Stubaital
Kirchturmpolitik außen vor

Die Zusammenarbeit innerhalb der Region funktioniert noch nicht immer reibungslos, aber immer besser.
  • Die Zusammenarbeit innerhalb der Region funktioniert noch nicht immer reibungslos, aber immer besser.
  • Foto: Andre Schönherr
  • hochgeladen von Tamara Kainz

Gemeinsam die Zukunft gestalten und zwar über die Gemeindegrenzen hinweg – das wird im Stubaital gelebt.

STUBAI. 2018 schlossen sich die fünf Gemeinden zum ersten Klimabündnis-Tal Tirols zusammen und aktuell sind sie „Mitglied des Monats“. Im Interview erzählen Klimabündnis-Beauftragte Tanja Jenewein und Talmanager Roland Zankl von "ihrem Tal mit Potenzial".

Als Kirchturmpolitik bezeichnet man politische Entscheidungen, die sich nur innerhalb der eigenen Gemeindegrenzen abspielen. Im Stubaital habt ihr dieses Denken überwunden. Wie?
Jenewein: Durch viele engagierte Menschen und die Bereitschaft der Stubaier Bürgermeister. Mit Mut und Offenheit begann 2018 der Bürgerbeteiligungsprozess um herauszufinden: Wo wollen wir als Tal hin? Das war ein Geschenk für die Region. Und der Prozess wurde von Anfang an von politischer Seite mitgetragen.

Und was kam dabei heraus?
Zankl: Ein Beteiligungsprozess ist immer aufwändiger als politische Entscheidungen, die von oben herab getroffen werden. Aber das Ergebnis war’s auf jeden Fall Wert! Durch das Einbeziehen der Stubaier haben wir viele Ideen gewonnen und gemeinsam ein Zukunftsbild für das Tal entworfen. Entstanden sind dann Arbeitsgruppen zu den Themen Mobilität, Raumordnung, Wirtschaft, Soziales und Klimabündnis.
Jenewein: Genau, alle fünf Gemeinden haben sich dem Klimabündnis angeschlossen. Und wir haben Roland Zankl als Talmanager gewonnen. Ohne ihn, der alle Aktivitäten zwischen den Gemeinden koordiniert, wäre dieser gemeinsame Weg nicht möglich!

Lokaler Klimaschutz lebt von engagierten Personen. Wie seid ihr selbst zu dem Thema gekommen?
Jenewein:
Bei mir war‘s der Klimaschutzlehrgang von Klimabündnis Tirol, der mir wirklich die Augen geöffnet hat. Nicht zuletzt, weil ich Mutter bin, habe ich gewusst, dass ich etwas tun möchte. Das Thema Klimaschutz wird uns in Zukunft immer begleiten. Also haben wir den Arbeitskreis Klimabündnis-Tal gegründet.
Zankl: Ich selbst komme eher von der betriebswirtschaftlichen Seite. Ich war lange im Geschäftsbereich Energie tätig und habe auch viel Erfahrung mit der Arbeit in Gemeinden. 2019 habe ich dann den Antrag zur Klima- und Energiemodellregion (KEM) „Zukunft Stubai“ eingereicht und bin seitdem auch Tal- und KEM-Manager.

Was plant ihr jetzt konkret als Klimabündnis-Tal und KEM-Region?
Jenewein:
Das Klimabündnis verstehen wir als Netzwerk. Mir ist es deshalb ein Anliegen, dass wir im Tal auch viele Bildungseinrichtungen ins Klimabündnis holen. Gemeinsam lassen sich dann viele kleine und große Projekte realisieren. Zum Beispiel der Pedibus – der Bus auf Füßen – der schon in Mieders unterwegs ist.
Zankl: Das Schöne ist, dass uns Programme wie KEM die Möglichkeit geben, wichtige Projekte zu finanzieren. Naturnahe und insektenfreundliche Bepflanzung zum Beispiel. Und auch im Bereich Mobilität haben wir einiges vor, wie ein Sozialtaxi, die Mitfahrbörse ummadum, E-Car-Sharing, E-Bike-Sharing, etc.

Welche Rolle spielt der Tourismus dabei?
Zankl:
Natürlich ist der Tourismus ein wichtiges Standbein für den Wirtschaftsstandort Stubaital. Ich denke wir müssen hier die Chance nutzen, um für alle Beteiligten ein lebenswertes Umfeld zu schaffen. Der Tourismus finanziert Infrastruktur, die alle nutzen können, wie zum Beispiel die gratis Wintersport-Busse.

Was würdet ihr anderen Gemeinden empfehlen, die eurem Beispiel folgen möchten?
Zankl:
Im Denken als Region und nicht nur als Gemeinde liegt viel Potenzial, speziell bei großen Themen wie Mobilität oder Energie. Andere Bereiche, wie die Raumplanung, sind schwieriger, können aber trotzdem gemeinsam gelöst werden.
Jenewein: Alle Maßnahmen sind nur so gut, wie die Menschen die dahinterstehen: Es braucht die engagierten Freiwilligen, genauso wie ein Bekenntnis von der Politik. Es braucht die kleinen und großen Erfolge und die müssen gut kommuniziert werden.

Wie stellt ihr euch die „Zukunft Stubai“ vor?
Zankl:
Im Talentwicklungsprozess wurde ein Leitbild für das Stubai definiert: „Das ausgeglichene Vorzeigetal zwischen Stadt und Gletscher.“ Das wünsche ich mir. Natur und Tourismus, Wirtschaft und Bevölkerung müssen zusammenspielen.
Jenewein: Wenn wir weiterhin auf Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit bauen, sehe ich positiv in die Zukunft.
www.meinbezirk.at

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