Interview Mario Kunasek (FPÖ)
"Eine Frauenquote wird’s in der FPÖ nie geben"

Die Jugendlichen der HLW Feldbach interviewten FPÖ-Landesparteiobmann Mario Kunasek.
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EX-Verteidigungsminister Mario Kunasek stellte sich dem Interview der "Reporter mit Klasse". Im Gespräch mit den HLW-Schülerinnen und dem HLW-Schüler erklärte der FPÖ-Landesklubobmann, warum es in der FPÖ keine Frauenquote gibt.

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Die FPÖ ist mit 30 Abgeordneten im Nationalrat und fünf davon sind Frauen, damit ist die FPÖ mit 16,66 Prozent die Partei mit den wenigsten Frauen im Nationalrat. Wieso ist das so?
Weil wir keine Frauenquote haben, sondern bei uns die Erstellung der Listen basisdemokratisch passiert – das heißt, es beginnt in den Gemeinden, dann geht’s weiter mit den Bezirksgruppen, auf die Landesgruppe über und dann letztlich in den Bundesparteivorstand. Bei uns muss sich jeder, egal ob männlich oder weiblich, dieser Abstimmung stellen. Wenn Frauen sich durchsetzen, dann sind‘s jene, die es aus eigener Kraft geschafft haben, und wenn dem nicht so ist, dann eben nicht. Und wir bleiben auch dabei, dass es bei uns keine Quote gibt. Wir wollen eine Gleichberechtigung im besten Sinn, das heißt, die Männer und Frauen müssen das gleiche Prozedere durchlaufen.

Sind Sie für eine verpflichtende Frauenquote? Halten Sie eine Frauenquote generell für sinnvoll?
Nein, das tue ich nicht – und zwar auch deshalb nicht, weil ich auch in meiner Parteigeschichte schon erlebt habe, dass es sehr viele Frauen gibt, die sich engagieren, die aber sagen: „Ich will jetzt keine Mandate haben.“ Die haben Familie und andere Aufgaben und die sagen, sie möchten zum Beispiel nicht in Wien als Abgeordnete sein, aber die sind bei uns und helfen mit. Das sind teilweise auch Gemeinderäte. Aber wenn’s dann richtig darum geht, Frauen quasi zu verpflichten, dann halte ich nichts davon. Also keine Frauenquote! Wird’s in der FPÖ nicht geben.

Weil Sie gerade das Familienleben angesprochen haben, denken Sie, dass eine Führungsposition in einer Partei generell mit der Familie schwer vereinbar ist, vor allem auch für Frauen?
Also ich glaube, dass ist für Männer und Frauen natürlich schwierig. Wenn ich jetzt zum Beispiel meine Zeit als Minister hernehme, wo ich zwei Drittel der Woche sicherlich nicht daheim gewesen bin, sondern irgendwo im Ausland oder in Österreich unterwegs war, dann ist es sicherlich mit der Familie schwer vereinbar. Deshalb ist es auch wichtig, dass es eine Familie gibt, in der man sich gegenseitig unterstützt. Jetzt bin ich Papa geworden von einem kleinen Sohn – er ist vier Monate, also ohne die Mama würde es einfach nicht gehen. Ich glaube, das ist für Männer und Frauen gleich schwierig. Für Frauen natürlich noch mehr, aber wie gesagt, das hängt sicherlich auch davon ab, wo man ist und in welcher Funktion, aber insgesamt sind Politik und Familie nicht immer ganz so leicht unter einen Hut zu bringen.

Denken Sie, dass die eher geringe Frauenquote in der Partei etwas mit dem Ausgang der letzten Wahl zu tun hat?
Nein, das glaube ich nicht, unsere größte Wählergruppe sind schon seit mehreren Jahrzehnten jüngere Männer, ich sage einmal bis 35, und es ist auch bewiesen und sogar wissenschaftlich, dass Frauen nicht unbedingt Frauen wählen, also das Angebot ja, aber dass Frauen Frauen wählen, das ist nicht so. Das heißt man wählt auch als Frau jene Partei oder jenen Spitzenkandidaten, der einem inhaltlich und persönlich am nächsten steht.

