08.08.2016, 18:14 Uhr

Wie Kometen entstehen & Servus Philae

Comet on 22 March 2015 – NavCam (Foto: Copyright ESA: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0)
ESA 4.August 2016

Kometen sind die Überreste aus der Entstehung des Sonnensystems - und nicht jüngere Fragmente, die aus späteren Kollisionen anderer, größerer Himmelskörper entstanden sind. Das haben detaillierte Analysen der von der Raumsonde Rosetta aufgezeichneten Daten ergeben.

Neue Rosetta-Animation

Im August 2014 ist Rosetta am Kometen 67P angekommen. Diese neue Animation veranschaulicht, wie die Flugbahn der Sonde in den letzten zwei Jahren verlaufen ist.

Bild: Rosettas Komet

Zu verstehen, wie und wann Objekte wie der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko entstanden sind, ist zentral. Nur so kann man anhand von ihnen die Entstehung und frühe Entwicklung unseres Sonnensystems nachvollziehen.
Nun ist eine neue Untersuchung, die sich mit genau dieser Frage beschäftigt, in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen. Diese wurde von Björn Davidsson vom Jet Propulsion Laboratory am California Institute of Technology in Pasadena (USA) geleitet.
Sollten Kometen primordial sein, also aus der Frühzeit unseres Sonnensystems stammen, könnten sie Aufschluss darüber geben, wie der Sonnennebel, aus dem die Sonne, die Planeten und andere kleinere Himmelskörper vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden sind, aufgebaut war sowie über die Prozesse, die unser Planetensystem in seine heutige Form gebracht haben.
Eine alternative Hypothese besagt, dass Kometen jüngere Fragmente sind, die aus Zusammenstößen älterer „Vorgänger“-Körper hervorgingen, etwa aus den eisigen transneptunischen Objekten (TNO). Sollte das stimmen, könnten Kometen Aufschluss über das Innenleben dieser größeren Objekte geben sowie über die Kollisionen, die sie zersprengt haben, und die Art und Weise, wie sich neue Körper aus den Resten älterer bilden.

Bild: Profil eines ursprünglichen Kometen

„Ganz gleich, welche der Annahmen sich als richtig herausstellen wird: Kometen sind Zeugen wichtiger Ereignisse in der Entwicklung des Sonnensystems. Um herauszufinden, welches Szenario wahrscheinlicher ist, haben wir detaillierte Messungen mit der Raumsonde Rosetta durchgeführt und auch schon andere Kometen beobachtet“, sagt Matt Taylor, Rosetta-Projektwissenschaftler bei der ESA.

Während ihres zweijährigen Aufenthalts am Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hat die Sonde Rosetta eine genaue Analyse des Himmelsobjekts geliefert: Er hat eine niedrige Dichte, ist sehr porös und weist zahlreiche unterschiedliche Schichten auf. Seine ungewöhnliche Form lässt darauf schließen, dass sich an den zwei dickeren Enden zunächst verschiedene Stoffe angesammelt haben, bevor sich diese beiden Enden miteinander vereinigt haben.

Das Innere des Kometenkerns weist eine ungewöhnlich hohe Porosität auf, was darauf hinweist, dass ein solches Wachstum nicht durch eine gewaltsame Kollision stattgefunden haben kann – denn diese hätte das fragile Material zusammengepresst und so verdichtet. Strukturen und andere Eigenschaften, die Rosettas Kameras in verschiedenen Größenskalen aufgezeichnet haben, liefern weitere Informationen darüber, wie dieses Wachstum stattdessen geschehen sein kann.

Ältere Analysen haben gezeigt, dass die beiden Kometenteile ursprünglich voneinander getrennte Objekte waren. Die Kollision, die die Teile zusammengebracht hat, muss bei niedriger Geschwindigkeit stattgefunden haben, sonst wären sie beide zerstört worden. Die Teile verfügen über ähnliche Schichten, was uns sagt, dass sie vergleichbare Entwicklungsgeschichten aufweisen. Außerdem hat das den Wissenschaftlern gezeigt, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit im Hinblick auf katastrophale Zusammenstöße über einen langen Zeitraum sehr hoch gewesen sein muss.

