04.07.2017, 09:12 Uhr

Klimaforscher stellen Fakten zum Klimawandel klar

DKK Juli 2017
Der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klima-Abkommen und der Umgang von Präsident Trump mit Fakten hat zu vielen Diskussionen geführt: Von einem Aufschrei des Entsetzens und einem entschlossenen „Jetzt erst recht“ bis zu klammheimlichem oder offenem Beifall war alles dabei. Noch ist offen, ob die Großmacht den internationalen Klimaschutz deutlich bremsen wird oder ob die Gegenreaktionen nicht doch eine neue Dynamik befeuern werden. Der DKK-Vorstandsvorsitzende Prof. Mojib Latif äußert sich dazu im Editorial.

Die Ereignisse spiegeln sich auch in unserer Verbandsarbeit – in der DKK-Stellungnahme nach dem Ausstritt der USA, einer gemeinsamen Pressekonferenz mit führenden Forscherinnen und Forschern anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg sowie unseren Kolumnen. Wissenschaftskommunikation wird wichtiger denn je.

In der aktuellen Ausgabe berichten wir über folgende Themen:

Stellungnahme des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK) anlässlich der Diskussionen nach dem Austritt der USA aus dem Pariser Klima-Abkommen

Einige Personen aus Politik und Medien scheinen derzeit motiviert, altbekannte und längst widerlegte Zweifel an der Existenz des vom Menschen verursachten (anthropogenen) Klimawandels sowie an der Wissenschaftlichkeit des Weltklimarates öffentlich zu äußern. Die Forscherinnen und Forscher des Deutschen Klima-Konsortiums widersprechen und stellen die Fakten klar.

Der Verband der Klimawissenschaften, das Deutsche Klima-Konsortium (DKK) e. V. erklärt:

Wir widersprechen vehement öffentlichen Beiträgen, die in der Bevölkerung zur Verunsicherung über die Faktenlage hinsichtlich des Klimawandels führen können. Angesichts der Dringlichkeit eines weltweiten Klimaschutzes möchten wir folgende Punkte herausstellen.
Zur Einordnung der Fakten


1) „Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist klar und die jüngsten anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen sind die höchsten in der Geschichte. Die jüngsten Klimaänderungen hatten weitverbreitete Folgen für natürliche Systeme und solche des Menschen.“1 So lautet eine der Kernbotschaften des 5. Sachstandsberichts des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC). Die Klimawissenschaft, deren Erkenntnisstand der IPCC etwa alle sieben Jahre in einem Sachstandsbericht zusammenfasst, erforscht seit Jahrzehnten Klimaschwankungen, durch den Einfluss von Sonnenaktivität, Erdumlaufbahn, Vulkanausbrüchen, El-Niño-Ereignissen etc. Das Ergebnis: Ohne die menschliche Aktivität, insbesondere die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, lassen sich die beobachteten Veränderungen im Klimasystem nicht erklären.

2) Der natürliche Wechsel von Kalt- und Warmzeiten erfolgt über Jahrzehntausende. Diese enorm langen Zeiträume der Erdgeschichte sind auf den Planungs- und Erfahrungshorizont des Menschen übersetzt Ewigkeiten. Die derzeit beobachtete, im Vergleich dazu schnelle Erwärmung in nur 150 Jahren mit ihren vielfältigen Folgen ist eine völlig neue Entwicklung. Der Vergleich mit früheren Warmzeiten ist unzulässig. Die Menschheit und unsere Kultur und Technologien haben keinen dieser Wechsel erlebt, sondern haben sich in einer ungewöhnlich langen Warmzeit ohne große klimatische Schwankungen entwickelt.

3) „Fortgesetzte Emissionen von Treibhausgasen werden eine weitere Erwärmung und langanhaltende Änderungen aller Komponenten des Klimasystems verursachen und damit die Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenden weitverbreiteten und irreversiblen Folgen für Menschen und Ökosystem erhöhen. Eine Begrenzung des Klimawandels würde erhebliche und anhaltende Minderungen der Treibhausgasemissionen erfordern, wodurch – verbunden mit Anpassung – die Risiken des Klimawandels begrenzt werden können.“2 Dieses Statement aus dem Bericht des Weltklimarats verdeutlicht die Rolle der Treibhausgas-Emissionen für die zukünftige Entwicklung des Klimas.
Zur Arbeit der Klimaforschung und des Weltklimarats IPCC

1) Die Klimaforschung muss, wie jede andere Wissenschaft, den Anforderungen an gute Wissenschaft genügen: Transparenz der Methode, Evidenzbasiertheit, Wiederholbarkeit, unabhängige Überprüfung, um nur einige zu nennen. Damit ist die Wissenschaft zwar nicht gegen Irrtümer gefeit, das System ist aber langfristig auf Selbstkorrektur angelegt3. Insbesondere, wenn – wie in der Klimawissenschaft – sehr viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in demselben Bereich arbeiten und die Konkurrenz um die sichersten Ergebnisse hoch ist.

