31.10.2016, 11:18 Uhr

"Pfiat di, Annemarie!"

Am Freitag schloss mit dem "Hanswurst" die letzte private Autobahn-Grillstation Österreichs.

GRIES (cia). Es ist später Vormittag in Nösslach. Die Luft ist noch kühl, aber die Sonne scheint auf den Autobahnparkplatz. Noch ist nicht viel los beim "Hanswurst" – das kommt aber noch, so wie fast jeden Tag. Dennoch, etwas ist anders als sonst. Es ist der letzte Tag für den kleinen Grill- und Würstelkiosk.

Neun Jahre war er ein Fixpunkt auf diesem Parkplatz – betrieben von Annemarie Keuschnigg. Eine Anlaufstelle, nicht nur für unzählige Reisende und Lkw-Fahrer, die hier Ruhe abseits der großen Kettenrestaurants entlang der Verkehrsstrecken suchten, auch für viele Einheimische wurde er zu DEM Treffpunkt in Nösslach. Ein Ort des sozialen Austauschs und auch der Ruhe. "Hier gab es nie ein Problem", erzählt Annemarie: "Hier wurde nie gerauft oder gestritten."

Ein Treffpunkt fehlte hier, erzählt ein Einheimischer. Hans (im "Hanswurst" sind alle per "Du", wer hier jemanden mit "Sie" anspricht, verrät sich sofort als Neuling) trinkt gerade sein letztes Bier und erinnert sich mit Annemarie an die vergangenen Jahre, an Freundschaften, die hier entstanden sind und Nösslach so bereichert haben.
Insgesamt war Annemarie 21 Jahre lang auf der Autobahn tätig. Zuerst 14 Jahre lang am Zollamtsplatz am Brenner. Als dort für das Rosenberger-Restaurant umgebaut wurde, übersiedelte die Grillstation mit Unterstützung der Asfinag nach Nösslach.

Nicht selbstverständlich, wenn man weiß, dass es sich um den letzten privaten Grillstand auf einem österreichischen Autobahnparkplatz handelt. "Die Asfinag hatte mit der Betreiberin des Imbissstandes am Rastplatz Nösslach einen sehr zuverlässigen Partner. Wir hatten immer großes Einvernehmen", streut Abteilungsleiter Martin Kirchmair Annemarie Rosen.

So war auch nicht ein abgelaufener Vertrag der Grund für das Ende von "Hanswurst". Gesundheitliche Gründe sind es, die es Annemarie nicht mehr möglich machen, den Stand weiterzuführen. Nun möchte sich die stolze Oma auf ihre Enkel konzentrieren (zwei davon spielen professionell Fußball für Wattens). Dennoch – auch der Würstelstand war immer eine Art von Familie für sie. Angefangen von den vielen Stammkunden – manche der Lkw-Fahrer kennt sie seit 21 Jahren bis hin zu ihren beiden Mitarbeitern Claudia und Markus, die sie seit zehn Jahren unterstützen. "Manche treue Kunden sind auch schon verstorben", bedauert die Mühlbachlerin. Sie hätte sich gefreut, wenn sie an diesem letzten Tag auch noch mit ihnen hätte feiern können.

Denn ohne Abschiedsfeier geht es natürlich nicht. Bis zwei Uhr morgens sollte die große "Hanswurst"-Familie feiern, bevor Annemarie selbst – das wollte sie sich keinesfalls nehmen lassen – selbst die Türe zum letzten Mal versperrte.

Doch noch geht es darum, auch an diesem letzten Tag für die Gäste da zu sein. Ein buntes Sammelsurium, das da kommt. Italiener, denen Annemarie den Aushang übersetzt, auf dem steht, dass die Grillstation geschlossen wird, und die noch fleißig Handyfotos machen, Innsbrucker, die extra für eine letzte Schnitzelsemmel in der Mittagspause den Weg aus der Stadt nehmen und Brummifahrer wie Horst, der für seine schon traditionelle Currywurst einkehrt und mit sächsischem Einschlag sagt: "Annemarie wird uns allen fehlen!"
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