Bild: Wie entstehen Kometen?

Verschmelzungsvorgänge können auch in kleineren Maßstäben stattgefunden haben. So konnten beispielsweise in der Bastet-Region auf dem kleineren Kometenteil drei kugelförmige „Kappen“ identifiziert werden. Vermutungen zufolge sind sie Überreste kleinerer Kometen, die bis heute erhalten geblieben sind.

In noch kleineren, nämlich in Metermaßstäben, wurden die sogenannten „Gänsehaut“- und „Klumpen“-Strukturen entdeckt. Diese rauen Oberflächen befinden sich in zahlreichen Gruben und Felswänden an verschiedenen Orten auf dem Kometen.

Diese Morphologie könnte zwar allein durch Rissbildungen entstanden sein, allerdings gehen die Experten eher davon aus, dass sie eine den Kometenbestandteilen intrinsische „Klumpigkeit“ repräsentiert. Genauer gesagt könnte diese Gänsehaut-Struktur die typische Größe der kleinsten Kometen darstellen, die sich angehäuft und schließlich zu dem Kometen, wie er heute ist, zusammengeschlossen haben. Und nun sind diese kleinen Kometen dank der durch das Sonnenlicht ausgelösten Erosion wieder sichtbar.
Der Theorie zufolge hängt die Geschwindigkeit, mit der kleinere Kometen kollidieren und miteinander verschmelzen, von der Größe der Objekte ab. Die Geschwindigkeit ist am höchsten, wenn die Kometen einige Meter groß sind. Deswegen geht man auch davon aus, dass metergroße Strukturen die kompaktesten und widerstandsfähigsten sind. Dabei ist besonders interessant, dass das Kometenmaterial gerade in dieser Größenklasse sehr klumpig erscheint.

Spektralanalysen der Zusammensetzung des Kometen geben weitere Hinweise in diese Richtung, denn sie zeigen, dass die Oberfläche überhaupt nicht oder nur wenig von flüssigem Wasser verändert wurde. Auswertungen der aus sublimierenden Eisschichten, die tiefer unter der Oberfläche liegen ausgestoßenen Gase haben dokumentiert, dass der Komet reich an flüchtigen organischen Verbindungen ist, etwa an Kohlenmonoxid, Sauerstoff, Stickstoff und Argon.

Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass Kometen in äußerst kalten Umgebungen entstanden sind und die meiste Zeit ihrer Existenz über keinen wesentlichen thermischen Prozessen ausgesetzt waren. Stattdessen haben sie sich eher langsam über einen erheblichen Zeitraum hinweg gebildet – nur so können die niedrigen Temperaturen, das Fortbestehen bestimmter Eisarten sowie Speicherung flüchtiger organischer Verbindungen erklärt werden.
„Während größere TNO in den äußeren Bereichen des Sonnensystems offenbar von kurzlebigen radioaktiven Substanzen erhitzt wurden, zeigen Kometen keine ähnlichen Anzeichen für solche thermischen Prozesse. Dieses Paradox mussten wir durch eine detaillierte Betrachtung der zeitlichen Entwicklung unseres derzeitigen Modells des Sonnensystems klären und neue Überlegungen mit einbeziehen“, sagt Davidsson.

Davidsson und seine Kollegen haben nun einen Ansatz vorgeschlagen, nach dem sich die größeren Objekte der TNO-Gruppe zügig während der ersten Million Jahre des Sonnennebels gebildet haben, unterstützt von turbulenten Gasströmen, die sie rasch wachsen ließen – auf Größen von bis zu 400 Kilometern.

