09.09.2016, 12:40 Uhr

Flugzeug statt Hörsaal - Erste DLR_Uni_Summer_School Luftfahrt in Braunschweig

Team und Studierende vor der Cessna C208B Grand Caravan (Foto: Copyright DLR: Quelle: DLR (CC-BY 3.0))
DLR 9. September 2016
Den Unihörsaal ins Flugzeug verlegen - bei der DLR_Uni_Summer_School wird dies möglich. Vom 6. bis zum 10. September 2016 verwandelt sich in Braunschweig die Cessna C208B Grand Caravan des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum Lernort für 32 Studierende. Im "Fliegenden Hörsaal" können sie selbst an Messflügen teilnehmen und die Arbeit im DLR-Forschungsflugbetrieb hautnah miterleben.

"Bereits zehn Jahre ist der Fliegende Hörsaal im Forschungsflugprogramm des DLR verankert", sagt DLR-Luftfahrtvorstand Prof. Rolf Henke. "Jetzt zum Jubiläum bauen wir dieses Angebot gemeinsam mit den Luftfahrtuniversitäten zu einer vollwertigen Sommerschule aus, um den Studierenden neben dem besonderen Erlebnis des ersten Forschungsflugs in einem abgerundeten Programm zahlreiche Einblicke in die DLR-Institute und die vielen wissenschaftlichen Facetten unseres Flugbetriebs zu ermöglichen."

Umfangreiche Betreuung


32 Studierende von fünf verschiedenen Universitäten wurden in das diesjährige Programm der DLR_Uni_Summer_School aufgenommen. "Die Auswahl der Studenten aus der Luft- und Raumfahrttechnik, dem Verkehrsingenieurwesen, der Regelungstechnik und des Maschinenbaus erfolgte durch die Unis selbst", sagt Dr. Felix Geiger von der DLR-Einrichtung Flugexperimente. Die Glückspilze, die am Programm teilnehmen konnten, haben zuvor durch besonders gute Leistungen in Vorlesungen oder Übungen auf sich aufmerksam gemacht. Nun müssen sie sich in fortschrittlichen Methoden der Flugerprobung beweisen, wie es der Titel der Sommerschule verrät. Sieben DLR-Wissenschaftler kümmern sich durchgängig um die Studenten, zehn weitere bringen ihnen in wissenschaftlich-technischen Vorträgen die Arbeit in der Flugversuchsabteilung des DLR näher und vermitteln ihnen den Arbeitsalltag in einem großen Forschungsflugbetrieb. "Dazu gehören insbesondere die Aufgaben und das konkrete Vorgehen bei der Flugvorbereitung, die Durchführung und die Auswertung von Flugversuchen", erklärt Geiger.

Nach der Theorie folgt die Praxis in der Luft


Haben die Studenten die Grundlagen kennengelernt, legen sie in Messflügen mit der DLR-Cessna, die bereits 2006 zum "Fliegenden Hörsaal" umgebaut wurde, selbst Hand an: in zwei Flügen erfassen sie Daten zu Flugeigenschaften und der Flugleistung und werten diese selbst aus. Beim ersten der beiden Flüge geht es um die Standardperformance des Flugzeugs, im zweiten wird es dann schon turbulenter: hier werden speziellere Manöver geflogen und die Daten erfasst. Um dies durchführen zu können verfügt der "Fliegende Hörsaal" des DLR, der regulär im DLR-Oberpfaffenhofen stationiert ist, neben einem Arbeitsplatz für den Flugversuchsingenieur über sechs individuelle Messplätze für Studenten.

Gemeinsam zum Ziel


Das besondere an der Sommerschule ist für alle Beteiligten die enge Zusammenarbeit. Eine Woche lang, forschen der wissenschaftliche Nachwuchs aus den Unis und die Profis aus dem DLR-Forschungsflugbetrieb gemeinsam. Abseits vom Hörsaal und der Theorie sind die Studenten nah am Arbeitsalltag des DLR dabei.

