30.09.2016, 08:37 Uhr

Goodbye from Comet 67P

Understanding Rosetta’s final signal (Foto: Copyright ESA)
ESA 30.9.2016 13:19 Uhr

It's silent
Sleep well Rosetta!

Einzigartige wissenschaftliche Erkenntnisse bis zum Schluss: Rosettas aufregende Mission findet mit ihrem Ende heute am 30. September und dem Abstieg in einen Bereich aktiver Senken am ‘Kopf’ des Kometen gleichzeitig ihren Höhepunkt.

Die Ma’at genannte Region liegt auf dem kleineren der beiden Teile des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Dort befinden sich mehrere aktive Senken mit einem Durchmesser von über 100 m und einer Tiefe von 50–60 m. Einige der Staubstrahlen des Kometen haben dort ihren Ursprung.

Die Wände der Vertiefungen weisen außerdem einige eindrucksvolle metergroße klumpige Gebilde auf, die ‘Gänsehaut’ genannt werden. Die Wissenschaftler glauben, es könnte sich um Anzeichen früher Kometenteile handeln, die sich dann in der Entstehungszeit des Sonnensystems zu einem größeren Kometen zusammengebacken haben.

Rosetta wird heute am 30. September einen sehr genauen Blick auf diese faszinierenden Gebilde werfen können: Die Sonde visiert einen Punkt neben einer 130 m breiten, gut definierten Senke an, die vom Missionsteam in Anlehnung an eine ähnliche Formation in der gleichnamigen altägyptischen Stadt Deir el-Medina genannt wurde.

Wie die archäologischen Artefakte, die in der altägyptischen Senke gefunden wurden und die den Historikern über das Leben in jener antiken Stadt Aufschluss bieten, enthält auch die Senke des Kometen Hinweise über die geologische Geschichte jener Region.

Rosetta zielt auf einen Punkt in einem elliptischen Bereich von etwa 700 x 500 m in der Nähe von Deir el-Medina ab.

Seit dem 9. August umrundete Rosetta den Kometen in elliptischen Orbits, die die Sonde schrittweise näher an den Kometen bringen – bei einem besonders nahen Überflug befand sie sich nur 1 km von der Kometenoberfläche entfernt – näher als je zuvor.

“Obwohl wir Rosetta nun bereits zwei Jahre lang um den Kometen fliegen, stellt das sichere Manövrieren in den letzten Wochen der Mission in dieser unvorhersehbaren Umgebung des Kometen und in dieser unglaublich großen Entfernung von der Sonne und Erde unsere größte Herausforderung dar”, meint Sylvain Lodiot, Leiter des Kontrollteams bei der ESA.
“Wir spüren bereits den Unterschied in der Anziehungskraft des Kometen, wenn wir ihm immer näher kommen: sie verlängert die Umlaufdauer der Raumsonde, was wir durch kleinere Manöver korrigieren müssen. Deswegen machen wir diese Überflüge und nähern uns dabei dem Kometen in winzigen Schritten an. So bleiben wir bei der letzten Annäherung stabil.”
Der letzte Überflug wurde am 24. September abgeschlossen. In den darauffolgenden Tagen wurden eine Reihe erforderlicher Manöver ausgeführt, um Rosetta auf den geplanten Landeplatz auszurichten. Dabei geht die Sonde vom elliptischen Orbit um den Kometen in eine Flugbahn über, auf der sie schließlich am 30. September auf seiner Oberfläche niedergeht.

Das Kollisionsmanöver fand am Abend des 29. September statt. Es wird den Abstieg von Rosetta aus einer Höhe von etwa 19 km einleiten. Rosetta bewegt sich nun im Grunde im freien Fall langsam auf den Kometen zu, um vor dem Einschlag so viele wissenschaftliche Messungen wie durchzuführen und zur Erde zu senden.

