29.12.2017, 22:35 Uhr

Erst die Böller, dann die Atemnot:

Die Feinstaubbelastung am Neujahrstag 2017. Die Karte zeigt Tagesmittelwerte. (Foto: Copyright: Umweltbundesamt)
29.12.2017
Die Ursache hierfür liegt einzig und allein an der jeweiligen Wetterlage. Werden dann noch jede Menge Böller etc. gezündet, ja dann sitzen wir quasi sehr schnell unter einer bedrohlichen Feinstaubglocke.
Sind Böller und Raketen für jedermann noch zeitgemäß?
Oder ist ein professionelles Feuerwerk die Lösung?
Mit der Böllerei belasten Sie die Umwelt und sich selbst, wie an keinem anderen Tag des Jahres.

Sichtweisen:
Während die einen sich Silvester in den Armen liegen und ein frohes neues Jahr wünschen, verbringen andere die Nacht in der Notaufnahme. Grund sind Verletzungen der Hände durch meist illegale Böller; sie können sich durch lediglich einen Funken selbst entzünden oder durch nicht vorschriftsmäßigen Umgang explodieren. Das passiert zum Beispiel, wenn sie in der Hosentasche aufbewahrt werden, sich dort aneinander oder an Streichhölzern reiben, die ebenfalls in der Tasche aufbewahrt werden. Auch Augenverletzungen werden immer wieder gemeldet.
Die verheerenden Folgen solcher Unfälle mit Böllern reichen von durchtrennten Nerven, Gefäßen und Knochen bis zu einer komplett abgerissenen Hand. Selbst nach aufwändigen Operationen gelingt es kaum, den ursprünglichen Zustand der Finger oder der ganzen Hand wiederherzustellen; Gefühl und Funktion bleiben eingeschränkt. Sprechen wir mit diesen Verletzten, dann fassen Sie keine Böller mehr an und warnen davor, für alle anderen gilt, wird schon gut gehen …

Zum Jahreswechsel häufen sich die guten Vorsätze: mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport treiben, allgemein mehr auf die Gesundheit achten. Doch vorher wird noch einmal kräftig gesündigt: Mehr als 100 Millionen Euro jagen wir zu Silvester in Form von Feuerwerkskörpern in die Luft, und das schadet nicht nur dem Geldbeutel.
Rund 4000 Tonnen Feinstaub setzte das Silvesterfeuerwerk nach Schätzungen des Umweltbundesamtes frei, das entspricht 15 Prozent der Menge, die Autos und Lkw im ganzen Jahr erzeugen.

Abgasaffäre?
Hohe Schadstoffwerte gerade in den Innenstädten?
Am Silvesterabend ist alles scheinbar vergessen. Feuerwerk an Silvester: Atemschutzmaske, Schutzbrille und Gehörschutz empfehlenswert ...


Der Kater folgt am Neujahrstag: Unzählige Messstationen verzeichneten am 1. Januar 2017 Feinstaubwerte, die weit über dem EU-weiten Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter am Tag lagen. Im Zentrum Münchens wurde kurzfristig ein Wert von 1346 gemessen, auch in anderen Städten war die Belastung extrem. Viele Städte verzeichneten mehr als das Doppelte des europäischen Grenzwertes. Da landesweit kaum Wind wehte, blieben die Feinstaub-Glocken auch am Neujahrstag über vielen Orten hängen.

"Ein Vergiften der Luft, das nicht mehr zeitgemäß ist"

Falls eine besonders hartnäckige Inversionswetterlage herrscht, die kalte Luft hält sich in Bodennähe, die Luftschichten tauschen sich kaum aus, die Schadstoffe bleiben ebenfalls in der Luft. Fällt dann kaum Niederschlag, der den Feinstaub aus der Luft  entfernen könnte.