Nach den ersten 3 Millionen Jahren der Geschichte des Sonnensystems war Gas aus dem Sonnennebel verschwunden und solide Materialien die einzig verbleibenden. In den darauffolgenden etwa 400 Millionen Jahren haben die schon großen TNO langsam weiteres Material angezogen und sich verdichtet, sodass sie aus mehreren Lagen bestanden. Während dieses Prozesses schmolzen zum Beispiel ihre Eisvorkommen und froren wieder ein. Einige TNO wurden sogar so groß wie die Planeten Pluto oder der Neptunmond Triton.
Kometen haben sich allerdings anders entwickelt. Nach der ersten, extrem schnellen Wachstumsphase der TNO kamen übriggebliebene Bröckchen und Geröll aus eisigem Material in den kalten, äußeren Bereichen des Sonnennebels mit langsamen Geschwindigkeiten zusammen und formten - bis die Gase aus dem Sonnennebel verschwunden waren - Kometen mit Größen von ungefähr 5 Kilometern. Da die Objekte mit niedriger Geschwindigkeit aufeinandertrafen, hatten die zusammengesetzten Objekte fragile Kerne, die sich durch hohe Porosität und niedrige Dichten auszeichnen.
Dieses langsame Wachstum hat es aber auch möglich gemacht, dass in den Kometen einige der ältesten, flüchtigen Materialen aus dem Sonnennebel konserviert wurden, da diese die aus radioaktivem Zerfall produzierte Energie in den Kometen freisetzten, ohne zu sehr zu erhitzen.

Die größeren TNO haben aber auch noch eine andere Rolle für die Entwicklung von Kometen gespielt. Sie wirbelten die Umlaufbahnen der Kometen geradezu durcheinander, sodass diese in den folgenden 25 Millionen Jahren noch zusätzliches Material anhäuften, und zwar auch mit etwas größeren Geschwindigkeiten. So wurden die äußeren Schichten der Kometen gebildet. Das Verwirbeln ermöglichte es außerdem Objekten mit einer Größe von einigen Kilometern, sanft aufeinanderzustoßen, was dann zu solchen wie bereits bei einigen Kometen beobachteten doppelendigen Formen führte.
„Kometen weisen nicht die Charakteristika auf, die man für aufeinandergestoßene Gesteinshaufen, so wie sie aus dem Zusammenstößen größerer Objekte wie TNO entstehen, erwarten würde. Wir glauben stattdessen, dass sie langsam im Schatten der TNO gewachsen sind. So konnten sie in ihren Hauptbestandteilen unbeschadet 4,6 Milliarden Jahre lang überleben“, schlussfolgert Davidsson.

„Unser neues Modell zeigt, was wir aus Rosettas detaillierten Kometenbeobachtungen ableiten. Dabei handelt es sich um Interpretationen, die auch schon von Ergebnissen früherer Kometen-Vorbeiflugmissionen angedeutet worden sind.“

„Kometen sind die Fundgruben des Sonnensystems“, fügt Taylor hinzu.
„Sie geben uns unvergleichliche Einblicke in die Prozesse, die auf der ‚Planetenbaustelle’ in diesen frühen Zeiten wichtig waren und darin, wie diese Prozesse mit der heute sichtbaren Architektur des Sonnensystems zusammenhängen.“

Hinweise für Redakteure

„The primordial nucleus of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko,“ von B. Davidsson et al. ist in Astronomy & Astrophysics erschienen.

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Ein Abschied auf Raten: Time to say goodbye, Philae!

