenigen Spezialisten auf seinem Gebiet. So kommt es vor, dass das Rundfunk-Symphonieorchester Berlin anruft und ihn für eine Tournee einfliegen lässt. Er spielte auch Konzerte in der berühmten Berliner Philharmonie, hat die R.E.T Brass Band gegründet, der u.a. auch Max Eller und Andreas Höllrigl aus dem Wipptal angehören, musiziert aktuell auch bei den Original Woodstock Musikanten und, und, und.

Seit er Familienvater ist, ist er nicht mehr so oft auf Tour. "Ich versuche mir jetzt vermehrt selbst Sachen zu schaffen, weil es in Österreich für Euphonisten eben wenig gibt. Im vergangenen Sommer habe ich ein Euphonium-Konzert mit europäischen Professoren am Trinser Waldfestplatz organisiert, ich mache Klavier-Euphonium-Abende etc." Pranger bearbeitet also gleich mehrere Stilrichtungen - bevorzugt Klassik und Kammermusik, aber auch seine Wurzeln, die Blasmusik und die Tanzlmusig sowie die Böhmische Musik, bedient er nach wie vor.

Reiner Idealismus

"Ich tue alles zu gerne, das ist mein Problem", schmunzelt er, denn die vielen verschiedenen Felder erfordern freilich auch mehr Übungseinheiten. "Wenn du dein Level halten willst, musst du halt investieren, oder du lässt es", sieht es der Profi pragmatisch. "Ich mache das aus reinem Idealismus. Immer verbunden mit der Hoffnung, dass die nächsten dann einen leichteren Weg haben." Eine kleine Erleichterung und Anerkennung ist ihm selbst kürzlich auch widerfahren: Georg Pranger ist neuerdings beim Instrumentenhersteller Besson unter Vertrag. Das ist wie ein Ritterschlag sagt der Wipptaler, denn diese Kunststück gelang bisher noch keinem anderen österreichischen Musiker und schon gar nicht mit dem hierzulande exotischen Euphonium.
www.meinbezirk.at

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