Rangertour im Frühling

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Immer mehr Gäste wollen die Natur der Europaschutzgebiete erleben. Dafür ist gerade der Frühling am Besten geeignet. Gäste der Emmaquelle haben diesen Service in Anspruch genommen.

Die Gäste aus Wien wurden mit dem Auto beim Hotel abgeholt. Die erste Station der Rangertour war Haag. Dort auf den größten zusammenhängenden Wiesenflächen in den Talböden im Schutzgebiet rasten gerade 1000e Misteldrosseln. Aufmerksam beobachten sie ihr Umfeld. Ein Turmfalke jagd ebenfalls auf der Fläche und erbeutet eine Feldmaus. Ein Stück weiter neben der Key-West-Diskothek in Straden blühen die ersten Frühlingsblüher. Frühlingsknotenblumen bedecken den Waldboden am Hang. Auch einige Bärlauchpflanzen und der Aronstab strecken ihre ersten Blätter den Himmel entgegen.

Am landwirtschaftlichen Museum in Johannisbrunn können wir nicht einfach vorbei fahren. Zu auffällig sind die vielen alten Traktoren und landwirtschaftlichen Geräte. Wir kehren also ein und fragen Erich Wiedner nach einigen Souveniers. Gleich einige Meter weiter geniesen wir eine Fläche voll mit dem Illyrischen Krokus und der Hecken-Nieswurz, einer Verwandten der Schneerose. Ein Grünspecht meldet sich und der nächste Turmfalke ruft aufgeregt. Stare queren immer wieder unsere Tour. Ein Spaziergang entlang des Sulzbaches zeigt uns seine Natürlichkeit in diesem Abschnitt. Wir fahren weiter. Ein LKW parkt verdächtig neben einem der Auwälder. Gerade noch habe ich den Gästen erklärt, dass man die Frühlingsknotenblumen nicht ausgraben darf und schon sehen wir einen Täter im Auwald graben. Ich halte an und stelle ihn zur Rede. Er ist reuig und ich verwarne ihn nur. Mit einem schlechten Gewissen setzt er seine Reise fort. Die restlichen Auwälder des Sulzbachtales sind weiß vor lauter Frühlingsknotenblumen. Die Gäste sind entzückt.

In Radochen sehen wir eines unserer Weißstorchenhorste. Noch ist es unbesetzt, aber es wird nicht mehr lange dauern bis die Störche aus Afrika zurück sind. Ich zeige den Gästen unsere Storchenschautafel hinter dem Next-neben, einer Radfahrerschenke in Radochen. 20 solche Schautafeeln widmen sich den Schutzgütern unseres Europaschutzgebietes. Nun fahren wir nach Gosdorf um bei der Muraufweitung nahe dem Röcksee einige Natureindrücke zu sammeln. Die Mur ist unser steirischer Hauptfluss. Ab Spielfeld ist das Wasser bis zum Eisernen Tor an der serbisch-romänischen Grenze ungestaut. Doch vor 140 Jahren hat man diesen Fluss in ein sehr schlankes Flussbett eingeengt und so hat sich der Fluss um mehr als 2 Meter eingetieft. Da oberhalb von Spielfeld kein Schotter für das Flussbett nachkommt kratzt der Fluss hier an einer durchlässigen Schicht in der er sogar versickern könnte. Das wäre für die hiesige Landwirtschaft ein riesiger Schaden. Und so entschloss man sich die Ufer der Mur von den steinernen Bollwerken zu befreien und schob den Schotter in das Murbett. Es entstanden 5 Aufweitungen und weitere sollen demnächst folgen.