12 Februar 2016
Die zuletzt andauernde Funkstille hatte es bereits angedeutet: Ein Kontakt mit Lander Philae wird immer unwahrscheinlicher, und die Bedingungen für den Lander auf dem Kometen schlechter. „Die Chancen, dass Philae noch einmal Kontakt zu unserem Team im Lander-Kontrollzentrum des DLR aufnimmt, gehen leider gegen Null, und wir senden auch keine Kommandos mehr – es wäre sehr überraschend, wenn wir jetzt noch ein Signal empfangen würden“, sagt Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Für Philae bedeutet das, dass er zwar sehr wahrscheinlich eisfrei, aber voraussichtlich mit Staub bedeckt an seinem schattigen Platz auf Komet Tschurjumow-Gerassimenko in den ewigen Winterschlaf übergeht und sich in der Kälte nicht mehr einschaltet. Die Sonde Rosetta der europäischen Weltraumorganisation ESA wird hingegen noch bis September 2016 um den Kometen kreisen und weiterhin mit ihren wissenschaftlichen Instrumenten Messungen durchführen. Auch die Kommunikationseinheit auf Rosetta wird noch nicht abgeschaltet – sie wird in den nächsten Monaten solange weiterhin auf Signale des Landers horchen, bis die dafür notwendige Energie nicht mehr zur Verfügung steht.
„Es war eine einzigartige Mission mit Philae – es war nicht nur das erste Mal, dass man jemals mit einem Lander auf einer Kometenoberfläche aufgesetzt hat, wir haben auch faszinierende Daten erhalten, mit denen wir noch viele Jahre arbeiten können“, sagt Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR und beteiligte Wissenschaftlerin an der Mission, „Rosetta und Philae haben gezeigt, auf welch faszinierende Art und Weise die Raumfahrt den menschlichen Horizont erweitern und die Öffentlichkeit Anteil an unserer Forschung nehmen kann.“

Ein sichtlich gerührter ESA-Flugdirektor Andrea Accomazzo vom Rosetta-Kontrollteam nach der erfolgreichen Landung von Philae.

Am 12. November 2014 hatte Philae seine spektakuläre Landung vollbracht. Inklusive eines Harpunensystems, das nach der zehnjährigen Reise durch das Weltall nicht mehr funktionierte, mehreren Hüpfern über den Kometen und einem Standort, mit dem niemand im Team gerechnet hatte. Weltweit verfolgten die Menschen, ob die zuvor noch nie versuchte Landung auf einem Kometen glücken würde. Schließlich konnten die Ingenieure und Wissenschaftler des DLR um 18.31 Uhr mitteleuropäischer Zeit verkünden: Philae steht auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, 510 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – und kommuniziert mit der Erde. Suchmaschine Google widmete sein Startbild dem Lander und ließ Philae ihrem Schriftzug anstelle des zweiten O seine drei filigranen Beine ausstrecken. Zeitungen von Afrika bis Südamerika, von den USA bis nach Asien und Australien vermeldeten die Nachricht der ersten Kometenlandung, in allen Sprachen bestätigten Sprecher in den Nachrichtensendungen, dass Philae tatsächlich sein Ziel erreicht hätte. Währenddessen arbeitete das Team im Kontrollraum des DLR in Köln rund um die Uhr, um die sorgfältig vorbereiteten Pläne an die neue Situation anzupassen und an dem ungeplanten Standort mit Philae zu arbeiten. „Ich hatte schon mit Interesse gerechnet“, sagt DLR-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec. „Aber diese weltweite, riesige und auch andauernde Begeisterung hat mich sehr positiv überrascht.“
Mehr als 60 Stunden forschten die Wissenschaftler mit Philaes Instrumenten, nahmen Fotos auf, schnüffelten nach Molekülen oder versuchten, sich in den unerwartet harten Untergrund zu hämmern. Mit seinen aufgeladenen Batterien konnte der Lander auch an seinem nur wenig von der Sonne beschienenen Standort arbeiten. Alle gemessenen Daten konnte Philae sicher zur Erde senden. Nach dem Erreichen des sonnennächsten Punkt am 13. August 2015 verabschieden sich Komet, Rosetta und Philae nun wieder aus dem Inneren des Planetensystems: „Tschurjumow-Gerassimenko ist inzwischen wieder über 350 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt“, erläutert Dr. Ekkehard Kührt, Planetenforscher am DLR und zuständig für den wissenschaftlichen Anteil des DLR an der Mission mit Rosetta und Philae. „In der Kometennacht kann es jetzt bis unter minus 180 Grad Celsius kalt werden. Selbst am Tag bleibt der gesamte Komet nun tiefgefroren.“ Für einen Lander, der auf Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius ausgelegt ist, ist dies eine Umgebung, in der er nicht mehr arbeiten kann. Wäre er an seinem ursprünglichen Landeplatz zur Ruhe gekommen und hätte sich dort im Boden verankert, hätte er deutlich mehr Sonne zur Energieversorgung zur Verfügung gehabt, wäre aber voraussichtlich im März 2015 bei der Annäherung an die Sonne überhitzt.
„Dass Philae sich jetzt sehr wahrscheinlich nicht mehr melden wird, liegt auch daran, dass seine Energie nicht mehr ausreicht und die Elektronik zu kalt ist“, sagt Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec. Auch in den letzten Monaten gab es keine Funksignale von Philae. Sein Schweigen im August 2015 hatte jedoch einen anderen Grund: Während des sonnennächsten Punktes befand sich die Rosetta-Sonde in einer zu großen Entfernung, um Signale des Landers empfangen zu können und zur Erde weiterzuleiten. „Es gab im vergangenen Jahr aber auch Zeiten, in den wir nicht verstanden haben, warum Philae keinen Kontakt zu uns aufnimmt.“ Philae meldete sich zwar am 13. Juni 2015 und sendete Daten über seinen Gesundheitszustand. Insgesamt nahm er auch sieben weitere Male Kontakt zum Bodenteam auf – doch blieb dies unregelmäßig und relativ unvorhersagbar. Am 9. Juli 2015 sendete er zum letzten Mal Informationen. „Wir haben immer wieder verschiedene Kommandos gesendet, um den Kontakt mit ihm zu stabilisieren und mit den Instrumenten messen zu können, aber dies ist leider nicht gelungen.“ Die Ingenieure des Projekts halten es für möglich, dass Kurzschlusse an den Sendern der Grund für die unregelmäßigen Kontakte und das anschließende Schweigen sein könnte.

