Großaufgebot an Einsatzkräften in Südtiroler Siedlung - mit VIDEO
100 Katastrophenhelfer übten im Großraum Telfs

Erdbeben erschütterte Telfs, in der Südtiroler Siedlung musste wieder Ordnung ins Chaos gebracht werden, damit die Verletzten geborgen und versorgt werden konnten.
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  • Erdbeben erschütterte Telfs, in der Südtiroler Siedlung musste wieder Ordnung ins Chaos gebracht werden, damit die Verletzten geborgen und versorgt werden konnten.
  • hochgeladen von Georg Larcher

TELFS. Menschen schreien aus teilweise eingestürzten Häusern, manche liegen blutüberströmt auf Schutthalden, stöhnen oder rühren sich nicht mehr, andere irren herum: Ein Bild des Schreckens bot sich den heraneilenden Einsatzkräften von Feuerwehr und Rotes Kreuz Sonntag-Früh in der Südtiroler Siedlung in Telfs. Bald war klar: Es müssen weitere Einsatzkräfte alarmiert werden, darunter die Katastrophenhelfer des Roten Kreuzes ...
Um sie ging es bei der Großübung: 100 Katastrophenhelferinnen und -helfer lernten am Wochenende mit der Situation umzugehen, im Stress korrekt zu handeln und zu arbeiten.

Nach einem Erdbeben herrscht der Ausnahmezustand, die Infrastruktur ist nur begrenzt nutzbar, eine große Herausforderung für die Helfer, auch für die zahlreichen Statisten, die real geschminkt und hergerichtet verschiedenes Verletzungen und missliche Lagen simulierten, um es den Rettern nicht einfach zu machen.

Katastrophen-Einsatzseminar

Das Katastrophen-Einsatzseminar des Roten Kreuzes Tirol gastierte vergangenen Samstag und Sonntag im Großraum Telfs. Realistische Szenarien wie Hauseinstürze, simuliert in Abrissgebäuden, Verschüttungen von Personen und Fahrzeugen sowie Zugunglücke wurden realitätsnah beübt. Beim Sportplatz in Pettnau wurde das große Lager der Rot-Kreuz-Helfer aufgebaut, von hier aus starteten am Wochenende die Einsatzgruppen zu den verschiedenen Schauplätzen.

Neun realistische Szenarien - viele Nebenschauplätze

"Die Szenarien reichen vom Zugunfall über eine verschüttete Wandergruppe, Evakuierungen nach Gefahrgutunfall oder einem Brückeneinsturz bis hin zum teilweisen Einsturz eines gesamten Gebäudekomplexes. Nebenbei werden für verschiedene Einheiten des Roten Kreuzes, wie die Suchhunden oder den Suchdienst, weitere Szenarien eingespielt, um auch diese wichtigen Bereiche zu beüben", so Übungsleiter Martin Dablander.
Erstmals wurde der Suchdienst des Roten Kreuzes Tirol in die Übung eingebunden. Dieser unterstützt Menschen, die aufgrund von Katastrophen, bewaffneten Konflikten oder Migration voneinander getrennt wurden, bei der Wiederherstellung des Kontaktes mit ihren Angehörigen.

Zusammenarbeit der Einsatzorganisationen

Um Großereignisse erfolgreich bewältigen zu können, bedarf es einer ausgezeichneten Zusammenarbeit aller Blaulichtorganisationen erklärt Landesrettungskommandant Oswald Gritsch: "Freiwillige Feuerwehren, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser Hilfsdienst und Rotes Kreuz müssen Hand in Hand arbeiten - nur gemeinsam sind wir stark. Handgriffe müssen sitzen, die Kommunikation untereinander ist ebenfalls äußerst wichtig." Durch Großübungen kann die Zusammenarbeit trainiert und verbessert, Probleme in der Kommunikation angesprochen und behoben werden.

