Frauen: Front der Ablehnung in der Südoststeiermark

Bündnis für Frauen und Familien: Agnes Puntigam, Ulrike Gärtner Cornelia Schweiner und Bettina Öttl (v.l.).
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  • hochgeladen von Heimo Potzinger

Das Paket zur Arbeitszeitflexibilisierung ist beschlossene Sache. Dem Gesetz, das den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche möglich macht und legitimiert, stimmten ÖVP, FPÖ und NEOS im Parlament zu. Opposition und Gewerkschaft drohen mit Protest, Aktionismus und sogar Streik. Aus der Region wird der Ruf nach Zurücknahme des Beschlusses laut. Abgeordnete Cornelia Schweiner: "Ein Gesetz kann man auch ändern und widerrufen."
Spätestens seit Bekanntwerden des frühzeitigen Inkrafttretens bereits am 1. September gewinnt der Vorwurf, die Regierung würde die Novelle des Arbeitszeitgesetzes durchdrücken, an Brisanz und Plausibilität. Gerade dieser Alleingang von Regierung und Wirtschaft im Eiltempo – "ohne gesetzliche Begutachtung", wie Abgeordnete Cornelia Schweiner moniert – stößt der Frauen- und Familienlobby im Bezirk Südoststeiermark übel auf.
Zur Novelle: Prinzipiell sollen 8-Stunden-Tag und 40-Stunden-Woche als Normalarbeitszeit bestehen bleiben, die mögliche Maximalarbeitszeit erfährt allerdings eine Ausweitung. Dabei handle es sich lediglich um eine gesetzliche Etablierung dessen, was ohnehin schon Realität sei, argumentieren Regierungsvertreter. Gleichzeitig betonen ÖVP und FPÖ die Freiwilligkeit.

"Angriff auf die Familie"

Frauenvertreterinnen sehen in der Arbeitszeitflexibilisierung einen "Angriff auf die Familie". Schweiner: "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird dadurch ganz eindeutig verschlechtert." In der Region seien beispielsweise die Tischler betroffen. In Spitzenzeiten etwa vor Weihnachten könnten sich die Betriebe unter dem Wettbewerbsdruck vermehrt zur Anordnung von Überstunden veranlasst sehen. "Kein Unternehmer muss sich mehr mit dem Betriebsrat absprechen." Die SPÖ-Abgeordnete hat daher mit den Vertreterinnen von Innova, Eltern-Kind-Zentrum und Kinderfreunden ein "Bündnis für Familien und Kinder in der Region" geschlossen.

"Druck auf Frauen wächst"

Ulrike Gärtner von der Frauen- und Mädchenberatung Innova in Feldbach sieht die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte in Gefahr. "Wegen des großen Drucks auf dem Arbeitsmarkt haben Frauen aufgrund ihrer vielfältigen familiären Verpflichtungen weniger Spielraum als Männer." Frauen würden jetzt noch weiter aus dem Erwerbsleben gedrückt. Gärtners Schlussfolgerung: Die Einkommensschere werde noch weiter auseinanderklaffen.

"Wertvolle Zeit geht verloren"

Agnes Puntigam von den Kinderfreunden – sie ist auch Gemeinderätin in Feldbach – sieht Schwierigkeiten in der Kinderbetreuung auf Familien zukommen. Das Angebot im Bezirk sei nicht auf flexible Arbeitszeiten abgestimmt, woraus sich erneut Nachteile für Frauen am Arbeitsmarkt ergeben würden. Für Bettina Öttl vom Eltern-Kind-Zentrum "Region Radkersburg" verlieren die Bedürfnisse der Familien weiter an Stellenwert. Dabei: "Familien brauchen Zeit füreinander und miteinander."

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