Unseres Wissens sind von der FPÖ vier Frauen im Landtag vertreten, was 21,42 Prozente ausmacht. Haben Sie diese Quote beizubehalten oder zu erhöhen?
Also ich bin bemüht und die Partei ist bemüht, dass wir Frauen finden, die bereit sind, sich zu engagieren, und wenn wir die finden und wenn die sich durchsetzen können, dann ist uns jede Frau recht, aber es gibt bei uns auch im Landtagsklub keine Quote. Das heißt, da wird es auch dabei bleiben und jene Frauen, die wir haben, das sind starke Frauen. Die jüngste ist die Liane Moitzi, die schon mit, ich glaube 21 oder 22, im Landtag war und jetzt ist sie 26, die sozusagen mitten im Leben steht und die ältere von den Damen ist die Helga Kügerl, die schon über 60 ist. Sie bring also Lebenserfahrung mit und das sind alles Werte, die man auch braucht, um dann letztlich erfolgreich zu sein.

Denken Sie, dass es Frauen schwerer fällt, sich für eine politische Partei zu verpflichten, die eher rechts der Mitte steht, als einer Partei, die eher im linken Spektrum ist?
Nein, das glaube ich nicht, weil ich glaube, dass gerade junge Frauen den Wunsch haben, irgendwann Familie zu haben, und das zeigen ja auch viele Studien und Umfragen. Junge Menschen wollen ein gutes Berufsfundament haben, eine gute Bildung und Beruf, und dann wollen Frauen, gleich wie Männer natürlich, irgendwann eine Familie gründen. Und für die FPÖ steht die Familie ganz weit oben – auch quasi im politischen Programm. Was man schon merkt, ist, dass je urbaner sozusagen der Mensch ist, also in Graz zum Beispiel, desto größer ist das Problem für uns, Frauen zu finden.

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich in Zusammenarbeit mit Frauen?
Nur sehr gute Erfahrungen! Dort wo Frauen sich politisch engagieren, sind sie sehr ehrgeizig und bringen sicher eine andere Sichtweise ein. Also ich kann über Frauen nur Positives berichten – ganz gleich, wo ich politisch aktiv gewesen bin, ob als Abgeordneter oder als Minister. Ich habe auch immer in meinem Team Frauen gehabt. Auch hier habe ich meine Damen, die sozusagen für uns da sind und eine tolle Arbeit machen. Vor allem ist es mir immer wichtig, dass wir jungen Menschen eine Chance geben. Wir haben um die 50 Mitarbeiter, ich glaube, der älteste von den Mitarbeitern ist der Clubdirektor mit 34, und alle anderen sind, denke ich, unter 30. Die müssen sich beweisen. Und wenn sie fleißig sind, dann haben sie auch alle Möglichkeiten – auch bei uns in der Partei.

Denken Sie, dass wenn Sie auf der Liste Frauen weiter vorne aufstellen, dass sich das bei Ihren Wählern positiv oder negativ auswirken könnte?
Also ich glaube, dass die Auswirkung minimal wäre, man muss da schon auch irgendwo der Realität ins Auge sehen. Wenn man heute einen Steirer fragt „Das sind Landtagswahlen am 24. November. Wie viele von diesen Kandidaten kenne sie?“, dann kennt er im besten Fall den Spitzenkandidaten und da bin ich mir nicht ganz sicher. Wer dann der Zweite oder der Dritte auf der Liste ist, wissen die Wenigsten. Das heißt, es ist Gott sei Dank oder leider so, dass es halt immer einen Spitzenmann oder eine Spitzenfrau gibt. Wir haben ja auch Spitzenkandidatinnen, nämlich die Claudia Klimt-Weithaler von der KPÖ und die Sandra Krautwaschl von den Grünen. Und die kennt man und den Rest kennt man oftmals nicht so. Das ist leider so in Wahrheit. Natürlich, die anderen Kandidaten, die sich bewerben und Wahlkampf machen, hätten es sich auch verdient, wahrgenommen zu werden.

In vielen Parteien wird das Reißverschlussprinzip angewendet. Wir gehen jetzt einmal davon aus, dass das in Ihrer Partei nicht der Fall sein wird.
Stimmt, und das wir auch in der Zukunft nicht der Fall sein.

Von Marc-André Zölzer, Anja Zieser, Kathi Weisch, Karo Payerl und Julia Lipp 

Autor:

HLW Feldbach "Reporter mit Klasse" aus Südoststeiermark

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