Urgestein
Ein Leben für die Wildbach- und Lawinenverbauung

Sepp Neuner war maßgeblich an den Verbauungsarbeiten im Stubai und Wipptal beteiligt.
  • Sepp Neuner war maßgeblich an den Verbauungsarbeiten im Stubai und Wipptal beteiligt.
  • hochgeladen von Katharina Ranalter (kr)

GEBIET (kr). Sepp Neuner ist das, was man als Urgestein in der Wildbach- und Lawinenverbauung nennen kann. Von 1962 bis Anfang der 2000er Jahre war er im Dienst für die Sicherheit vor Hochwasser- und Lawinengefahr – und war auch maßgeblich an den Verbauungsarbeiten im Stubai- und Wipptal beteiligt.

Vor und nach dem Krieg

Sepp Neuner wurde im Kaunertal geboren. Nach seiner Matura ging er nach Wien auf die Universität für Bodenkultur. Bei der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) fing er dann im Jahr 1962 an. "Die WLV gibt es seit 1884. Sie entstand, weil es im Jahr 1882 massive Vermurungen gab und man sich künftig davor schützen wollte", erzählt Neuner. Bereits bis zum Jahr 1914 wurden sehr viele Verbauungen in Tirol realisiert - danach kamen die Weltkriege und die Verbauungstätigkeit wurde weniger. Erst als die Kriege vorbei waren, nahm man die Verbauungen nach und nach wieder auf.
"Zunächst wurde der Schwerpunkt bei den Verbauungen auf die Wildbäche gelegt", erinnert sich Sepp Neuner. "Doch im Jahr 1951 gab es im Alpenraum – also in der Schweiz, in Tirol und in Salzburg – riesige Lawinenereignisse." Daraufhin wurde der Fokus neben der Wildbachverbauung auch auf den Schutz vor Lawinen gelegt.

Sehr harte Arbeit

Als Sepp Neuner seine Arbeit bei der WLV aufnahm, war er im technischen Büro tätig und war für die Projektierung sowie für die Planungsarbeiten zuständig. Die Arbeiter, die damals direkt auf dem Berg arbeiteten, hatten es damals alles andere als leicht, erinnert sich Sepp zurück: "In den 60er Jahren gab es noch keine Maschinen oder Bagger – das allermeiste musste mit bloßer Muskelkraft, Pickel und Schubkarren erledigt werden." Später kamen dann Schubraupen, Planierraupen und Seilzugbagger dazu, bevor in den 70er Jahren dann auch Hydraulikbagger eingesetzt wurden. "Es war und ist wirklich eine ausgesprochen harte Arbeit", so Neuner. Früher mussten beispielsweise die Stahlschneebrücken mühsam mit Muskelkraft in den Felsen verankert werden. Diese wurden aber dann weiterentwickelt und ein System geschaffen, wo man die Brücken gut, sicher und schneller verankern kann. "An dieser Entwicklung waren auch Stubaier maßgeblich beteiligt", erzählt Neuner.

Stubai- und Wipptal

In seiner langjährigen Tätigkeit war Sepp Neuner viel im Stubai- und Wipptal unterwegs. Er hat beispielsweise die Bachertalverbauung, den Weg von Forchach auf die Starkenburgerhütte oder die Verbauungen in Schmirn projektiert. Bei seiner Arbeit war er viel mit der Bevölkerung in Kontakt und führte Verhandlungen - Neuner: "Die waren nicht immer einfach – einmal haben wir von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr morgens am nächsten Tag verhandelt, bis wir auf einen grünen Zweig gekommen sind." Zusätzlich zu den Verbauungen hat man auch immer die Aufforstung ein wichtiger Bestandteil, so Neuner: "Vor allem im Stubai und Wipptal hat die WLV viel Hochlagenaufforstung betrieben, was für die Stabilität am Berg maßgeblich war."

Pionierarbeit

Im Bereich der Zonenpläne schaffte Neuner sogar Pionierarbeit: 1971 realisierte er den ersten Gefahrenzonenplan für Tux und Vahrn. Heute wird ein solcher Gefahrenzonenplan in ganz Österreich verwendet.

Zukunftspläne

"In Tirol gäbe es natürlich noch viel zu verbauen, aber was die Absicherung von Siedlungsräumen angeht, ist sicherlich 90 Prozent ausgeführt", betont Sepp Neuner. Auch bei den Bachverbauungen sei schon viel passiert, aber es scheint ihm, dass der Klimawandel noch viel verändern wird. "Auch im Bereich Steinschlagschutz wird die Situation sicherlich eher herausfordernder werden", so Neuner. Eine der größten Aufgaben sei aber die Erhaltung der bereits ausgeführten Verbauungen.

Autor:

Katharina Ranalter (kr) aus Stubai-Wipptal

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