VIDEO von der Katastrophenhelfer-Übung am Sonntag in der Südtiroler Siedlung in Telfs:

Hilfe kennt keine Grenzen

Bezirksrettungskommandant von Telfs, Siegfried Schwaiger, über die Personalsituation im Großschadensfall: "Katastrophenhilfe kennt keine Grenzen. Auch Mitglieder der Organisationen sind selbst von diesen betroffen - man ist auf Hilfe aus der Nachbarschaft angewiesen. Im Roten Kreuz wurden dafür einheitliche Standards geschaffen, die jede Helferin und jeder Helfer für den Katastrophenfall kennt. Somit kann das Personal aus anderen Bezirken und Bundesländern problemlos eingesetzt werden."

Einsätze über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus sind für das Österreichische Rote Kreuz selbstverständlich. Oftmals sind längere Betreuungseinsätze nach Großereignissen notwendig. "Dafür muss eine entsprechende Menge an geschultem Personal vorhanden sein, um die Kolleginnen und Kollegen entsprechend abtauschen zu können. Niemand bleibt über mehrere Tage hinweg durchgehend einsatzfähig. Viele lokale Kräfte sind mit der Bewältigung der eigenen Situation beschäftigt", erklärt Schwaiger.

Vier neue Einsatzleiter

Nach dem Abschluss der theoretischen Ausbildung wurden im Zuge der Übung auch angehende Einsatzleiter einer praktischen Prüfung unterzogen. Alle meisterten ihre Prüfung mit Erfolg. Der Einsatzleiter kümmert sich bei größeren Einsätzen um den Ablauf und entlastet die SanitäterInnen bei der Kommunikation mit anderen Organisationen.

Das Rote Kreuz Tirol bedankt sich
bei allen Beteiligten. Befreundete Organisationen, Helfer, Darsteller, Küche... - alle trugen zum Funktionieren einer solchen Großübung bei. Ein großes Dankeschön auch an die Firmen im Großraum Telfs für die Zusammenarbeit.

Zahlen/Daten/Fakten:
Folgende Szenarien wurden beübt:

Zugunfall (2x)
Ein Personenzug verunfallte aufgrund eines Erdbebens durch eine Notbremsung die wegen eines Einsturzes im Tunnel notwendig war.

Wandergruppe mit Verschütteten und Abgestürzten
Eine Wandergruppe geht vom Pollingberg hinunter und wird durch einen Erdrutsch, ausgelöst durch ein Beben verschüttet bzw. verletzt.

Hotelevakuierung
Aufgrund eines Erdbebens ist die Substanz eines Hotelbetriebs nicht mehr sicher und die Gäste müssen evakuiert und registriert werden.

Fahrzeugabsturz
Zwei Fahrzeuge, von der Peter Anich Hütte in Rietz kommend, weichen einem Traktor aus und stürzen ab. Ein Traktor mit Holzanhänger weicht aus und Holzstämme fallen herunter.

Brückeneinsturz
Eine Brücke stürzt ein und begräbt mehrere Personen unter sich.

Explosion im Camp
Im Camp kommt es zu einer Explosion (simuliert) - das Camp in Pettnau am Sportplatz muss evakuiert werden, die Feuerwehr löscht das entstandene Feuer. 1 Person wird verletzt, 2 Personen sind abgängig und werden von den Suchhunden gesucht.

Gefahrgutunfall
Bei einer Firma kommt es auf Grund der Erschütterungen durch ein Nachbeben zum Austritt von Ammoniak aus einer Kühlanlage.

Einsturz Festzelt

Ein Festzelt bricht zusammen und begräbt die Besucher, einige entkommen.

Südtirolersiedlung Telfs
Gebäudeteile stürzen nach einem Beben ein. Nach erster Meldung ist unklar, wie viele Personen betroffen sind.

Zahlen

ca. 100 neu ausgebildete KatastrophenhelferInnen
180 Figuranten, teilweise mehrfach eingesetzt
270 verschiedene "Rollen" die gespielt wurden
60 bis 70 Rotkreuz-Mitarbeiter im Kommando, Führungskräfte, Schminker etc.
9 Szenarien
24 Stunden Einsatzdauer
Übernachtung im Camp

Am Sonntag wurde das Camp in Pettnau abgebaut, die Übung wurde gegen 14:30 beendet.
Das Rote Kreuz bedankt sich für das Engagement aller Mitwirkenden!

Autor:

Georg Larcher aus Telfs

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