27.12.2017, 21:43 Uhr

Zwischen den Jahren – eine besondere Zeit

Zwischen den Jahren – eine besondere Zeit "Dazwischen"
27. Dezember 2017
Zwischen den Jahren – eine besondere Zeit
Eine „Zeit zwischen den Jahren“ – die gibt es ja gar nicht. Genau genommen ist es in einem Moment kurz vor zwölf, im nächsten Moment schon kurz nach – und das war dann die Jahreswende, mit nichts dazwischen als einem Feuerwerk. Das aber meine ich nicht, wenn wir die Redewendung „Zwischen den Jahren“ nutzen. Dann denken wir heutzutage an die Tage von Weihnachten bis Neujahr.


Für unsere Vorfahren begannen bereits am 21. Dezember mit der Wintersonnenwende die Rauhnächte, jene Nächte um den Jahreswechsel, denen - je nach europäischer Region – besondere Bedeutung zugemessen wurde. Manchmal werden Sie auch heilige Nächte genannt oder „Zwölfte“.
Diese zählte man dann vom Weihnachtstag, dem 25. Dezember, bis zum 6. Januar, der „Erscheinung des Herrn“ oder „Heilige Drei Könige“.

Warum aber „zwischen den Jahren“?


Es gibt kalendarische Gründe: So liegt eine Differenz von zwölf Tagen in der Jahreseinteilung nach dem Mond- und dem Sonnenkalender. Oder: Der Gregorianische Kalender – mit neuer Schaltjahresregelung – nach der Reform durch Papst Gregor XIII. (1582) wurde aber nicht überall zeitgleich eingeführt. So unterschieden sich die Jahreszahlen von Gebiet zu Gebiet; mal galt der traditionelle mittelalterliche 24. Dezember als Jahresende, mal der 6. Januar – es gab also eine Zeit „dazwischen“. Erst seit 1691 liegt der letzte Tag des Jahres fest – benannt nach Papst Silvester I.
Dass Weihnachten am 25.Dezember gefeiert wird, legte Papst Liberius 354 fest. Als zu Julius Cäsars Zeiten der Julianische Kalender eingeführt wurde (45 v. Chr.), lag die Wintersonnenwende noch auf dem 25. Dezember und wurde als heidnisches Fest gefeiert. Die frühen Christen beschlossen, an diesem Tag nun auch die Geburt Jesu zu feiern.

Rauch und Bräuche

Nach alten Überlieferungen sollten in der Zeit zwischen den Jahren finstere Mächte wirken, Geister erscheinen, Dämonen Haus und Hof übernehmen. Es galt, keine Wäsche aufzuhängen – Frau Holle könnte sie mitnehmen und daraus ein Leichentuch für den Besitzer machen …
Für die Germanen waren die Rauhnächte eine heilige Zeit, in der nicht gearbeitet wurde. Es wurde ausgiebig geräuchert, um Mensch und Tier, Hab und Gut zu beschützen – daher möglicherweise das Wort Rauhnacht, von „Rauch“ und „räuchern“. Auch Vorhersagen wurden gemacht: So wurde jede der zwölf Nächte einem der kommenden Monate des Jahres zugeschrieben, die erste im Januar, die zweite dem Februar … Und alles, was in den Nächten beobachtet wurde, galt als Prognose, zum Beispiel für das Wetter. Und wir? Nun ja – lassen uns zum Jahresende mit Bleigießen fürs Kommende wahrsagen und vertreiben die Geister mit lauten Böllern.

Licht und Dunkelheit

Die Menschen lieben es licht und hell. Sommer ist die schönste Zeit des Jahres. Schon Anfang Oktober beginnt ein Klagen, wie früh nun die Sonne untergeht. Dann, nach der Umstellung auf die Winterzeit, gibt es ein kurzes Lob der gewonnenen Stunde Morgenlicht. Bis schließlich Ende November und im Dezember alles der Wintersonnenwende entgegengeht – immer mehr Dunkel um uns. So lange Abende, so tiefe Nächte. Zum Bangewerden? Vielleicht. Kalte Winter können schrecken, waren früher eine arme, hungrige Jahreszeit. Aber sie sind nicht endlos, sondern wandeln sich mit jedem Tag. Pfarrerin Erika Eckhardt (marburg) beschrieb es einmal als „rhytmischen Wechsel polarer Kräfte:
Schon Zwölf Tage vor der Wintersonnenwende versucht die Sonne, die Dunkelheit zurückzudrängen. Jeden Tag geht sie zwar noch ein paar Minuten später auf, aber zur gleichen Zeit unter. Nach dem 21. Dezember ist es umgekehrt.

