16.09.2016, 21:09 Uhr

Die (fast) pestizidfreie Gemeinde

Die Bürger der Gemeinde Mals in Südtirol hatten genug. Sie wollten nicht mehr den Pestiziden ausgesetzt sein, die im Apfelanbau um sie herum gespritzt werden. In einer Volksabstimmung setzten sie eine Änderung der Gemeindesatzung durch. Seit dem Sommer wird der Beschluss der Südtiroler Gemeinde umgesetzt.

Südtirol ist Obstanbauland. So wird auch rund um Mals im Vinschgau intensiver Apfelanbau betrieben. Der konventionelle Obstanbau kommt aber ohne Pestizide nicht aus, denn allerlei Schädlinge setzen den Obstpflanzen massiv zu. Nur so wachsen Millionen makelloser Äpfel, die auch in Bayern und sonst wo in jedem Supermarkt zu kaufen sind. Ein großes Problem beim Spritzen ist der Wind. Er verweht die Pflanzenschutzmittel oftmals über weite Gebiete.

Viele Bewohner der Gemeinde Mals in Südtirol sehen ihre Gesundheit und die ihrer Kinder deshalb in Gefahr. Die Gifte seien krebserregend, der beständig wehende Wind im Vinschgau verteile die Pestizide unkontrolliert im ganzen Tal. 2014 stimmte deshalb eine große Mehrheit der Bürger der Südtiroler Gemeinde Mals dafür, Pestizide in der Landwirtschaft auf dem Gemeindegebiet zu verbieten. Die Gemeindesatzung wurde entsprechend geändert.

Die neue Verordnung für eine pestizidfreie Gemeinde beinhaltet drei Maßnahmen:

• Der Einsatz bestimmter Mittel ist ganz verboten.
• Erlaubt sind nur Präparate, die in der biologischen Landwirtschaft möglich sind.
• Bei allen anderen Mitteln werden strenge Abstandsregelungen eingeführt;

das heißt, es müssen bestimmte Abstände eingehalten werden zum Nachbarn, zu öffentlichen Flächen, zu Radwegen, zu Spielplätzen.
In der Praxis bedeutet das: Jeder, der etwas neu anpflanzen will, muss sich an die Bestimmungen der Verordnung halten. Für alle bestehenden Anlagen gilt eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Damit soll den Landwirten die Möglichkeit gegeben werden, ihren Anbau auf Bio umzustellen.
"Das führt eigentlich bei uns dazu, dass der Einsatz von Pestiziden nicht mehr möglich ist. Das heißt, in Zukunft gibt es nur noch biologische Landwirtschaft in Mals."
Ulrich Veith, Bürgermeister von Mals

Aber... die konventionellen Bauern wehren sich

Einige der konventionell oder integriert wirtschaftenden Apfelbauern, wie man in Südtirol sagt, wollen sich die Umstellung nicht aufzwingen lassen. Sie sind deshalb vor Gericht gezogen. Genauer gesagt: Einen Tag vor Ablauf der Einspruchsfrist haben 43 Grundeigentümer beim Verwaltungsgericht in Bozen gegen die Pestizid-Verordnung Widerspruch eingelegt. Weil das aber keine aufschiebende Wirkung hat, bleibt die Verordnung bis zum Richterspruch gültig. Für die Kläger heißt es deshalb: Warten, bis das Urteil vorliegt. Und das kann noch dauern.

Zurzeit herrscht relative Ruhe

Der Bauernbund im Bezirk Vinschgau spricht unterdessen von einer "Sensibilisierung" der Bauern. Bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln achteten die Bauern jetzt mehr auf die Windverhältnisse und seien auch bestrebt, mit den Nachbarn zu reden. So habe es diesen Sommer wenig bis gar keine Beanstandungen gegeben. Die Befürworter des Verbots ihrerseits blicken indes zuversichtlich in die Zukunft und hoffen auf eine neue Wirtschaftsform, in der die Ökologie den Ton angibt.

Das Notizbuch verfolgt seit zwei Jahren die Entwicklungen in Mals

Mit ihrem spektakulären Widerstand gegen die Pestizid-Landwirtschaft haben die Malser ihr Dorf in die Schlagzeilen gebracht. Die Werbung für die Gemeinde, hätte wesentlich mehr gekostet. Nicht nur die Nachbarländer berichten über das sogenannte "Wunder von Mals", auch US-Zeitungen schreiben darüber, sogar ein japanisches Filmteam war im Ort, um einen Dokumentarfilm zu drehen.

Filmemacher Alexander Schiebel hat ebenfalls einen Dokumentarfilm gedreht. "Das Wunder von Mals" ist ab 23. September als Serie mit 14 Folgen auf YouTube und im Web zu sehen.

Warum ist diese Gemeinde eine Ausnahme?

Dass mit der Krebskrankenstatistik bei Kindern stimmt, ist nachgewiesen, nur wen bringen sie in Haftung?

Bei Asbest, so weiß man heute, ca. 30 Jahre nach einatmen der schadstoffhaltigen Luft, kommt die Erkrankung. Bis 2005 war der Einsatz des Materials noch erlaubt.

Wir haben in der Gemeinde Mals verstanden, so möchte man meinen,
doch die fehlgeleiteten Interessen von 43 Grundeigentümern zeigen, es gibt gegen rationale Entscheidungen, pestizidfrei zu leben, auch Widerstand.

Erst wenn deren Kinder schwer erkrankt sind, wäre vielleicht eine Umkehr
denkbar, warum erst dann?

Bedingt durch den Klimawandel, setzt man die Erkenntnisse sowieso auf die Erfahrungen, die man bisher gemacht hat ein. Kommen aber bisher nicht bekannte Probleme (Insekten die ihr Verhalten ändern) hinzu, dann ist man machtlos.

Hier wäre eine viel frühere Einsicht und das Gemeinschaftsleben von Vorteil, denn es sind alle davon betroffen. Die 43 sollten also asap wieder in die Gemeinschaft rein und mit Themen, wie die Bearbeitung von Klimawandel und Klimaschutz vertraut gemacht werden.
Nachhaltiger biologischer Apfelanbau, nicht nur in Mals, auch andere Gemeinden haben diese Erfahrungen gemacht, wie etwa die Winzer.

Fragt/hakt man nach, dann ist man heute stolz darauf, dass man diesen Weg in Schritten gegangen ist.

Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie Verstand:
Jeder ist überzeugt, genügend davon zu besitzen.

Klimawandel und Klimaschutz richtig verstehen...
Darüber sollten wir nachdenken…
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 17.09.2016 | 09:30   Melden
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 17.09.2016 | 14:59   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 19.09.2016 | 09:36   Melden
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