Einige der wissenschaftlichen Instrumente von Rosetta werden während des Abstiegs Daten erfassen und einzigartige Bilder und weitere Informationen zum Gas, Staub und Plasma in unmittelbarer Nähe des Kometen liefern. Die genaue Zusammensetzung der Instrumente und der Zeitrahmen für deren Betrieb wird noch festgelegt. Sie hängen von den Einschränkungen durch die abschließend geplante Flugbahn und der am Tag des Abstiegs verfügbaren Übertragungsrate ab.

Der Einschlag soll voraussichtlich um 10:40 UTC (12:40 CEST) mit einer Toleranz von ± 20 Minuten erfolgen. Die exakte Flugbahn von Rosetta an diesem Tag und der Einfluss der Schwerkraft in Kometennähe bleiben jedoch als Unsicherheitsfaktoren bestehen. Unter Berücksichtigung der zusätzlichen 40-minütigen Übertragungsdauer von Rosetta zur Erde heute am 30. September, bedeutet dies, dass die Bestätigung über den Aufschlag etwa um 11:20 UTC (13:20 CEST), wiederum unter Berücksichtigung einer Toleranz von ± 20 Minuten, im Flugkontrollzentrum der ESA in Darmstadt zu erwarten ist.

Die Zeiten werden aktualisiert, sobald die Flugbahn verfeinert wurde.
Entgegen dem Aufwachvorgang von Rosetta nach ihrem Winterschlaf im tiefen Raum, im Januar 2014, als ein ansteigender Signalpegel in der passenden Frequenz signalisierte, dass die Raumsonde intakt ist und das Trägersignal überträgt, werden die Mitarbeiter im Missionskontrollzentrum nach dem Einschlag beobachten können, wie das Signal von Rosetta verstummt. Nach diesem Zeitpunkt wird es nicht mehr möglich sein, weitere Daten abzurufen.
“Im vergangenen Monat haben wir das zweijährige Jubiläum einer extrem aufregenden Zeit seit der Ankunft am Kometen und ein Jahr seit der nächsten Annäherung des Kometen an die Sonne auf seinem Orbit gefeiert”, erzählt Matt Taylor, Rosetta Projektforscher bei der ESA.

“Es ist schwer zu glauben, dass die unglaubliche 12,5 Jahre andauernde Odyssee von Rosetta nun fast vorüber ist und dass wir die letzten wissenschaftlichen Beobachtungen planen. Aber wir freuen uns auf die Analyse der unzähligen Daten in den nächsten Jahrzehnten.”

“Diese bahnbrechende Mission endet nun. Aber sie hat dank ihres enormen Erfolgs sicherlich Spuren in der Technik, Wissenschaft und Öffentlichkeit hinterlassen und ungeheure Beiträge zum besseren Verständnis unseres Sonnensystems geliefert”, ergänzt Patrick Martin, Rosetta Missions-Manager bei der ESA.

Alle Zeiten und Einzelheiten zum Missionsende sind vorläufig und werden sich ändern, da die abschließende Flugbahn von Rosetta noch angepasst wird. Selbst am letzten Tag bergen die Zeitpläne noch Unsicherheiten aufgrund der Bedingungen am Kometen, die sich der Kontrolle des Missionsteams entziehen.

DLR: Goodbye from Comet 67P

Rosetta - Europas Kometenjäger
Die Mission Rosetta der europäischen Weltraumorganisation ESA soll die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems erforschen, indem sie einen der ältesten und ursprünglichsten Himmelskörper, einen Kometen, untersucht. Die Mission besteht aus einem Orbiter und der Landeeinheit Philae. Das DLR hatte wesentliche Anteile beim Bau des Landers und betreibt das Lander-Kontrollzentrum, das die schwierige und bisher noch nie gewagte Landung auf dem Kometen am 12. November um 17:03 Uhr MEZ vorbereitet und betreut hatte.

Danke an alle, die Teil dieser unglaubliche Reise waren! Von #CometLanding zu #GoodbyePhilae.

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.