07.10.2017, 15:03 Uhr

30 Jahre ESA: Weltraumcommunity traf sich in Graz am 9.10.2017

ESA BIC Austria in Graz (Foto: Copyright ESA:)
ESA
Graz/Wien/Paris (APA) - Seit 30 Jahren ist Österreich Vollmitglied der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Der Generaldirektor der ESA, Johann-Dietrich Wörner, wird am kommenden 9. Oktober zur offiziellen Jubiläumsveranstaltung in Graz erwartet. FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner wie auch Wolfgang Baumjohann, Direktor des Institut für Weltraumforschung in Graz, zogen im Vorfeld im APA-Gespräch eine positive Bilanz.

Nach Mars und Venus und dem Kometen "Tschuri" ist die Hard- und Software von österreichischen Weltraumexperten bald auch unterwegs zum Planeten Merkur: Heute erscheint die rot-weiß-rote Beteiligung an Weltraummissionen nahezu selbstverständlich. Die Grundlage, dass Österreich ein international geschätzter und stabiler Player im Bereich der Weltraumtechnologie und -wissenschaft ist, wurde 1987 mit dem offiziellen Beitritt Österreichs zur ESA geschaffen, betonte Pseiner. Die Forschungsförderungsgesellschaft FFG ist mit der Agentur für Luft- und Raumfahrt für Österreichs Wirtschaft und Wissenschaft die Andockstation zur internationalen Luft- und Raumfahrtszene und vertritt die Interessen Österreichs in der ESA. Pseiners Funktion als Vize-Vorsitzender des ESA-Rates ist erst vor wenigen Wochen ausgelaufen.

Vollmitgliedschaft "Sprung ins kalte Wasser"

"Die Vollmitgliedschaft war für Österreich kein Sprung ins kalte Wasser", sagte Pseiner. Es habe natürlich schon vor dem Beitritt Weltraumforschung in Österreich gegeben: Seit 1975 war Österreich an den ESA-Programmen beteiligt, seit 1981 als assoziiertes und ab 1987 als Vollmitglied, blickte der FFG-Chef zurück. Seither könne Österreich seine wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Chancen im All "in der gesamten Vielfalt voll nutzen". Schwerpunktmäßig beteiligt sich Österreich an den Programmen der ESA in den Bereichen Erdbeobachtung und Klimaforschung, Telekommunikation und Technologieentwicklungen. Als spezielle österreichische Kompetenzen führte er u.a. Technologie zur Thermoisolation für Satelliten und Trägerraketen, Hard- und Software für die Signalverarbeitung von Satelliten und innovative Satelliten-Kommunikation an.

"Die Stimme Österreichs wird sehr gut gehört und geschätzt", beurteilte Pseiner die aktuelle Bedeutung des Landes in der Raumfahrtagentur. "Heute spielen wir eine weitaus größere Rolle für die ESA als wir jährlich finanziell beitragen", betonte Pseiner. Österreich hat im Jahr 2016 Beiträge in der Höhe von rund 48 Mio. Euro geleistet - davon rund 18 Mio. für das ESA-Pflichtprogramm und rund 30 Mio. für ESA-Wahlprogramme. Die ESA selbst verfügte 2016 über ein Budget von rund 5,25 Mrd. Euro. Die Finanzierungsanteile der 22 Mitgliedstaaten richten sich nach dem jeweiligen Bruttoinlandsprodukt.

120 Unternehmen am Weltraumsektor

Den aktuellen Status des heimischen Weltraumsektors würden laut Pseiner die mehr als 120 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit über 1.000 Vollzeitarbeitsplätzen sowie einer Wertschöpfung von weit mehr als 100 Mio. Euro illustrieren. Laut ESA-Konvention werden von den nationalen Beiträgen mindestens 90 Prozent an Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen des jeweiligen Landes in Form von Aufträgen vergeben.

Die Weltraumwissenschaft habe aus Pseiners Sicht durch die Vollmitgliedschaft "ein vielfältiges Angebot, an spannenden Missionen teilzunehmen und primären Zugang zu hochqualitativem Datenmaterial zu erlangen", bekommen. Wesentliche Beiträge zu den Missionen liefert das Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz. Der ehemalige langjährige Leiter des IWF, Wolfgang Riedler, erinnerte sich in einem früheren Gespräch mit der APA an die harten Anfangsjahre nach dem ESA-Vollbeitritt: "Als wir beigetreten sind, haben uns ja nicht alle mit offenen Armen empfangen und schon ungeduldig gewartet, dass wir uns beteiligen. Ganz im Gegenteil war es schwer, in laufende Projekte einzusteigen, und so hat es einige Zeit gedauert, bis wir ESA-Projekte von Anfang bis Ende mitgestalten konnten", erklärte der Experte.

Dann sei die Rechnung aber doch aufgegangen: So leitete beispielsweise der Österreicher Rudolf Schmidt die mit starker heimischer Beteiligung durchgeführte ESA-Mission "Mars Express", die Kometen-Mission "Rosetta" flog mit Instrumenten und Technologie "Made in Austria", ebenso die Saturn-Sonde "Cassini-Huygens". Österreichische Instrumente und Software waren und sind mit an Bord, heimische Wissenschafter sind an der Auswertung von Daten beteiligt.

