Interview
Woertz: "Bin kein Schwärmer für die Fusion"

"Bin kein Schwärmer für die Fusion, denn bis zum Schwärmen ist noch sehr viel harte Arbeit", meint Bgm. Alexander Woertz.
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Bgm. Alexander Woertz gilt als "kritischer Fusionierer". Wie der 44-Jährige seine Skepsis argumentiert und was es sonst aus Pfons zu berichten gibt, haben wir ihn gefragt.

BEZIRKSBLATT: Herr Woertz, Sie wurden nach Ihrem Vater Argen 2016 zum Bürgermeister gewählt. War es Ihr Wunsch, ihm nachzufolgen?
Woertz:
Nein. Eigentlich stand die Politik gar nicht auf meiner To-do-Liste. Ich war vorher auch nicht im Gemeinderat vertreten, bin also ein totaler Quereinsteiger. Dementsprechend schwer habe ich mich anfangs getan, wenngleich Ortschef sein sehr spannend ist.

Trotzdem haben Sie sich zu einer Kandidatur entschlossen?
Ja. Nach langem Nachdenken und vielen Gesprächen mit meinen Listenkollegen und ehemaligen Mandataren der Liste meines Vaters haben wir eine neue Fraktion gegründet, mit der wir allerdings keine Mehrheit im Gemeinderat halten. Das Gesprächsklima ist dennoch ganz gut.

Sie finden sich also in Ihrer Rolle wieder?
Gewiss. Wir haben in den vergangenen Jahren doch einiges zustande gebracht. So ist die Gemeinde etwa zu 40 Prozent mit Glasfaserinternet ausgebaut, bis zum Ende der Legislaturperiode werden es drei Viertel oder mehr sein. Im nächsten Jahr sollen die Revitalisierung des Trinkwasserkraftwerks und der Totalausbau der Ellbögner Landesstraße samt neuen Gehsteigen und neuem Radweg, neuer Sillbrücke etc. starten.

Apropos Straße – wie bewährt sich das Wochenend-Fahrverbot im niederrangigen Straßennetz?
Sehr gut, man hört nur Positives. Die Aktion war wichtig und richtig. Was ich im Hinblick auf den Verkehr nach wie vor traurig finde, ist, dass die Kommunen bei Lärmschutzmaßnahmen mitzahlen sollen, während etwa bei der Asfinag hunderte Millionen nach Wien fließen. Leider gestalten sich alle diesbezüglichen Verhandlungen schwierig, aber wir sind und bleiben dran!

War die Situation bezüglich der Strommasten in der Haslachsiedlung ähnlich kompliziert?
Ja. Das Projekt ist inzwischen aber soweit auf Schiene. Bei der Erhöhung des letzten Mastens, den die Tiwag unglücklicherweise nicht im Programm hatte, beteiligt sich die Gemeinde nun finanziell. Die gesamte Siedlung aus der Trasse auszuwinkeln oder die Leitung überhaupt anderweitig zu führen, war unmöglich. Die jetzt anvisierte Lösung scheint aber für die meisten Grundeigentümer verträglich zu sein.

Was die Gemeindefusion von Pfons mit Matrei und Mühlbachl angeht, gelten Sie als "größter Kritiker". Was ist dran?
Schwärmer für halbe Sachen bin ich keiner. Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns, damit sie dann wirklich funktionieren kann. Wobei die aktuelle Verwaltungskooperation von mir schon tatkräftig mitangeschoben wurde, weil ich sehr fürs Zusammenarbeiten bin – auch mit anderen Gemeinden – in Bereichen wie Bau, Buchhaltung, Bürgerservice etc. Um Synergien optimal zu nutzen, schwebt mir jedoch eher der Gedanke eines Servicecenters für das gesamte Wipptal vor.

Was sagen Ihre Kollegen im Planungsverband zu dieser Idee?
Die warten eher ab, wie bei uns alles anläuft, aber es gibt auch schon erste Anfragen.

Und wie läuft es aus Ihrer Sicht an?
Wie alles, das anläuft. Sehr gut und mit Startschwierigkeiten. Alles andere wäre gelogen. Matrei, Mühlbachl und Pfons bildeten schon in den letzten 40 Jahren eine tolle Gemeinschaft. Das soll auch so bleiben. Aber es gab doch immer wieder Entscheidungen, die natürlich gemeindeintern, ja kirchturmdenkend getroffen wurden. Auf den Punkt gebracht bin ich ein Fan der Kooperation, die ist für die Zukunft sicher überlebensnotwendig. Ich bin jedoch nicht der Meinung, dass man aus unseren drei Gemeinden unbedingt schnellstmöglich ein großes Ganzes formen muss.

Wie soll es also weitergehen mit der im Raum stehenden Fusion?
Da die Ansichten auch im Pfoner Gemeinderat geteilt sind, haben wir uns darauf geeinigt, einen Experten zu Rate zu ziehen und im Zuge eines "Trainingstages" die Vor- und Nachteile beider Systeme – also mit oder ohne Fusion – zu erarbeiten und abzuwägen. In weiterer Folge werden wir die Bevölkerung über die Ergebnisse informieren, denn sie ist es ja, die letztlich abstimmen wird. Kommt bei der Volksbefragung ein Ja zur Fusion, muss jedenfalls alles gut organisiert und geplant sein und so funktionieren, dass es harmonisch läuft.

Es gibt bereits Spekulationen, denen zufolge vielleicht nur Matrei und Mühlbachl zusammengelegt werden könnten.
Diese Variante wäre auch für mich denkbar. Eventuell als erster Schritt, dem später ein zweiter von Pfons folgen könnte – oder eben auch nicht. Grundsätzlich möchte ich dazu aber schon betonen, dass ich bestimmt nicht gegen eine Fusion arbeite.

Sollte sie "nicht aufzuhalten" sein, würden Sie sich als Bürgermeister bewerben?
Das kann ich aus persönlichen Gründen frühestens ein Jahr vor der Wahl fixieren. Dasselbe gilt für eine neuerliche Kandidatur, wenn sie nur Pfons betreffen würde.

Ortschef in wie auch immer gearteter Weise zu bleiben, ist also kein "Muss"?
Exakt. Ich mache es gern, es taugt mir und die Weiterentwicklung von Pfons, der Region und des ganzen Landes ist mir ein Herzensanliegen. Abgesehen davon bin ich wirtschaftlich aber unabhängig und will das auch bleiben.
www.meinbezirk.at

Autor:

Tamara Kainz aus Stubai-Wipptal

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