Der Murauwald präsentiert sich als ein Blütenmeer voller Schneeglöckchen. Wir besuchen eine Insektenherberge bei der schon reger Betrieb herrscht. Diese natürlichen Hilfsmittel haben wir vor einigen Jahren hier errichtet. Einer unserer Auenguids betreut die Herberge und macht Führungen in diesem Abschnitt. Ein Blick zur Mur am oberen Ende der Aufweitung zeigt uns den momentan niederen Wasserstand. Obwohl es sogar schon besser geworden ist, weil die Schneeschmelze schon eingesetzt hat ist die Mur sehr weit unten. Es hat heir seit November nicht mehr geregnet. Nur 15 cm Schnee war alles, was während der letzten 5 Monate vom Himmel fiel. Auf der Mur schwimmen Schwäne und Stockenten. Seit einiger Zeit sind auch mehrere Gänsesäger am Fluss, die sich hier nach Fischbeute umsehen. Wir sehen die obere Beobachtungsstation, die alle Stunden ein Bild von der Aufweitung schießt und im Internet die Erosion durch den Fluss herzeigt. Ich erkläre den Gästen das Projekt Rolling Stones, bei dem künstliche aus Harz gefertigte Steine mit Sendern per Satelliten im Fluss geortet werden und den Verlauf der Abschwemmung des in die Mur beförderten Schotters bekannt geben.

Wir wandern die Aufweitung Flussabwärts und steigen auf den Murturm. Es handelt sich dabei um eine 33 m hohe Stahlkonstruktion, die eine Doppelhelix darstellt. Man kann den Turm besteigen und blickt über die 25 m hohen Eichen in die Umgebung. Man erkennt den Zufluss zur Mur, den Saazbach, der daran gehindert wird, direkt in die Mur zu fließen. Erst muß der Bach die künstliche Murinsel umfliesen. Dieser neue Bachverlauf dient vielen Murfischen zum Laichen. Gerade Ende März steigen hier die Nasen zu tausenden. Es ist ein gewaltiges Naturschauspiel. Noch sind die Wunden der Aufweitung klar zu erkennen. Aber die Schotterlandschaft hat auch seine Reize.

Wir steigen vom Murturm hinunter und gehen an das Ende der Aufweitung. Hier finden wir die Spuren des Bibers. Er war hungrig, der Bursche, und hat die Weiden am Ufer auf einer Strecke von 100 Metern gefällt. Schade, dass er es nicht auch auf die Robinien abgesehen hat. Diese Bäume wollen wir hier los werden. Sie verdrängen alle anderen Murbäume. Ja den Murbäumen geht es schlecht. Die Eschen sterben ab, die Ulmen hat es schon erwischt. Die Eichen verjüngen sich nicht mehr, weil der Druck der Rehe zu groß ist und die Neophyten, also die Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas 1492 in die Au gelangten, nehmen immer mehr überhand. Dazu gehören: Robinie (Akazie im Volksmund), Götterbaum, Eschenahorn, Goldrute (Murfeigl), Drüsiges Springkraut, Ambrosie oder Kermesbeere. Sie alle machen uns zu schaffen. Der niedere Wasserstand tut ein weiteres. Ich zeige meinen Gästen eine von 200 Eichenaufforstungen, die wir finanzieren. Wir setzen unseren Weg zurück zum Auto fort.

Auf dem Weg aus der Aue begegnen wir überall Massen von Schneeglöckchen. Wir fahren durch einen von der Muraue abgetrennten Auwald und steigen noch einmal aus, um etwas besonderes zu finden. Ich bin mir nicht sicher, ob es schon blüht. Der Zweiblatt-Blaustern kommt in der Steiermark noch an 2 Stellen vor. Einen Platz haben wir hier im Visier. Wir finden ihn auch in einem sehr schönen Eichenwald. Leider wachsen die wenigen Pflanzen direkt neben der Bundesstraße und hier hat man einiges vor. Man will nämlich die Straße verändern und damit wären alle diese seltenen, wunderschönen Pflänzchen dem Untergang geweiht. Noch einmal konnte ich ein wenig Freude bei den Gästen erzeugen und dann bringe ich sie zurück zum Hotel nach Gleichenberg.

Wann: 09.03.2012 ganztags Wo: Gosdorf, Muraufweitung, 8480 Mureck auf Karte anzeigen
Autor:

bernard wieser aus Krems

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