Welcome to a comet
Auch wenn die Arbeit mit Philae Wünsche offen gelassen hat – beispielsweise die chemische Untersuchung einer Bodenprobe oder mehr Zeit für wissenschaftliche Messungen: „Solche hochaufgelösten und spektakulären Bilder wie von der ROLIS-Kamera gewonnene, die unterhalb des Landers sitzt, sowie von der Panoramakamera CIVA werden wir lange Zeit nicht mehr bekommen.“ Außerdem wurden mit einem Massenspektrometer organische Moleküle auf der Oberfläche gefunden und mit der Thermalsonde MUPUS sowie dem Seismometer SESAME physikalische Eigenschaften der Kometenoberfläche bestimmt. Der Kometenkern wurde von Sonde zu Lander mittels Radarstrahlen durchleuchtet, woraus Erkenntnisse über seine Struktur gewonnen werden konnten. Ein messbares Magnetfeld wies der Komet nicht auf. Viele Ergebnisse wurden inzwischen in wissenschaftlichen Journalen publiziert. „Die Auswertung der Daten wird jedoch noch über mehrere Jahre weitergehen“, betont DLR-Planetenforscher Dr. Ekkehard Kührt.
Mit der Rosetta-Mission wurden gleich mehrere Premieren im All gefeiert: Noch nie begleitete eine Raumsonde einen Kometen auf seinem Weg um die Sonne, noch nie landete ein Gerät auf einer Kometenoberfläche, um dort Messungen durchzuführen. „Wenn man einen Vergleich mit anderen historischen Missionen sucht, wären dies vielleicht die Viking-Mission, die zum ersten Mal detaillierte Bilder vom Mars sendete, oder auch die Voyager-Sonden, die einen Blick auf die großen Planeten unseres Sonnensystems ermöglichten“, sagt Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom DLR. Die Landung mit Philae war zudem auch eine gute Lehrstunde: „Wir können zukünftige Missionen besser an die Bedingungen auf einem Kometen anpassen.“
Die letzten Fotos von Philae wird es sehr wahrscheinlich im Sommer 2016 geben, wenn die Rosetta-Sonde in nahen Vorbeiflügen auf den Lander blickt. „Wenn wir dann sehen, wie Philae positioniert ist, können wir manche Daten wie die Messungen des Radar-Experiments CONSERT noch besser interpretieren.“ In etwa sechs Jahren werden Philae und die Rosetta-Sonde, die im September 2016 zum Abschluss der Mission auf dem Kometen landen soll, zumindest wieder der Erde nahe sein – dann hat Komet Churyumov-Gerasimenko die Sonne ein weiteres Mal umrundet.
Rosetta ist eine Mission der ESA mit Beiträgen von ihren Mitgliedsstaaten und der NASA.
Die Mission wird im Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESA / ESOC in Darmstadt gesteuert.
Rosettas Lander Philae wird von einem Konsortium unter der Leitung von DLR, MPS, CNES und ASI beigesteuert.

