Interview Marianne Müller-Triebl (Die Grünen)
"Die Frauen legen sich die Latte sehr hoch"

Marianne Müller-Triebl stellte sich den Fragen der HLW-Schülerinnen.
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Marianne Müller-Triebl hofft, dass irgendwann die Frage nach der Frauenquote gar nicht mehr notwendig sein wird. Die Vizebügermeisterin (Die Grünen) von Bad Gleichenberg will den Frauen die Selbstzweifel nehmen. 

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Warum sind Sie in die Politik gegangen und seit wann sind Sie politisch tätig?
Ich bin seit 2000 politisch tätig, genau genommen seit Ende 1999. Ich wollte eigentlich schon immer mitgestalten in der Gemeinde, denn die ist für mich quasi die erweiterte Familie. Wenn man in einem Dorf oder einer Gemeinde lebt, möchte man sich irgendwann einbringen. Meine Kinder waren schon etwas größer und drum habe ich mich sozusagen getraut. Damals hat es auch einen Anlass gegeben, meine jetzige Partei, also die Grünen, hatte ein größeres Projekt, genauer gesagt eine Tiefgarage und den größten, ältesten Baum von Bad Gleichenberg. Den Umweltgedanken der Grünen hielt ich für mich für das Richtige, weshalb ich mich schlussendlich auch für diese Partei entschied, obwohl mein Vater der schwarzen Partei angehörte und in einer kleineren Gemeinde lange Zeit Bürgermeister war, was leider auch zu einer großen Aufregung führte.

Wie stehen Sie zu einer Frauenquote in der Politik und sollte es eine verpflichtende Frauenquote in den verschiedenen Parteien geben?
Die Frauenquote hat oft einen schlechten Ruf bzw. sie wird oft abgekapselt. Ich glaube, dass es ohne Quote momentan nicht möglich ist. Ich hoffe, es wird die Zeit kommen, in der diese nicht mehr notwendig ist. Ohne Quote – das merken wir auch bei den Grünen – ist es für die Frauen ein Stück weit schwerer, sich zu engagieren. Das Reißverschlussprinzip wie bei unserer Partei gibt den Frauen auch eine Chance.

Erkennen Sie Unterschiede zu den Männern in der Politik?
Ich merke das auf der Gemeindeebene, dass die Männer alles einfach leichter nehmen. Frauen sind meiner Meinung nach immer besser vorbereitet und nehmen alles viel ernster. Aber bis man eine Frau überzeugt, dass sie gut geeignet wäre für den Gemeinderat, kommen viele Bedenken.

Welche Bedenken sind das beispielsweise?
Oft zweifeln sie an der eigenen Qualifikation. Die Frauen legen sich die Latte eben sehr hoch, wohingegen die Männer die Sache ziemlich unbekümmert angehen. Es ist sehr wichtig, dass Frauen in der Politik sind und meiner Meinung nach sollten viel mehr Frauen der Politik angehören.

Wie wichtig ist Ihnen Gleichberechtigung?
An ihr müssen wir arbeiten. Ziel ist es, vor allem in den ländlichen Regionen zu einer Gleichberechtigung zu kommen, nur der Weg ist leider weit. Ich wünsche mir, wenn ich 80 bin und im Schaukelstuhl sitze, dass wir mindestens so viele Bürgermeisterinnen wie Bürgermeister sowie Gemeinderätinnen wie Gemeinderäte haben, da die Quote dort leider ganz schlecht ist. Es gibt eine ganze gute Studie im Internet namens „Gehen die Frauen, stirbt das Land“ und da geht es genau um die Frauen in eurem Alter, die sich überlegen, was sie nach der Matura machen sollen, und die meisten entscheiden sich für die Stadt, weil man in der Stadt als Frau mehr Freiheit hat. Man kann ganz normal ins Kaffeehaus gehen, sich ganz normal benehmen und hat nicht das Gefühl, beobachtet zu werden, wie am Land. Und aufs Land geht die Frau nur zurück, wenn sie etwas erbt, auf die Eltern schauen muss oder einen Partner findet, der daheim am Land bleiben muss. Die Frauen in den Gemeinden möchten aber auch vertreten sein. Die Männer wissen nicht, welche Bedürfnisse die Frauen haben, dass sie ein möglichst gutes Leben am Land haben.

Was können Frauen ganz besonders gut?
Ich finde, dass überall der weibliche Aspekt wichtig ist, aber auch Dinge wie den weiblichen Hausverstand darf man nicht unterschätzen.

Das Interview führten Denise Koller, Magdalena Neuherz, Jana Seidnitzer, Iris Tieber und Karola Weber.

Steckbrief und Funktionen
Alter: 59 Jahre 
Wohnort: Bad Gleichenberg
Familienstand: geschieden
Beruf: Diplomfachsozialbetreuerin, Sozialarbeiterin
Politische Karriere: Gemeinderätin, Vizebürgermeisterin in Bad Gleichenberg, Bezirkssprecherin der Grünen

Autor:

HLW Feldbach "Reporter mit Klasse" aus Südoststeiermark

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