Ist es nun Tag oder Nacht?
Weder noch.
Es ist etwas dazwischen.

Weitere zwölf Tage geht sie fast zur gleichen Zeit auf, aber mehrere Minuten später unter.
Tag und Nacht sind im größten Ungleichgewicht – und doch im ständigen Auf-Bruch.
Kaum ist die längste Nacht erreicht, wird die Dunkelheit Minute für Minute weniger.
Wer es genau wissen will: Am 21.Dezember ist die Sonne nur 7:43 Stunden am Himmel, aber am Neujahrstag bereits fast acht Stunden, am 31.1. schon volle neun.

Zeit zum Sternegucken


Was wünschen wir uns denn gegenseitig?
Ich hoffe Sie hatten eine gesegnete Weihnachtszeit?

Schwerpunkt auf Zeit – es geht nicht um einen Punkt, der kaum erreicht, schon vorüber ist, nicht nur um einen eiligen, heiligen Abend. Eine beglückende Erfahrung ist es, an einem Dezembertag den Griff zum Lichtschalter einmal sein zu lassen.
Auch eine Kerze darf vorerst brennen. Nur da sein und es hinter den Fenstern langsam dämmern, immer trüber und grauer werden lassen, bis die Farben ganz verschwunden sind und die Augen kaum entziffern können:
Ist es nun Tag oder Nacht?
Weder noch.
Es ist etwas dazwischen.
Dies „Dazwischen” können wir in der gesamten Weihnachtszeit empfinden. Es still werden lassen, geduldig das Nichtmehr und das Nochnicht erfahren.

Dunkelheit ist kostbar, wir können sie nicht selbst herstellen. In ihr sind wir mehr als sonst auf uns selbst zurückgeworfen – oder aber: Wir können bei uns ankommen. Das Weihnachtserlebnis des Friedens, der Stille in uns spüren. Und dann, ganz langsam, den Blick nach vorn richten. Ein neues Jahr beginnt.

Wenn es licht wird

Ist es nicht schon wenig heller geworden? Spätestens an „Maria Lichtmess“, dem 2. Februar, ist das deutlich spürbar. Im astronomischen Jahreslauf liegt Lichtmess genau zwischen Wintersonnenwende
21.12. und Frühjahrs-Tagundnachtgleiche 21.3. Erst dieser Tag galt in der katholischen Kirche als Ende der Weihnachtszeit. Noch heute bleiben in vielen katholischen Kirchen und Häusern Krippe und Weihnachtsbaum so lange stehen. Schließlich ist „Lichtmess“ eines der ältesten Feste der christlichen Kirche: Seit Anfang des 5. Jahrhunderts wurde es in Jerusalem am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert.
Mit dem 2. Februar verbinden sich viele unterschiedliche Glaubensaussagen, Volksbräuche und Bauernregeln. So fanden seit dem 11. Jahrhundert Kerzensegnungen und Lichterprozessionen statt.

An Lichtmess wurden die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien geweiht, deshalb gab es Wachsmärkte, genannt „Licht(er)messen“. Seit Mitte der 1960er Jahre endet die Weihnachtszeit jedoch bereits am Fest der Taufe des Herrn, dem Sonntag, der auf die „Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias) am 6. Januar folgt. Im ev. Kirchenjahr wird Epiphanias zwar bis heute von vielen als der Abschluss der Weihnachtszeit angesehen, der liturgische Kalender sieht den Weihnachtsfestkreis aber erst mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias – 2018 also am Sonntag, 21.Januar – als beendet an.

Ich wünsche Ihnen allen,
allen einen guten Rutsch ...
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Anna Aldrian aus Graz-Umgebung | 27.12.2017 | 21:51   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 27.12.2017 | 21:57   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 27.12.2017 | 21:59   Melden
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Ilse Hanold aus Rudolfsheim-Fünfhaus | 27.12.2017 | 21:59   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 28.12.2017 | 09:17   Melden
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Gerhard Singer aus Ottakring | 28.12.2017 | 11:15   Melden
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 28.12.2017 | 11:31   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 28.12.2017 | 11:38   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 28.12.2017 | 21:36   Melden
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Franz Schaufler aus Weiz | 30.12.2017 | 15:49   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 30.12.2017 | 17:22   Melden
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