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1 Juli 2016

Rosetta wird ihre Mission am 30. September 2016 mit einer kontrollierten Landung auf die Oberfläche ihres Kometen abschließen.

Die Mission erreicht aufgrund der immer größeren Entfernung des Raumfahrzeugs von der Sonne und Erde ihr Ende. Die Sonde bewegt sich in Richtung Jupiterorbit. Daher nimmt die für den Betrieb des Raumfahrzeugs und der Instrumente erforderliche Sonnenenergie aber auch die verfügbare Bandbreite zur Übermittlung der Wissenschaftsdaten zur Erde stetig ab.

Wo wird Rosetta am 30.09. sein?


In Verbindung mit dem steigenden Alter des Raumfahrzeugs sowie der Nutzlast, die mehr als 12 Jahre lang die harschen Umweltbedingungen im Weltraum überdauert haben – nicht nur die letzten beiden Jahre in der Nähe eines staubigen Kometen –, bedeutet dies, dass Rosetta das Ende ihres “natürlichen Lebens” erreicht.

Im Unterschied zu 2011, als Rosetta für die am weitesten entfernte Etappe ihrer Reise über 31 Monate lang in eine Art Winterschlaf versetzt wurde, fliegt sie dieses Mal Seite an Seite mit dem Kometen. Die größte Entfernung des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerassimenko von der Sonne (mehr als 850 Millionen km) ist so weit, wie Rosetta nie zuvor gereist ist. Leider steht an diesem entlegensten Punkt der Reise nicht mehr genügend Energie zur Verfügung, um Rosetta Heizungen zu betreiben und so für ein Überleben der Sonde zu sorgen.

Statt sich der Gefahr einer weitaus längeren Überwinterung auszusetzen, die die Sonde vermutlich nicht überstehen würde, und nach Beratungen mit dem Wissenschaftsteam von Rosetta im Jahr 2014, wurde beschlossen, dass Rosetta ihrem Landemodul Philae auf die Kometenoberfläche folgt.

Die letzten Stunden des Abstiegs bieten Rosetta die einmalige Möglichkeit, zahlreiche Messwerte zu erfassen, unter anderem auch extrem hochauflösende Bilder. Solche Nahaufnahmen, die nur bei diesem glorreichen Abschluss der Mission zu machen sind, setzen den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Sonde zweifelsfrei die Krone auf.

Die Kommunikation mit dem Orbiter wird jedoch bei Erreichen der Kometenoberfläche enden, wenn er seinen Betrieb einstellt.
Nahaufnahme des Kometen

“Wir werden versuchen, noch so viele Untersuchungen wie möglich herauszuziehen, bevor uns die Sonnenenergie ausgeht”, erzählt Matt Taylor, Rosetta Projektwissenschaftler der ESA. “Der 30. September markiert das Ende des Betriebs der Raumsonde, jedoch auch den Beginn der Phase, in der sich die Teams voll und ganz auf die Wissenschaft fokussieren. Deswegen wurde die Rosetta Mission gestartet und es liegen einige Jahre Arbeit vor uns, bis wir all ihre Daten sorgfältig ausgewertet haben.”