2) Gerade weil der Klimawandel mit den menschlichen Sinnen schlecht wahrnehmbar ist, spielten die Beobachtungen und Messungen aus der Wissenschaft von Beginn an eine wichtige Rolle. Als sich die Hinweise auf einen menschlichen Einfluss auf das Klimasystem verdichteten, riefen 1988 zwei UN-Organisationen4 das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ins Leben, mit dem Ziel, wissenschaftliche Politikberatung von einem internationalen Forschungsgremium zu erhalten. 195 Regierungen erkennen die wissenschaftlichen Aussagen des IPCC an. Dieser Erfolg spiegelt sich unter anderem in der Gründung des IPBES (Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) wieder, einem Gremium, das nach ähnlichem Muster die Politik zu dem globalen Problem der abnehmenden Biodiversität berät.

3) Das Beratungsmandat des IPCC besteht darin, verlässliche und umfassende Informationen für politische Entscheidungsträger zu erstellen. Die aufwendigen internationalen Abstimmungsprozesse unter rund 1000 renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt sollen ausdrücklich „politik-relevante aber nicht politik-bestimmende“ Ergebnisse liefern. Die Rollenverteilung zwischen der Wissenschaft (Auswertung der vorhandenen Fachliteratur) und der Politik (Entscheidungsfindung auf Grundlage der Sachstandsberichte) ist klar geregelt. Kleine Fehler, medial nicht selten zu Grundsatzfragen aufgebauscht, sind wie überall schwer zu vermeiden. Das Entscheidende aber ist, dass sie in der Praxis rasch korrigiert wurden, und nicht die grundsätzlichen Erkenntnisse in Frage stellen.

4) Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IPCC arbeiten rein ehrenamtlich, um Interessenkonflikte zu vermeiden

5) In Deutschland unterstützen das Bundesforschungsministerium und das Bundesumweltministerium diese Arbeit durch die Finanzierung von wissenschaftlichem Personal und einer Geschäftsstelle des Weltklimarates.



Verweise

1) und 2) IPCC, 2014: Klimaänderung 2014: Synthesebericht. Beitrag der Arbeitsgruppen I, II, und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) [Hauptautoren, R.K. Pachauri und L.A. Meyer (Hrgs)]. IPCC, Genf, Schweiz. Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC Koordinierungsstelle, Bonn, 2016. (PDF);
siehe auch Hauptaussagen in dt. Sprache (PDF)

3) siehe Memorandum der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (PDF)

4) Die Organisationen UNEP und WMO (UNEP: United Nations Environmental Programme – Umweltprogramm der Vereinten Nationen; WMO: World Meteorological Organisation – Weltorganisation für Meteorologie);
mehr Informationen auf der Website der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle

5) IPCC-Kompaktinformation zum Weltklimarat auf der Website der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle (PDF)


Das Deutsche Klima-Konsortium e. V. (DKK) ist ein Wissenschaftsverband und vertritt führende Akteure der deutschen Klimaforschung und Klimafolgenforschung. Dazu gehören Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Bundesbehörden.

(2) G20

2.1 Climate20 Pressekonferenz – Klimafakten als Grundlage politischer Entscheidungen

Anlässlich des Treffens der Staatchefs der 20 führenden Industrienationen der Erde stellen Klimaforscherinnen und -forscher in einem Verbund die Fakten zum bereits beobachtbaren Klimawandel vor.


In der gemeinsamen Pressekonferenz präsentieren der DKK-Vorstandsvorsitzende Prof. Mojib Latif, der DWD-Vizepräsident Paul Becker und die DMG-Vorsitzende Inge Niedek die wesentlichen Eckpunkte der globalen Veränderungen als verlässliche Grundlage für politische Entscheidungen.

Die Initiative wird getragen von den genannten Wissenschaftsorganisationen sowie von der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie, klimafakten.de, der International Association of Broadcast Meteorology, Munich Re und dem Institut für Wetter- und Klimakommunikation GmbH.

Die Pressekonferenz findet am Vorabend des G20-Gipfels, also am 6. Juli in Hamburg statt. Die Pressemitteilung ist anschließend auf der DKK-Website zu finden. Presseanfragen bitte an Elisabeth Weidinger.

2.2 Latif und Beck zum G20-Treffen

Während der Jahrestagung des Unternehmensnetzwerks B.A.U.M. haben sich Prof. Mojib Latif und DKK-Geschäftsführerin Marie-Luise Beck zum G20-Gipfel in Hamburg geäußert. Seit diesem Jahr ist der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, B.A.U.M. e. V., Kooperationspartner des DKK.

Der G20-Gipfel kommt nach Hamburg - Ihre Meinung dazu ist wichtig!
Und wir geben Ihrer Meinung diese Plattform.
Hier auf Alle-Hebel-in-Bewegung.de sammeln wir Inhalte, Anregungen und Statements.
So werden sie Teil einer großen digitalen Diskussion.
Klimawandel, Freihandel, Global Goals

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#G20 #AlleHebelinBewegung
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