Interviews und Umfrage
Betriebsspionage explizit erlaubt

Edmund Hacker, Lieselotte Puntigam, Mathias Danner (v.l.).
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  • Edmund Hacker, Lieselotte Puntigam, Mathias Danner (v.l.).
  • Foto: AMS
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125 Branchenkollegen aus sechs Betrieben stecken jetzt in der Region die Köpfe zusammen.
Das Vulkanland mit 31 Gemeinden ist weithin bekannt für seine hohe Kooperationskultur. Manufakturen und Betriebe bündeln speziell im Handwerk und in der Kulinarik, die Steckenpferde der Region, ihre Stärken und Kräfte. Auch in der Forschung stecken die Unternehmer unter einer Decke. Jetzt machen sechs regionale Betriebe mit Hunderten Beschäftigten auch noch in der Ausbildung gemeinsame Sache. 124 Mitarbeiter drücken die Schulbank. Thema ist, was sonst in Zeiten von Homeoffice, die Digitalisierung.
Die Südoststeiermark ist die Heimat der sogenannten gläsernen Manufakturen. Hierzulande lässt man Einheimische und Touristen hinter die Kulissen schauen. Das Handwerk wird begreifbar gemacht, so die Intention und Vermarktungsidee dahinter. Aber: Auch von den Blicken der Mitbewerber fühlen sich Südoststeirer alles andere als verfolgt.

Steirerkren und Zotter dabei

Der Cluster "Technologie und Handwerk" mit elf Mitgliedern und jener der Lebensmitteltechnologie mit mehr als zwei Dutzend Betrieben machen das Vulkanland zu einem einzigen Kompetenzraum. Aus zweiterem hat sich in der Nahrungs- und Genussmittelbranche ein Ausbildungsnetzwerk herauskristallisiert. Der Geflügelhof Lugitsch in Gniebing, die für ihren Steirerkren berühmten Feldbacher Fruit Partners, die Schokoladenmanufaktur Zotter, die Zotter-Holding, der Landwirteverbund Nest-Eier mit Sitz in Ilz und Snack & Back in Feldbach haben im Jänner eine Initiative zur Qualifizierung ihrer Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung gestartet.

Neue Betriebe willkommen

Bis 16. Juni läuft das Programm mit 13 Schulungen. Das Angebot, die Seminarteilnahme ist freiwillig, reicht von Softskills-Training bis hin zu Ausbildung in Logistikprogrammen. Der Digitalisierungsverbund, im Übrigen der erste und einzige der Steiermark, wird vom AMS und von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) mitfinanziert.
"Es überwiegen eindeutig die Synergieeffekte!" Verbund-Sprecher Mathias Danner, kaufmännischer Leiter bei Lugitsch, zerstreut jeglichen Zweifel an der Kooperation. Von "Betriebsspionage" kann keine Rede sein, "weitere Unternehmen sind willkommen". Auch Feldbachs AMS-Leiterin Lieselotte Puntigam kann dem Verbund nur Positives abgewinnen: "Es geht um Ausbau von Know-how und Wertschöpfung in der Region und um Sicherung von Arbeitsplätzen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem betriebsinternen Schulungsprogramm und damit verbunden den Aufstiegsmöglichkeiten in Ihrem Betrieb?
Lieselotte Puntigam, AMS Feldbach

Interview mit Lieselotte Puntigam

Leiterin AMS Südoststeiermark

WOCHE: Was sind die Vorteile von Qualifizierungsverbünden?
LIESELOTTE PUNTIGAM: Qualifizierungsverbünde sind ein erfolgsversprechendes Modell, um Beschäftigte höher zu qualifizieren und so Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Arbeitsprozesse zu unterstützen.

Warum ist die Ausbildung in Sachen Digitalisierung so wichtig?
Speziell das Thema Digitalisierung hat in der jetzigen Situation für viele Betriebe hohe Priorität. Für die Wirtschaft führt kein Weg daran dabei, denn Wettbewerbsfähigkeit hängt oft stark von digitalen Entwicklungen in den Unternehmen ab.

Wie profitieren die Betriebe, wie die Region?
Digitalisierung ist ein enorm weites Feld und hat Einzug in nahezu allen Lebens- und Wirtschaftsbereiche genommen. Ob es nun darum geht, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten oder um innovative Kommunikationskanäle für Kunden zu entwickeln, letztendlich geht es um den Ausbau von Know-how in der Region und damit um die Steigerung der Wertschöpfung und Sicherheit von Arbeitsplätzen in der Zukunft.

Worin werden die Mitarbeiter geschult?
Das Angebot umfasst Soft Skills wie Kommunikation in Stresssituationen, Zeit- und Stressmanagement, Englisch oder auch EDV-Systeme und spezielle Programme.

Welche Mitarbeiter werden gefördert?
Gefördert wird der Verbund zur einen Hälfte vom AMS und zur anderen von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Das AMS fördert Männer über 45 Jahren. Bei den Frauen spielt das Alter keine Rolle, sie dürfen aber nur eine mittlere Ausbildung haben. Von den 124 Teilnehmern werden 92 gefördert. Geschäftsführer und Lehrlinge fallen nicht in das Programm.

Mathias Danner, Lugitsch u. Söhne
  • Mathias Danner, Lugitsch u. Söhne
  • Foto: www.h.lugitsch.at
  • hochgeladen von Heimo Potzinger

Interview mit Mathias Danner

Kaufmännischer Leiter "Herbert Lugitsch und Söhne"

WOCHE: Sie sind Sprecher des Verbundes – ist die Initiative gut angekommen?
MATHIAS DANNER: Der Verbund ist ein sehr gutes Beispiel für den Digitalisierungstrend. Sowohl für Besprechungen als auch für die Schulungen der Mitarbeiter werden bereits verschiedene digitale Kanäle genutzt.

Welche sechs Betriebe sind im Digitalisierungsverbund zusammengeschlossen?
Herbert Lugitsch u. Söhne Ges.mbH, Feldbacher Fruit Partners GmbH, Zotter Schokoladen Manufaktur GmbH, Nest-Eier Handelsgesellschaft m.b.H. Nfg. & Co KG, Snack & Back CP GmbH, Zotter Holding GmbH & Co KG.

Ist der Verbund vergleichbar mit dem Cluster für Lebensmitteltechnologie?
Im Digitalisierungsverbund werden Qualifizierungsmaßnahmen geplant und durchgeführt. Der Cluster für Lebensmitteltechnologie hat sich hier weitreichendere Ziele gesetzt.

Was hatten die ersten Seminare zum Inhalt?
Beispielsweise Microsoft 365, BMD Business Software und ERP-Systeme.

Wie ist es konkret zu den sechs Betrieben gekommen. Können noch weitere dazustoßen?
Das Arbeitsmarktservice hat ursprünglich den Qualifizierungsverbund initiiert. Ja, es können gerne weitere Unternehmen dazustoßen.

Wie geht es den Betrieben in Zeiten der Pandemie. Mit welchen speziellen Herausforderungen sehen Sie die Branche konfrontiert?
Die aktuelle Situation stellt sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter vor völlig neue Herausforderungen. Hier gilt es, Konzepte zur Digitalisierung – sprich Homeoffice, papierloses Büro, Videokonferenzen etc. – zu prüfen und wenn möglich umzusetzen.


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