Das Kontrollteam von Rosetta wird die Flugbahn im August, vor dem großen Finale, so anpassen, dass sie eine Reihe elliptischer Orbits fliegt und sich dabei langsam dem Kometen annähert.

“Die Planung dieser Phase ist tatsächlich wesentlich komplexer als es bei der Landung von Philae der Fall war”, meint Sylvain Lodiot, Rosetta Spacecraft Operations Manager bei der ESA. “Die letzten sechs Wochen werden ganz besonders spannend, weil wir dann exzentrische Orbits um den Kometen fliegen – und das ist in vielerlei Hinsicht wesentlich riskanter als der eigentliche Abstieg.

“Je näher wir dem Kometen kommen, desto stärker wirkt sich seine ungleichmäßige Schwerkraft aus, weswegen wir die Flugbahn intensiver kontrollieren müssen. Dafür sind zahlreiche Manöver erforderlich – unsere Planungszyklen werden dann sehr viel kurzfristiger ausgeführt.”

An den letzten Tagen der Mission wird eine letzte Flugbahnänderung in etwa 20 km Abstand vom Kometen, circa 12 Stunden vor dem Aufsetzen, eine Reihe von Manövern abschließen und die Raumsonde auf ihren letzten Weg hinunter zum Kometen bringen.

Wo Rosetta landen soll, wird weiterhin diskutiert, da das Operationsteam und die Wissenschaftler die verschiedenen Parameter mit zahlreichen unterschiedlichen Flugbahnen abstimmen müssen.

Generell wird jedoch erwartet, dass die Landung mit etwa 50 cm/s erfolgen soll, das ist etwa halb so schnell, wie die Landegeschwindigkeit von Philae im November 2014.

Die an den Tagen davor hochgeladenen Befehle stellen automatisch sicher, dass sowohl die Transmitter als auch alle Einheiten und Instrumente zur Fluglage und Kontrolle des Orbits mit der Landung ausgeschaltet werden, um die Entsorgungsanforderungen für Raumfahrzeuge zu erfüllen.
Eine herausfordernde Umgebung

In jedem Fall wird die Hochleistungsantenne von Rosetta nach der Landung nicht mehr auf die Erde gerichtet sein, wodurch eine Kommunikation praktisch unmöglich wird.

Zwischenzeitlich laufen die Forschungen weiter, wie sonst auch, obwohl zahlreiche Risiken vorprogrammiert sind. Vergangenen Monat verbrachte das Raumfahrzeug einige Zeit in einem ‘sicheren Modus’, als es nur 5 km vom Kometen entfernt war und Staub das Navigationssystem beeinträchtigte. Rosetta hat sich dann wieder erholt, aber das Missionsteam kann nicht ausschließen, dass ein solcher Zustand zum Ende der Mission hin erneut auftritt.

“Obwohl wir unsere Arbeit bestmöglich erledigen, damit Rosetta bis dahin unversehrt bleibt, wissen wir aufgrund unserer Erfahrungen aus den vergangenen zwei Jahren beim Kometen, dass vieles nicht so läuft, wie geplant und – wie immer – müssen wir auf das Unerwartete vorbereitet sein”, räumt Patrick Martin ein, Rosetta-Missionsleiter bei der ESA.

“Dies ist die ultimative Herausforderung für unsere Teams und für unser Raumfahrzeug, und ein sehr passendes Ende für die unglaubliche und erfolgreiche Rosetta Mission.”


Danke, an das gesamte Team, es war eine sehr spannende Zeit mit Rosetta und Philae!
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 08.08.2016 | 23:02   Melden
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Huberta Steinscherer aus Mürztal | 09.08.2016 | 11:47   Melden
38.125
Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 09.08.2016 | 12:13   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 09.08.2016 | 14:48   Melden
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