Kriechhang ist zu entwässern

Experten standen Rede und Antwort: Florian Riedl, Josef Plank, Thomas Sausgruber und Johannes Anegg
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NAVIS. In ihren klaren Worten sind sich die Vertreter der Wildbach- und Lawinenverbauung (die.wildbach) sowie Geologen einig: Der Schuttstrom, auf dem die Kerschbaumsiedlung steht, muss dringend entwässert werden. Dies wurde bei einer Versammlung der Bewohner der 84 Häuser der Naviser Siedlung am Freitag betont.

3,5 bis vier Zentimeter bewegt sich der Hang im am stärksten betroffenen, talauswärtigen Teil. Auf der anderen Seite der Siedlung sind es immer noch 1,4 bis zwei Zentimeter. "Das sind nackte Tatsachen", betonte Johannes Anegg, der Vorstand der Abteilung Geoinformation des Landes Tirol. Im Stundentakt bekommt er die Werte überspielt, die von einer Messstation auf der gegenüberliegenden Talseite aufgezeichnet werden. Eine geoelektrische Untersuchung habe die Vermutung nahegelegt, dass Wasser im Hang ein Hauptgrund für die Bewegung sei.

Nach vielen Probebohrungen habe man nun die Gewissheit, wo genau die 125 Entwässerungsbrunnen und weiteren Drainagen zu setzen seien. Es sei notwendig gewesen, diese Untersuchungen vor weiteren Maßnahmen durchzuführen, da aufs Geratewohl gegrabene Brunnen nicht viel bringen würden, erklärte Josef Plank, Gebietsbauleiter die.wildbach: "Wir werden die Bewegung zwar nicht völlig zum Stillstand bringen, aber wir können sie deutlich reduzieren." Wie deutlich, könne nicht eingeschätzt werden, da alle Berechnungen nur "modellhaft" seien. Deshalb sei es die Grundidee, "soviel Wasser wie nur möglich zu entziehen".

Weiters sei deshalb angedacht, Weideflächen abzulösen, damit die Oberflächen nicht noch mehr verdichtet werden und bestimmte Waldteile von Fichten- in Mischwald umzuwandeln: "Wir haben nur eine Chance, diesen Prozess zu stoppen, da ist eine Minimalvariante keine Option!" Die Kosten schätzen die Experten auf elf Millionen Euro für eine Arbeitslaufzeit von zehn Jahren. Was die Finanzierung und noch ausstehenden Genehmigungen betrifft, ist Bürgermeister Hubert Pixner, der selbst in der betroffenen Siedlung lebt, zuversichtlich.

Panik sei aber nicht angebracht, waren sich die Experten einig, nachdem einige der Anwohner massive Bedenken geäußert hatten. Man könne aufgrund der Messdaten ausschließen, dass sich der Hang plötzlich in Bewegung setze und Menschenleben in unmittelbarer Gefahr seien. "Das ist Panikmache! Sie brauchen zum jetzigen Zeitpunkt keine Angst zu haben", betonte Anegg. Er sei der erste, der anhand der Messdaten bemerken würde, wenn sich daran etwas ändern sollte.

Laut Angaben der versammelten Experten seien so genaue Daten erst mit neuen "Laserscanbildern" möglich geworden, die in Tirol von 2005 bis 2010 gemacht wurden. Im Jahr 2001 sei zwar eine Bewegung erkannt worden, aber noch nicht, dass es sich dabei um einen Schuttstrom handle.

Autor:

Arno Cincelli aus Innsbruck

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