"Wären ohne ESA blöd da gestanden"


Der aktuelle IWF-Direktor Wolfgang Baumjohann zeigte sich im Gespräch mit der APA überzeugt, dass sich die Mitgliedschaft in der ESA für die Wissenschaft lohnt. "Wir hatten früher schon ganz gute Beziehungen zur sowjetischen Weltraumforschung - aber nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion wären wir ohne ESA blöd da gestanden", sagte Baumjohann. Heute kooperiere das IWF in seinen Projekten "zu zwei Dritteln mit der ESA und zu einem Drittel mit anderen Agenturen". Was er für besonders wichtig hält: "Österreich ist zwar eine kleine Nation, aber jede hat das gleiche Stimmrecht und vollen Zugang zu den Programmen. Wir können nicht nur in den Missionen mitarbeiten, sondern auch neue entwickeln und zum Entscheidungsprozess beitragen - und wissenschaftlich werden wir gehört, weil wir wirklich gut sind", so der Grazer IWF-Direktor.

Das Personal im Institut habe sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. "Ohne die ESA-Mitgliedschaft wäre das Institut nicht, was es jetzt ist". Mit rund 100 Mitarbeitern ist es eines der größten Institute der ÖAW. Unter dem Namen "BepiColombo" wollen die ESA und Japan 2018 eine Mission zum Planeten Merkur schicken. Das IWF ist an drei Messgeräten beteiligt, wobei es die Hauptverantwortung für ein Magnetometer und ein Ionenspektrometer trägt.

In den Gremien der ESA sei Österreich bestens vertreten, schilderte Pseiner abschließend: Erst 2015 wurde der österreichische Weltraumexperte Harald Posch zum Vorsitzenden des ESA-Rates gewählt, in dem die Weichen für die zukünftige Ausrichtung des Wissenschaftsprogramms gestellt werden. Nach seinem unerwarteten Tod (2016) übernahm dann Pseiner den Vizevorsitz und im Juni 2016 wurde der österreichische Geophysiker Josef Aschbacher ESA-Direktor für Erdbeobachtung.


ORF Steiermark berichtet: 9.10.2017
30 Jahre ESA: Weltraumcommunity in Graz


Österreich als Weltraumnation und Graz als Weltraumhauptstadt: Das ist am Montag in Graz groß gefeiert worden, und zwar anlässlich der 30-jährigen Mitgliedschaft Österreichs bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Seit 1987 ist Österreich Vollmitglied der ESA. In den vergangenen 30 Jahren verbuchte Österreich zahlreiche Erfolge, darunter: Mit Franz Viehböck flog 1991 der erste „Austronaut“ ins All.

Bei allen Missionen dabei


Österreichische Weltraumtechnologie war und ist bei allen großen ESA-Missionen der vergangenen Jahre mit an Bord, etwa bei der Erforschung des Mars, der Landung auf dem Kometen „Tschuri“ und in der europäischen Trägerrakete „Ariane-5“. Insgesamt werden fünf Satelliten made in Austria gebaut, drei davon sind bereits im All unterwegs.

Zu den Festgästen gehörten auch Franz Viehböck sowie der Direktor des Grazer Instituts für Weltraumforschung, Wolfgang Baumjohann, und Satellitenbauer Otto Koudelka von der TU Graz.

Tragendes Mitglied

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der österreichischen Mitgliedschaft versammelte sich die europäische Weltraumcommunity am Montag in Graz. "Österreich hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem tragenden Mitglied der europäischen Raumfahrtcommunity entwickelt. Betriebe und Forschungseinrichtungen aus Österreich beweisen immer wieder ihre herausragende Expertise in den Weltraumwissenschaften, den Satellitenanwendungen sowie als Entwickler von kritischen Technologien“, sagte ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner.
Minister: „Will wieder Austronauten“

„Ich will, dass wir in den nächsten 30 Jahren wieder einen ‚Austronauten‘ oder eine ‚Austronautin‘ ins All bringen. Damit geben wir unseren Leistungen weltweit ein Gesicht und unserer heimischen Weltraumindustrie einen weiteren Schub nach vorn“, sagte Weltraumminister Jörg Leichtfried (SPÖ). Seit 2014 ist das Infrastrukturministerium auch offiziell Weltraumministerium.

Geld für Forschung

Das Ministerium investiert rund 70 Millionen Euro im Jahr für die Entwicklung neuer Weltraumtechnologien. Es fördert Forschung in den Bereichen Erdbeobachtung, Kommunikationsnetze im All, neue Technologien wie Flugelektronik, wissenschaftliche Instrumente und Exploration sowie Trägersysteme und Navigation für Satelliten.

In den vergangenen 30 Jahren konnte die österreichische Weltraumindustrie so rund 800 Millionen Euro lukrieren. Im heimischen Weltraumsektor sind 120 Betriebe mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiv. Der Gesamtumsatz der Branche beträgt rund 125 Millionen Euro im Jahr.
Link:  ESA

Publiziert am 09.10.2017

 ESA Service:

1
Einem Mitglied gefällt das:
1 Kommentarausblenden
5.717
Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 08.10.2017 | 07:45   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.