Interview Martin Weber (SPÖ)
"In der Zähigkeit sind Frauen uns Männern um einiges voraus"

Die HLW-Reporter im Gespräch mit Bundesrat Bgm. Martin Weber.
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Martin Weber ist Bundesrat und Bürgermeister der Gemeinde Tieschen. Im Interview bricht der SPÖ-Politiker eine Lanze für die Frauen.

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Sind Sie für eine Frauenquote in der Politik?
Ja, ich bin dafür. Die SPÖ hat schon lange ein Parteistatut aus mindestens 40 Prozent Frauenquote und das ist auch wichtig, weil ohne Druck und Verpflichtung wären wir dort nie hingekommen. Die SPÖ, meine politische Heimat, ist mit einer Frauenquote von 48 Prozent vertreten, dagegen die Freiheitlichen nur mit 16 Prozent. In der Gesellschaft sind ja auch knapp 51 Prozent Frauen und so sollte sich die Aufteilung zwischen Mann und Frau auch in der Politik widerspiegeln.

Hat sich in den letzten 20 Jahren die Frauenquote in Ihren Augen stark verändert?
Ja, auf jeden Fall! Man kann ja auch im Internet abrufen, dass zu Beginn der Republik eine Frau im Parlament eher ein Einzelfall war. Durch Druck der Öffentlichkeit und Frauenrechtlerinnen hat es sich dann dahin verändert, dass Frauen in den Entscheidungsgremien auch vertreten und in der Politik gleichberechtigt sind.

Wo sehen Sie die größten Vorteile, wenn mehr Frauen in der Politik vertreten sind?
Für mich als Bürgermeister ist es ein Auftrag, dass sich die Aufteilung der Gesellschaft in der Politik widerspiegelt. Ein Vorteil generell wäre zum Beispiel, dass Frauen in der Zähigkeit uns Männern um einiges voraus sind. Sie beleben auch die Diskussion und alle Entscheidungsgremien, und es kommt auch eine andere Sichtweise hinein.

Glauben Sie, dass sich Parteien wie z.B. die FPÖ in den nächsten Jahren ändern werden?
Glaube ich nicht! Solange sie gewählt werden, werden sie sich nicht ändern. Es ist nur erschreckend, dass Burschenschaften in einem ganz bestimmten politischen Eck wiederzufinden sind. Und wenn mehr Burschenschaften als Frauen vertreten sind, dann sagt das auch einiges über deren Gesellschaftsbild aus. 16 Prozent Frauenanteil im Freiheitlichen Parlamentsclub ist in Wahrheit eine Schande für Österreich und im Speziellen für diese Partei.

Glauben Sie, dass, wenn mehr Frauen in der Partei vertreten sind, auch menschlichere Entscheidungen getroffen werden und im Speziellen auch für alleinerziehende Frauen?
Das glaube ich auf alle Fälle! Ich merke es auch im Gemeinderat, wenn wir frauenspezifische Themen diskutieren, dass ein Mann diese Sichtweise nicht mitbringt. In Tieschen war schon einmal ein Drittel der Positionen von Frauen besetzt. Ich habe bemerkt, wie sich die Richtung der Diskussionen verändert hat und Themen auch lebensnaher diskutiert wurden.

Bei der letzten Nationalratswahl befand sich Pamela Rendi-Wagner an der Spitzenposition der SPÖ. Glauben Sie, dass das Stimmen gebracht oder gekostet hat?
Meine persönliche Meinung ist, dass Frauen sich teilweise schwerer tun, Frauen zu wählen. Man meint ja oft als Treppenwitz, dass dies oft der Neid ist bzw. dass Frauen anderen Frauen keinen Erfolg gönnen. Ich merke es auch im persönlichen Umfeld, dass eine Frau eine Frau kritischer betrachtet, als ein Mann einen Mann. Und ich bin auch davon auch überzeugt, dass Frauen andere Frauen kritischer bewerten.

Glauben Sie, dass eine Frau weniger ernst genommen wird als ein Mann?
Das glaube ich nicht! Egal ob Frau oder Mann – man würde nicht in den Nationalrat kommen, ohne dass er oder sie kompetent ist. Und allein deswegen glaube ich, dass es da keinen Unterschied gibt. Allein wegen des Geschlechts wird man nicht mehr oder weniger ernst genommen.

Warum glauben Sie, dass es bei uns in der Steiermark so wenig Bürgermeisterinnen gibt?
Im kommenden März ist wieder Gemeinderatswahl und da möchte ich in meiner Gemeinde und natürlich besonders in meiner Fraktion den Anteil der Frauen anheben. Bei uns in der Region sind immer noch der Haushalt und die Familie mehrheitlich ein Frauenthema. Wenn dann noch ein 40-Stunden-Beruf dazu kommt, ist es schwierig, den Verein und die Gemeinde auch noch unterzubringen. Für eine angehende Gemeinderätin ist also eine doppelte Belastung vorhanden.

Glauben Sie, dass sich Frauen generell weniger für die Politik interessieren?
Nein, das glaube ich nicht, und ich hoffe auch, dass das tatsächlich nicht so ist. Vielleicht bekommen sie weniger Chancen, Verantwortung zu übernehmen oder in den Gemeinderat gewählt zu werden, und vielleicht sind auch die Rahmenbedingungen schwieriger für Frauen als für Männer.

Das Interview führten Sebastian Ebner, Miriam Hirschmugl, Anna Huber, Katharina Reißenbüchel und Johanna Riedler.

Steckbrief und Funktionen:
- Geboren: 19. März 1971 
- Bürgermeister seit: April 2000 (Tieschen)
- Bundesrat seit: Juni 2015
- Ehrenamtlicher Präsident des Zivilschutzverbandes Steiermark seit 2014
- Bundes- und Landesvorstandsmitglied im Gemeindevertreterverband in Wien und Graz seit 2000

Autor:

HLW Feldbach "Reporter mit Klasse" aus Südoststeiermark

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