Reise von zwei Heiligen nach Telfs: Die Geschichte der Reliquien der Heiligen Lea und der Heiligen Vincentia

Dekan Peter Scheiring und Peter Larcher mit der Urkunde, in dem der Generalobere des Jesuitenordens Claudius Aquaviva die Echtheit der Gebeine bekräftigt. Bei der Aufhebung des Damenstifts in Hall im Jahr 1786 erwarben die Pfarre Telfs die Reliquien und ü
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  • Dekan Peter Scheiring und Peter Larcher mit der Urkunde, in dem der Generalobere des Jesuitenordens Claudius Aquaviva die Echtheit der Gebeine bekräftigt. Bei der Aufhebung des Damenstifts in Hall im Jahr 1786 erwarben die Pfarre Telfs die Reliquien und ü
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TELFS. Zwei „Heilige Leiber“ waren Jahrzehnte am Dachboden des Telfer Widums gelagert und vergessen. Dorthin kamen sie 1971, als die Pfarrkirche restauriert wurde. Früher waren die Reliquien in den Seitenaltären der Kirche ausgestellt.
Vor einem Jahr wurde das Widum saniert, und dafür musste das Gebäude geräumt werden. Da machte Peter Larcher, Obmann der Sebastianigemeinschaft, die große Entdeckung: Zwei goldene Schreine standen plötzlich da, in ihnen die Gebeinde von zwei Heiligen, wie sich herausgestellt hat, sind es jene der Heiligen Lea und der Heiligen Vincentia. Eine Urkunde im Pfarrarchiv bezeugt die Echtheit. „Die Reliquien wurden 1613 aus Rom geholt“, erklärt Dekan Peter Scheiring. Die Sebastianigemeinschaft ließ die wiederentdeckten Reliquien von der Firma Schletterer in Telfs restaurieren und für die heurige Sebastianifeier (20.1.) in der Pfarrkirche aufstellen. Peter Larcher ist froh: „Wir haben sie auch extra gesichert, auch vor Reliquien machen Diebe nicht Halt“, will Peter Larcher, dass die beiden Reliquien nicht wieder verschwinden.

Aufzeichnungen über die Wallfahrt nach Rom

Im Pfarrarchiv Telfs befindet eine Original-Handschrift von Dr. Hippolytus Guarinoni über dessen Wallfahrt nach Rom aus dem Jahre 1613, um die hl. Leiber der Lea und Vincentia nach Tirol zu bringen.
P. Cölestin Stampfer OFM verfasste zu diesem Codex einen Auszug - hier eine kurze Zusammenfassung des Reiseberichtes:

Reisebericht des Dr. Hippolytus Guarinoni um 1613

Dr. Hippolytus Guarinoni, ein Arzt, Gelehrter, Schriftsteller und begeisterter Katholik, geboren 1571 in Trient, kam 1607 als Leibarzt der Erzherzoginnen Maria Christierna und Leonora von Steiermark in das königl. Damenstift in Hall, wo er bis zu seinem Tod 1654 blieb.
Der eifrige Schriftsteller beschrieb u.a. auch seine Reise 1613 in Begleitung u.a. vom Stiftskaplan, Stadtpfarrer, Stiftsprior nach Rom zur Erlangung der heiligen Leiber der Jungfrauen und Märtyrerinnen. Am 11. Februar 1613 brach die Haller Gesellschaft auf, über Innsbruck (Stift Wilten). Er schrieb: „waren die Pursch alle Lustig, und der Herr Pfahrer, welcher das starkhe laufen auf den Wald gewohnt und etliche andern die fiengen an zu schieben und zu Eilen, als wan sie gleich selbigen Abent zu Rom einreithen wollten (...) ich und mein gespann haben uns vorgenomben nach Rom zu gehen und dabey bleiben wir, wer mit uns will, der geh hinter uns, dan ich will und soll fiehrer seyn, damit nit einer da, der andere dorth hinten bleib“. Eine abenteuerliche Reise mit vielen sonderbaren Begegnungen in Italien begann. Am Aschermittwoch erreichten die Pilger Verona. Es war mittlerweile Fastenzeit. Die Tiroler gelangten in Mantua in ein Gasthaus, wo sie fürstlich bedient wurden: Der Wirt meinte, dass da ein Herr mit seinen Dienern angekommen war. Alle fürchteten eine hohe Rechnung - aber: „Jeder Herr wird zwey Pfundt zolen, nemblich 24 kr.“ Als die Pilger diese unerwartete Rechnung hörten, reute es sie, dass sie „nicht wacker und ohne Sorge gegessen und getrunken hatten.“ Der Herr Pfarrer sprach: „Auss diesen wirths Haus kombe ich nit, biss ich nicht mein leid einpringe. Erst will ich lustig seyn, weil ich weiss umb was ich Essen thue.“ Sie bleiben also den Vormittag in Mantua.

Ankunft in Rom

Viele Reisetage später kamen sie endlich in Rom an, um die Reliquien zu empfangen. Guarinoni wurde allein von den Pilgern zur Audienz bei dem General Aquaviva vorgelassen. Da brachte er nun seine Bitte im Namen des königl. Damenstiftes vor. „Der Herr General entgegnete, dass es sehr schwer sei, heilige Leiber zu erlangen; aber aus ganz besonderem Danke und mit vorzüglicher Verehrung zu den beiden Erzherzoginnen wolle er die in der Gruft dr hl. Priscilla aufgefundenen hl. Leiber, statt sie nach China zu schicken, den beiden Erzherzoginnen für das Haller Damenstift überlassen.“ In der Collegiums-Kapelle waren die für sie bestimmten hl. Leiber der beide Jungfrauen, welche den Matyrtod erlitten aufbewahrt: Vincentia V. M. und Lea V. M. Nach Ostern traten die Pilger die Heimreise an, vorher wurden sie noch zu einer Audienz bei Sr. Heiligkeit Papst Paul V. vorgelassen.

Rückreise und Verehrung der "Heiligen Leiber"

Ein Bürger von Hall, der Wagen und Pferd besaß, reiste mit den Pilgern und der wertvollen Fracht, sorgsam in Körben verpackt, am 24. April zurück nach Tirol. Die hl. Reliquien wurden dann im Stift Wilten hinterlegt, von wo sie am Pfingstmontag (25. Mai) feierlich abgeholt wurden. Die Reliquien der beiden hl. Jungfrauen wurden künstlich zusammengefügt und schmuckvoll geziert, und in der königl. Stiftskirche zur Verehrung ausgestellt.
Nach der Aufhebung des Damenstiftes wurden die hl. Leiber am 16. April 1786 mit pompöser Feierlichkeit nach Telfs übertragen.

Autor:

Georg Larcher aus Telfs

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