Experten warnen daher vor einer besonderen Gesundheitsbelastung in der Silvesternacht: Vorübergehend können die Schadstoffe die Atemwege beeinträchtigen, langfristig drohen Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme durch die feinen Partikel. Feinstaub besteht aus einem komplexen Gemisch verschiedener Schadstoffe wie Ruß und Kohlenwasserstoffen. Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern (PM10) dringen bis in die Nasenhöhle und Luftröhre vor, noch kleinere Partikel (PM2,5) können sich sogar in den Bronchien und Bronchiolen ablagern, den feinen Verästelungen der Lunge.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass Feinstaub etwa bei jedem vierten Todesfall aufgrund von Lungenkrebs eine Rolle spielt, und bei 15 Prozent aller Schlaganfälle. Im Vergleich zu anderen Feinstaub-Quellen wie dem Straßenverkehr kommt beim Feuerwerk Schwarzpulver hinzu, das aus aus Kaliumnitrat, Schwefel und Holzkohle besteht. Außerdem sorgen Strontium-, Kupfer- und Bariumverbindungen, sogenannte Effektsätze, für das Knallen, Pfeifen und Leuchten am Himmel.

"Letztendlich ist es ein Vergiften der Luft, das nicht mehr zeitgemäß ist", sagt Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Städte wie Stuttgart oder München, die ohnehin Probleme mit der Luftreinhaltung hätten, müssten jede zusätzliche Belastung vermeiden, findet Resch. "Da hat ein Feuerwerk eigentlich nichts zu suchen." Neben der Luftbelastung bedeute das Feuerwerk auch erheblichen Stress, etwa für Tiere und Kleinkinder. Hinzu kommen Verbrennungen durch Unfälle mit Feuerwerkskörpern und Hörschäden. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete, dass jährlich 8000 Menschen in Deutschland zu Silvester Verletzungen des Innenohrs erleiden, ein Drittel davon trägt bleibende Schäden davon.

Professionelles Feuerwerk statt Amateur-Geböller?

Umweltschützer  fordern daher, "bestimmte Gebiete von Knallkörpern zu befreien", etwa mithilfe einer Satzungsänderung in Städten und Gemeinden. "Für die Zukunft erwarten wir deutlich mehr lenkende Maßnahmen von den Kommunen".
So sei neben Verboten denkbar, lediglich bestimmte Plätze für ein Feuerwerk freizugeben und die Innenstädte zu sperren, oder stattdessen gleich ein öffentliches Feuerwerk zu organisieren. Eine professionelle Pyro-Show würde auch die Umweltbelastungen geringer halten.

Dabei müssten sich Kommunen nicht auf das Wetter verlassen. In Australien ist das längst anders. Der Bundesstaat New South Wales hat private Feuerwerkskörper bereits vor 30 Jahren verboten, die Stadt Sydney veranstaltet dafür ein Feuerwerk im Hafen, das weltberühmt geworden ist. Der Widerstand war zunächst groß gegen die Abschaffung der "Cracker Night". Die Jubiläumsendung im Fernsehkanal ABC kommentierte ein Zuschauer, der einst mutmaßlich gegen das Verbot war, mit den Worten: "Wenn ich an all die reizvollen Idiotien denke, die wir in der Cracker Night veranstaltet haben, erscheint es wie ein Wunder, dass wir überhaupt überlebt haben."
Auszüge aus der SZ.
http://www.sz-online.de/ratgeber/die-schaedlichen-...
http://www.vol.at/die-dunkle-seite-der-silvester-feuerwerke/5606506
http://www.vienna.at/feinstaub-durch-feuerwerke-di...
Feuerwerke sind toxische Feinstaubschleudern
http://tirol.orf.at/news/stories/2886715/
30.12.2017

Nachtrag 31.12.2017:
Hat jemand noch Fragen?
Tausende sitzen am Flughafen fest

Darüber sollten wir nachdenken …
Ich wünsche Euch allen, alles Liebe, Gesundheit und viel Schönes im kommenden Jahr und einen guten Rutsch ...
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 30.12.2017 | 10:25   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 30.12.2017 | 10:39   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 30.12.2017 | 10:45   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 30.12.2017 | 17:27   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 30.12.2017 | 23:56   Melden
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Hildegard Stauder aus Villach | 31.12.2017 | 08:32   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 31.12.2017 | 13:52   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 01.01.2018 | 15:26   Melden
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