Diskussion um Lueg-Brücke
Wipptaler rebellieren gegen Asfinag-Pläne

Asfinag-GF Stefan Siegele traf der der Info-Veranstaltung in Gries auf ein geschlossenen auftretende Regionspolitik, die sich gegen die präsentierte Brückenlösung zur Wehr setzen will und ein externes Gutachten zu allen Varianten fordert.
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  • Asfinag-GF Stefan Siegele traf der der Info-Veranstaltung in Gries auf ein geschlossenen auftretende Regionspolitik, die sich gegen die präsentierte Brückenlösung zur Wehr setzen will und ein externes Gutachten zu allen Varianten fordert.
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GRIES/WIPPTAL (lg). Dass aus der Info-Veranstaltung eine Polit-Debatte werden würde, habe er nicht erwartet. Asfinag-GF Stefan Siegele staunte am Samstag nicht schlecht, als alle zwölf Bürgermeister des Wipptales mit Rückendeckung von Nationalrats- und Landtagsabgeordneten im Grieser Gemeindesaal geschlossen für einen Tunnelbau bzw. eine externe Prüfung der Varianten auftraten.

Wipptal steht geschlossen da

"Die Asfinag hat die Info-Veranstaltung leider nicht für einen offenen Dialog genutzt, sondern fast ausschließlich die Vorzüge der von ihr präferierten Brückenvariante präsentiert", kritisierte Bgm. Karl Mühlsteiger, der diese Vorgehensweise als schweren Fehler betitelt. Auch LH Günther Platter hatte seinen Unmut über die fehlende Kommunikation im Vorfeld kundgetan. Nachdem die Wipptaler Bevölkerung ihren Willen nun deutlich gemacht hat, fordert er ein "ernsthaftes externes Gutachten", wobei die Gutachter gemeinsam mit den Wipptaler Bürgermeistern ausgewählt werden sollen. Platter: "Geld darf dabei kein Kriterium sein, wenn man weiß, wie viele Mauteinnahmen jedes Jahr aus Tirol zur Asfinag fließen." 

Bestlösung: Aber für wen?

Der Andrang im Gemeindesaal und das Interesse an einer Diskussion auf Augenhöhe waren groß. So mancher Besucher machte seiner Empörung Luft. Sätze wie "Da wird sowieso einfach über uns drüber gefahren" oder "Das wird eh alles in Wien entschieden", hingen zwischen den Info-Tafeln, Plänen und Videobildern in der Luft. Das Team der Asfinag bemühte sich ihrerseits sehr, die Fragen und Bedenken aus der Bevölkerung sachlich zu klären. Der Autobahnbetreiber habe die Vor- und Nachteile der möglichen Varianten gewissenhaft abgewogen, die Bestlösung sei definitiv ein Brückenbau. Geschäftsführer Siegele wehrte sich außerdem klar gegen den Vorwurf der fehlenden Kommunikation und konterte: "Es gab im Vorfeld sehr wohl zahlreiche Gespräche mit den regionalen Polit-Vertretern." Der Forderung nach einer externen Prüfung stimmte Siegele jedoch direkt zu. Er will alle Beteiligten an einen runden Tisch holen. 

Wegweisender Schritt

Bgm. Mühlsteiger und VP-LA Florian Riedl sehen in der Tunnellösung eine einmalige Gelegenheit, um die Belastung für die Menschen der Region zu reduzieren. Ein Tunnel könne außerdem zugleich "wegweisend für die anstehenden Sanierungen der Mützner- und Gschnitztalbrücke" sein. Die Nachteile der Brücke liegen für die beiden auf der Hand: Einerseits sei die vom Padaunerberg ausgehende Gefahr damit nicht gebannt, die Bevölkerung nicht entlastet und die Zukunft durch die Möglichkeit der Nutzung des Pannenstreifens als dritte Spur womöglich noch verkehrsreicher. "Wir müssen das Thema auch umfassender betrachten", so Mühlsteiger. "Wir wollen ja mit dem BBT den Verkehr auf Schiene bringen und nicht noch mehr Straßen-Infrastruktur zur Verfügung stellen, die dann natürlich auch genutzt wird." Der Grünen-Verkehrssprecher LA Michael Mingler aus Trins ortet ebenfalls eine vertane Chance für die verkehrsgeplagten Wipptaler: "Dadurch, dass die geplante neue Brücke deutlich breiter sein soll, besteht langfristig die Gefahr der Öffnung einer dritten Spur, was um jeden Preis verhindert werden muss!" Dass die Leute vor vollendete Tatsachen gestellt werden, kritisiert neuerlich auch NEOS-LA Andreas Leitgeb aus Mieders scharf. Er wundert sich gleichzeitig über die Empörung seitens der Landesregierung, weil diese von Seiten der Asfinag "ja schon lange informiert gewesen sein muss". 

Kosten kein Argument

Die Argumente der Gegenseite versuchten Siegele und sein Asfinag-Team freilich zu entkräften. Es gehe nicht um die Mehrkosten, des 300 Millionen kostenden Tunnels gegenüber der 200 Millionen Euro teuren Brücke. Vielmehr sei ein Tunnel mit dieser Länge und dieser Steigung nicht ungefährlich, wurde verdeutlicht: "Im Pannenfall beispielsweise muss der Tunnel komplett gesperrt werden, was die Bevölkerung zusätzlich belastet. Die Brücke kann jedoch als Staufläche dienen." Auch die Befürchtung hinsichtlich Aktivierung einer dritten Spur entkräftete Siegele. Der Pannenstreifen diene ausschließlich der Verkehrssicherheit.

Viel Druck, wenig Zeit

Von diesen Argumenten hält man in Gries indes wenig. Bgm. Mühlsteiger will weiter kämpfen, und zwar für eine Lösung, die im besten Falle für alle als "Bestlösung" durchgehen wird. FP-LA Evelyn Achhorner pocht ihrerseits auf schnelle Entscheidungen am Boden der Sachlichkeit: "Es ist klar, dass der Druck der Sanierung sehr groß ist, auch wird die ständig drohende Steinschlaggefahr für die Brückenpfeiler klein geredet." Wenn die Kommunikation so weitergehe, werde es aber nicht mehr um die beste Lösung für alle gehen, sondern die Fronten werden sich verhärten und man wird wertvolle Zeit verlieren!
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