Die Sommerschulen, die es auch an anderen DLR-Standorten wie Lampoldshausen und Neustrelitz regelmäßig gibt, sind Teil eines Gesamtkonzeptes zur Nachwuchsförderung - genannt DLR_Campus. Es beinhaltet Maßnahmen, die junge Menschen aller Altersstufen ansprechen. Studierenden macht das DLR neben den Sommerschulen viele weitere Angebote: von studentischen Praktika bis zu Ideenwettbewerben. Den Sommerschulen kommt dabei aber eine besondere Bedeutung zu, da sie wichtige Praxiserfahrung vermitteln und zugleich die universitäre und außeruniversitäre Welt der Forschung verknüpfen. Dies kommt auf beiden Seiten gut an. "Die Rückmeldung der Studierenden an uns ist immer wieder, dass es einfach faszinierend ist, zwischen den Flugzeugen und Experimenten forschen und lernen zu können.", sagt der Leiter des DLR-Forschungsflugbetriebs Oliver Brieger. "Und uns macht es richtig viel Spaß, so vielen Studierenden den Traum vom ersten Forschungsflug zu erfüllen und dabei mit einer derart motivierten und guten Truppe zusammenzuarbeiten."
Doch die DLR_Uni_Summer_School zeichnet sich nicht nur durch die Zusammenarbeit von Profis und wissenschaftlichem Nachwuchs aus. Basis für das gemeinsame Programm ist die gute Verknüpfung zwischen dem DLR und den Luftfahrtuniversitäten in Deutschland und der enge Austausch. Neben den diesjährigen Partnern RWTH Aachen, TU Berlin, TU Darmstadt, TU München und TU Dresden ist für 2017 auch die Teilnahme der TU Braunschweig geplant, die ihrerseits langjährige Erfahrungen mit einem eigenen "Fliegenden Hörsaal" hat; der D-IBUF, eine Dornier Do 128-6. "Das Forschungsflugzeug der TU Braunschweig fliegt seit rund 20 Jahren jährlich bis zu 150 Studierende deutscher und internationaler Hochschulen", sagt Prof. Peter Hecker von der TU-Braunschweig. "Da können wir eine Menge Erfahrung in die Partnerschaft einbringen."

Die DLR_Uni_Summer_School Luftfahrt 2016 war die erste in dieser Art. Für 2017 haben sich die Veranstalter vorgenommen, dass deutlich mehr Studenten dabei sein können, wenn die Cessna Caravan des DLR und die Do 128-6 der TU-Braunschweig Seite an Seite für den wissenschaftlichen Nachwuchs in die Luft gehen, dann im DLR Oberpfaffenhofen. "Es wäre eine tolle Sache", freut sich Geiger. "Denn die Sommerschule schafft für alle Beteiligten einen großen Mehrwert und macht dazu Freude."

Zu Bild 1:
32 Studierende aus der Luft- und Raumfahrttechnik, dem Verkehrsingenieurwesen, der Regelungstechnik und dem Maschinenbau sind bei der ersten DLR_Uni_Summer_School Luftfahrt am DLR Standort Braunschweig dabei; betreut von einem umfangreichen Team des DLR-Flugbetriebs. Im Rahmen der Sommerschule hatten die Studierenden auch die Gelegenheit den DLR-Luftfahrtvorstand Prof. Rolf Henke zu treffen (rechts im Bild).

Zu Bild 2:
Für eine Woche ist der „Fliegende Hörsaal“ des DLR am Himmel über Braunschweig zu sehen.

Zu Bild 3:
An Bord des „Fliegenden Hörsaals“ müssen sich die Studierenden in fortschrittlichen Methoden der Flugerprobung beweisen.

Zu Bild 4:
Beim „Fliegenden Hörsaal“ werden speziellere Manöver zur Datenerfassung geflogen, bei denen es auch etwas turbulenter werden kann. Im Bild zu sehen, ist die Atmosphärenforschungssonde MetPod, für Messungen zur Physik der Atmosphäre, die an einem Unterflächenträger der Cessna angebracht ist.

Zu Bild 5:
Für 2017 haben sich die Veranstalter vorgenommen, dass deutlich mehr Studierende bei der DLR_Uni_Summer_School dabei sein können, wenn die Cessna Caravan des DLR und die Do 128-6 der TU Braunschweig Seite an Seite für den wissenschaftlichen Nachwuchs in die Luft gehen. Am Rande der diesjährigen Sommerschule tauschten sich Prof. Peter Hecker von der TU-Braunschweig (links im Bild) und DL-Luftfahrtvorstand Prof. Henke (rechts im Bild) dazu aus.
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
1 Kommentarausblenden
4.328
Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 09.09.2016 | 18:59   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.