Forum Land: „Initiativen müssen von der Region ausgehen“

Die Verantwortungsträger der Region diskutierten fleißig mit (von links): Bürgermeister Vinzenz Eller, Schmirn, Bürgermeister Alfons Rastner, Mühlbachl, die Bezirksleiterin der Jungbauernschaft, Jana Peer, Forum Land-Bezirksobfrau Regina Norz und Bürgermeister Robert Denifl.
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  • Die Verantwortungsträger der Region diskutierten fleißig mit (von links): Bürgermeister Vinzenz Eller, Schmirn, Bürgermeister Alfons Rastner, Mühlbachl, die Bezirksleiterin der Jungbauernschaft, Jana Peer, Forum Land-Bezirksobfrau Regina Norz und Bürgermeister Robert Denifl.
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MÜHLBACHL (cia). Mit der Forum Land-Diskussionsreihe „Dorf ohne Leben?“, die 25 Mal in ganz Tirol stattfindet, wird for Ort nachgefragt, wo der Schuh drückt und wo auch die Stärken liegen. Bereits zum fünften Mal war Forum Land im Bezirk Innsbruck-Land zu Gast. In Mühlbachl wurde über die Voraussetzungen der Region Stubai- und Wipptal diskutiert. Hauptthemen waren die hohen Infrastrukturkosten der Gemeinden, die Raumordnung und die Sozialeinrichtungen.

Alfons Rastner, Dorfchef in Mühlbachl und gleichzeitig Planungsverbandsobmann erklärte: „Unsere Region hat sich in den letzten zehn Jahren sehr gut entwickelt. Alleine bei der Kinderbetreuung ist die Bambigruppe in Matrei bereits überfüllt. Das hintere Wipptal wird nachziehen“. Geändert haben sich viele alt eingefahrenen Strukturen. Gab es früher fünf Lebensmittelnahversorger in Matrei, mussten diese großen Supermärkten am Ortsrand weichen. Bei den Arbeitsplätzen hat sich das Wipptal positiv entwickelt. Rastner: „Entscheidend war und ist: Initiativen müssen von der Region aus gehen“. Ein Grund, warum sich viele Betriebe im Wipptal ansiedeln, ist die Qualität der Mitarbeiter wie der Mühlbachler Bürgermeister betont: „Es wird mir von vielen Unternehmern bestätigt, dass die Arbeiter am Land besser und williger sind“.

Neue Wege ist das Wipptal bei der Gesundheitsversorgung gegangen. Mehrere Gemeinden haben sich zu einem Sprengel zusammengeschlossen. So konnte die Versorgung in der Region gesichert werden. „Heute haben wir wahrscheinlich das billigste System, gute Vereinbarungen mit den drei Ärzten der Region und eine fixe 24-Stunden-Versorgung“, sagt Rastner. Ähnlich ist bei der Altenbetreuung gelungen. Doch ein Blick auf die demographischen Daten lässt den Planungsverbandsobmann nachdenklich werden: „Steinach und Mühlbachl haben zusammen 120 Pflegebetten. Doch die demographische Entwicklung überholt uns. Wir brauchen dringend Einrichtungen für betreutes Wohnen. Alleine dadurch würden wir 20 Prozent der bestehenden Pflegebetten wieder frei bekommen“.

60 Kilometer zu betreuen

Bei 871 Einwohnern zählt Schmirn zu den kleineren Gemeinden. Bürgermeister Vinzenz Eller: „Wir arbeiten gut mit den anderen Wipptalgemeinden zusammen. Dadurch ist vieles möglich. Unser Problem sind die langen Wege“. Schmirn muss rund 60 Kilometer Güterwege betreuen. „Das sind Kosten, die uns über den Kopf wachsen." Er fordert hier dringende Lösungen, um die Gemeinden im ländlichen Raum zu entlasten. „Das Problem betrifft nicht nur Schmirn“, so Eller. Ein großes Anliegen ist ihm die Sicherheit im Tal. Immerhin 21 Lawinenstriche gefährden die Bevölkerung. „Wir haben 30 Mio. Euro in Sicherheitsbauten gemeinsam mit Land und Bund investiert. Nur wenn die Sicherheit gewährleistet ist, bleiben uns die Leute im Tal“, meint Vinzenz Eller. Ein zweiter Punkt ist die Wohnraumschaffung. Schmirn und Mühlbachl setzen dabei auf eine restriktive Raumordnung. „Wir haben seit 1972 bis heute auf Agrargemeinschaftsgründen Siedlungsraum geschaffen. Damit können wir den Einheimischen ein gutes Angebot machen. Die Preise liegen bei uns bei nur 40 Euro pro Quadratmeter“, sagt der Schmirner Bürgermeister. Weitere Herausforderungen sind für ihn die Aufrechterhaltung des öffentlichen Nahverkehrs, der Winterdienst und letztlich auch die Gemeindefinanzen. „Wir werden kein Gewerbegebiet und damit keine neuen Einnahmen bekommen, trotzdem müssen wir unseren Leuten Lebensqualität bieten“, unterstreicht Eller. Gelungen ist dies etwa mit dem Bau des Mehrzweckgebäudes und der Errichtung des Kunstrasenplatzes. Ein Anliegen wäre Schmirn die Errichtung eines Kleinwasserkraftwerkes.

Unterschiede im Stubaital

Etwas anders sieht die Situation im Stubaital aus. Bürgermeister Robert Denifl, Fulpmes, sieht extreme Unterschiede: „Es gibt arme und reiche Gemeinden im Tal. Der Tourismus ist unsere Haupteinnahmequelle. Um diese abzusichern müssen wir dringend in die Infrastruktur investieren“. Denifl spricht von einem Ausbau der Schlick als „Kleinod im vorderen Tal“ und als „Gegenstück zum Gletscher“ und hofft auf die baldige Umsetzung des Schwimmbades in Fulpmes. Heiß diskutiert wird im Tal die Energiefrage. Denifl findet zur Wasserkraftnutzung klare Worte: „Wir alle brauchen Energie. Das heißt, wir werden mithelfen müssen, diese Energie auch zu produzieren“. Die Entwicklung beim Verkehr sieht Denifl von zwei Seiten: „Der Ausbau der Stubaitalbahn wird nicht kommen. Wir sollen die vorhandenen Strukturen besser nutzen. Der Bus braucht nur eine halbe Stunde nach Innsbruck, die Bahn um einiges länger. Was wir aber sicher brauchen, ist eine bessere Anbindung Richtung Wipptal“.

In der anschließenden Diskussion wurden viele Themen angesprochen. Ein großes Anliegen – vor allem der Jugend – ist die Schaffung von Wohnraum, wobei viele in der Nachverdichtung bestehender Bausubstanz eine Chance sehen. Auch der Ausbau des Radwegenetzes wurde angesprochen. Die hohen Kosten für Allgemeinleistungen werden kritisch beäugt. So zahl die Gemeinde Schmirn etwa 40.000 Euro für den Schülertransport. Umgerechnet auf die tatsächlich transportierten Schüler sind das Kosten von mehr als 3.000 Euro pro Kind und Jahr.

„Die Stärke der Region ist sicher die gute Verkehrsanbindung im Tal und hin zur Landeshauptstadt. Darauf kann man auch in Zukunft setzen“, schloss Forum Land-Bezirksobfrau Regina Norz den Abend.

Autor:

Arno Cincelli aus Innsbruck

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