Am eigenen Leib: Von der Hitze in die "Hitzen"

Der BEZIRKSBLÄTTER-Redakteur darf unter Anleitung des Regisseurs den Stuhl richtig platzieren.
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TELFS. "Vorsicht heiß!" ... werben die Tiroler Volksschauspiele für die Uraufführung von "Fliegende Hitzen" unter der Regie von Klaus Rohrmoser, das Stück über den Tiroler Frauenmörder Guido Zingerle. Im Rathaussaal wird seit fünf Tagen geprobt, erzählt mir der Regisseur vorigen Dienstag bei unserem Treffen vor dem Saal. Leise schleiche ich in den dunklen, kühl temperierten Saal - auch wenn es nur eine Probe ist: Konzentration und Spannung liegen in der Luft! Gerade wird Zingerles erster Auftritt vor Gericht gespielt. Es war 1951 in Bozen, als Zingerle aussagte, die Hitze versetze ihn in Trance und habe ihn zum Mörder gemacht, er selbst kann nichts dafür.
Draußen ist es heiß – in Innsbruck fällt der Temperaturrekord: 38°C! So heiß war es nicht, als Zingerle Frauen vergewaltigte, ermorderte.

Ein Stück von Lorenz Gutmann und Veronika Eberl

"Es ist Hochspannung - Licht! - Zuschauer sind da, auch ein Reporter von den BEZIRKSBLÄTTERN - Blitzlichtgewitter", ruft der im dunkeln sitzende Regisseur in Richtung hell erleuchtete Bühne, wo die Darsteller die Anweisungen aufnehmen.
Lorenz Gutmann und Veronika Eberl haben das vor rund 70 Jahren Geschehene in Worte gefasst. Nach dieser Vorlage konstruierte Bühnenarchitekt Charly Steck eine Bühne, Gemeindemitarbeiter haben seit Juni die Kulisse in den Rathaussaal eingepasst. Es sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag. Regisseur Rohrmoser verschafft dem Kriegsschauplatz den letzten Schliff, sagt, wo noch was hingehört und wer in welcher Szene wo stehen, kommen und abgehen muss.

Täglich Proben im Rathaussaal in Telfs

Täglich außer Sonntag wird bis zu 7 Stunden geprobt, bis zur Premiere sind es sechs Probe-Wochen. Zwei Wochen vorher hat Zingerle-Darsteller Hannes Perkmann den Text auswendig gelernt, sich die Aussprache des Mörders "einverleibt", wie er mir erzählt. "Ich bin zufrieden mit meinem Team", verrät mir Rohrmoser. Dann ruft er in Richtung Bühne die Regieanweisung für Gutmann: "Du kannst schon früher losgehen, der Weg ist weit ... bitte nochmal." Plötzlich wird diskutiert: Für Rohrmoser kommen die Charaktere der Dargestellten zu wenig heraus: "Diese Feinheit, dass er einen Witz macht, muss man als Zuschauer auch mitbekommen", geht es dem Regisseur um kleinste Nuancen: "Ich brauche eine klare Position. Ich weiß nicht wer da für wen ist." Die Szene wird nochmal gespielt. In der nächsten Pause frage ich den Regisseur, worauf er heute sein Augenmerk legt: "Um die Organisation der Szenen geht es heute, die Logistik, wie der ganze Abend funktioniert, auch hinter der Bühne."

Spannung steigt: Premiere ist am 23. Juli

Die nächste Szene wird vorbereitet, Stühle und Tische auf der Bühne werden platziert. Ich darf anpacken und stelle nach der Regieanweisung von Rohrmoser einen Sessel so vor dem Tisch, dass sich der Frauenmörder auf dramatische Weise darauf niederlassen kann - und so, dass es die Zuschauer von jedem Platz aus sehen können. Gar nicht einfach, mehrere Positionen werden ausprobiert. Mir wird klar: Bis zur Premiere am 23. Juli ist noch sehr viel zu tun.

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