30.08.2016, 15:14 Uhr

Schloss Hainfeld ist Sperrgebiet

Das geschichtsträchtige Schloss Hainfeld in Leitersdorf ist auf unbestimmte Zeit von der Öffentlichkeit abgeschottet. (Foto: KK)

Seit 2014 ist Schloss Hainfeld für die Öffentlichkeit tabu – und dabei bleibt es.

Das Schloss sei in Privatbesitz, eine öffentliche Nutzung sei nicht angedacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger ließ der neue Eigentümer von Schloss Hainfeld durch den Ortsteilbürgermeister von Leitersdorf, Christoph Langer, ausrichten. Mit der Presse wolle die Dame, die in Verbindung mit einer Wiener Immobiliengruppe steht und im Schloss wohnt, nicht sprechen.
Die Zeiten der kulinarischen Abende im idyllischen Arkadenhof und der kulturellen Begegnungen bei Vernissagen und Ausstellungen – wie von Vorbesitzerin Annabella Dietz noch forciert – gehören damit der Vergangenheit an.
Der Philologe und Literaturwissenschaftler Wolfgang Pietsch beschäftigt sich seit Jahren mit Schloss Hainfeld und dem literarischen Werk seines berühmtesten Bewohners, Joseph von Hammer-Purgstall. Gemeinsam mit dem Feldbacher Historiker Rudolf Grasmug arbeitet er an einem Hammer-Purgstall-Gedenkweg, dessen Endstation das Schloss hätte bilden sollen. "Leider hat mir der neue Eigentümer eine kurze und bündige Absage erteilt," gibt sich Pietsch enttäuscht. Auch die Besichtigung des einzigartigen Innenhofes sei ihm verwehrt worden, ganz zu schweigen von der Schlossbibliothek mit ihren wertvollen literarischen Schätzen. "Das ist ein gewaltiger Verlust, an dem auch das Land Steiermark und die Republik Schuld tragen", äußert Pietsch Kritik.
Annabella Dietz musste das Schloss aufgrund des beträchtlichen finanziellen Erhaltungsaufwandes 2014 verkaufen.

Keine Rettungsversuche

Dass es seitens der Politik keinen Rettungsversuch gab, weiß auch der damals amtierende Leitersdorfer Bürgermeister Andreas Rinder. "Das Land zeigte kein Interesse an einem Kauf." Auf Vorschlag Rinders sei im Zuge der Gemeindestrukturreform der Erwerb des Schlosses durch die Gemeinde Feldbach diskutiert worden, jedoch habe auch hier das Geld für den Erhalt des Gebäudes gefehlt. "Da hatten wir andere Baustellen. Und ehrlich gesagt hat niemand damit gerechnet, dass sich so schnell ein Käufer findet."

Sanierung unter Aufsicht

Zumindest ein positiver Aspekt kann der Sache abgewonnen werden: Der nunmehrige Eigentümer scheint in der Lage zu sein, das stark sanierungsbedürftige Kulturgut zu erhalten. "Derzeit finden unter der Aufsicht des Bundesdenkmalamtes umfassende Sanierungsarbeiten statt," bestätigt Christian Brugger vom Bundesdenkmalamt, Abteilung Steiermark. Den Ausschluss der Öffentlichkeit beurteilt Brugger aber als problematisch, "weil das Schloss für die steirische Regionalgeschichte enorm bedeutend ist."
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