12.07.2016, 10:31 Uhr

Einmal Weltraum und zurück

Landing of the Soyuz TMA-19M spacecraft (Foto: Copyright ESA–Stephane Corvaja, 2016)
ESA 7.Juli 2016
Die Spannung war groß als Tim Peake, Juri Malenchenko und Tim Kopra am 18. Juni nach 186 Tagen im All zur Erde zurückkehrten. Alle konzentrierten sich auf die Astronauten und ihren holprigen Heimweg.

Aber nicht nur die Weltraumfahrer kehrten mit der Sojus-Kapsel zur Erde zurück, sondern auch 46 Arten kleiner Organismen und über 150 organische Verbindungen. Ihre Reise war noch viel anstrengender als die des Astronauten-Trios:
Die Proben verbrachten 18 Monate im Weltraum, und zwar an der Außenhülle der Internationalen Raumstation befestigt.
Das so genannte ‘Expose-R2’ ist ein Miniaturlabor, in dem Proben den unwirtlichen Bedingungen des Weltraums ausgesetzt werden. Bei voller Einwirkung der Sonneneinstrahlung, des Vakuums, der Strahlung und starker Temperaturschwankungen können Wissenschaftler feststellen, wie Chemikalien und mikrobiologische Lebensformen auf ungeschützten Raumflügen reagieren – beispielsweise auf einem Kometen.

Vorherige vergleichbare Experimente haben bereits gezeigt, dass Bärtierchen und eine bestimmte Flechtenart Raumflüge überstehen können. Expose-R2 wurde bei einem Weltraumspaziergang am 3. Februar von Juri Malenchenko und Sergey Volkov in die Raumstation gebracht und für den Rückflug zur Erde verstaut. Die Proben wurden in versiegelten Behältern aufbewahrt und abgedeckt, um sie vor jeder Art von Licht zu schützen. Nach mehr als 8500 absolvierten Weltumrundungen sind die Forscher nun gespannt, wie sie die Reise überstanden haben.

Nachdem die Astronauten sicher ausgestiegen waren, wurden die Behälter mit den Proben schnell entfernt, um sie vor der Sonne am Landeplatz zu schützen. Zur Überwachung wurde ein Temperaturmessgerät eingesetzt.

Die Proben trafen am 19. Juni im Moskauer Büro der ESA ein, bevor sie nach München weiter geschickt wurden. Von dort aus wurden sie zum DLR nach Köln gebracht, wo sie aus den Behältern entnommen wurden. Die meisten Proben wurden inzwischen an die 30 Wissenschaftler an elf Forschungsinstituten in den Niederlanden, Italien, Frankreich und den USA verteilt.
Die Wissenschaftler sind nun sehr gespannt darauf, wie sie auf das Leben im Weltraum reagiert haben.

Ein Satz Vergleichsproben auf der Erde wird noch zwei weitere Monate fortgeführt und unterliegt nahezu denselben Bedingungen wie die Gegenstücke aus dem All, jedoch ohne den Einfluss kosmischer Strahlung und der Schwerelosigkeit, die es nur auf der Raumstation gibt. Die Wissenschaftler werden im November zusammenkommen, um die ersten Ergebnisse zu erörtern.
Die ‘Exposure’-Experimente haben bei der ESA bereits eine lange Tradition. Diese dritte Versuchsreihe ist vorerst die letzte. Allerdings wurden bereits zahlreiche weitere Vorschläge zur Prüfung eingereicht, um auch weiterhin auf diesem Weg die Grenzen des Lebens in unserem Sonnensystem und den Einfluss von Raumflügen auf organische Chemikalien zu erforschen.
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 12.07.2016 | 19:25   Melden
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 12.07.2016 | 20:58   Melden
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