Bilanz des heurigen Sommers
Bergretter ununterbrochen im Einsatzmodus

Widrige Wetterverhältnisse und schwieriges Gelände: Die Bergrettung Telfs. u.U. holte Verunglückte von der Munde. | Foto: BR Telfs
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  • Widrige Wetterverhältnisse und schwieriges Gelände: Die Bergrettung Telfs. u.U. holte Verunglückte von der Munde.
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Bergrettungs-Ortsstellen waren heuer besonders gefordert: Einsätze und Übungen halten Mitglieder auf Trab. Es war aber durchwegs ein "Durchschnittssommer" für die Bergretter/innen unserer Region, wie eine MeinBezirk-Umfrage ergeben hat.

REGION. Im Inntal wurden die 17 Einsatzkräfte der Bergrettung Flaurling u.U. zu einigen Verkehrs- und Arbeitsunfälle (Forstunfall) alarmiert, darunter war der tragische Traktorabsturz im August.
Die Hohe Munde hält 40 aktive Bergretter der Ortsstelle Telfs u. U. auf Trab. Unter den zehn Alarmierungen waren zwei große Suchaktionen, wie Ortsstellenleiter Christoph Waldhart berichtet:

"Gerade der Einsatz auf der Munde verlangte aufgrund der Umstände wie Nacht, Kälte, Schneefall und Wind alles von den Einsatzkräften ab."

Der Telfer Hausberg wird immer öfter unterschätzt, die Personen planen tendenziell keine Komplikationen ein, so Waldhart: "Das bringt die Betreffenden dann sehr schnell in Bedrängnis."
Auch wenn sich Anzahl der Einsätze der Ortsstellen Flaurling u.U. und Telfs u.U. im Inntal in Grenzen halten, prägen besonders viele Übungen und Ausrückungen bei Veranstaltungen sowie viele freiwillige Fortbildungskurse das Vereinsleben.
Hier zum Bericht einer großen Übung der Bergrettung Flaurling und Umgebung:

Bergretter übten in Flaurling

Hinsichtlich Ausbildung übt auch die Bergrettung Telfs laufend alle notwendigen Bereiche, wie Bergetechniken, Santechnik, Lawineneinsätze. Aber auch theoretisches Wissen über beispielsweise Wetter, Lawinenkunde, Materialkunde wird geschult.
Darüber hinaus braucht es von jedem Bergretter und Bergretterin ein ständiges Training im alpinen Gelände, um die grundlegenden Fertigkeiten wie Trittsicherheit, Klettern usw. und die physischen Voraussetzungen zu erhalten.

"Herauszuheben war heuer sicher die Veranstaltung einer sogenannten Bezirksübung, wo sich auch andere Ortsstellen teilgenommen haben",

erzählt Christoph Waldhart aus Telfs:

"So konnten rund 50 Bergretter und Bergretterinnen in Zusammenarbeit mit Ausbildern der Landesleitung im Stationsbetrieb verschiedenste Bergetechniken testen und üben."

Foto: Bergrettung Telfs u.U.

Tourismusregion fordert Einsatzkräfte

Am Seefelder Hochplateau zeigt sich ein etwas anderes Bild – zusätzlich zum Übungs-, Event- und Fortbildungsbetrieb: In der Tourismusregion vergeht kaum eine Woche, ohne dass Menschenleben gerettet werden:

Bergrettung Scharnitz

Die Einsatzzahlen bei der Bergrettung Scharnitz steigen von Jahr zu Jahr: 45-mal rückten die 41 aktiven Retter heuer aus (2024: 32 Einsätze), allein von Juni bis August waren es 33 Einsätze (ca. 210 Stunden). "Mit viel Aufwand konnten wir Menschen aus ihrer misslichen Lage befreien", berichtet Schriftführer und Einsatzleiter Jan Reiter und schildert den Ablauf der aufwändigen Rettung:

"Ein junger Verstiegener im Bereich der Talelespitze musste aufwändig von uns gerettet werden. Er verletzte sich am Fuß, eine Rettung mittels Hubschrauber war aufgrund des starken Nebels nicht möglich. In toller Zusammenarbeit mit dem Notarzthubschrauber wurden wir in den Bereich des Einsatzortes geflogen. Um direkt zum Patienten zu gelangen, mussten wir uns mittels Bohrmaschine von Standplatz zu Standplatz arbeiten. In perfektem Zusammenspiel aller Beteiligten konnten wir den Patienten unter die Nebeldecke transportieren, um von dort mit dem Hubschrauber ausgeflogen zu werden."

Zu einem nächtlichen Sucheinsatz wurden die Einsatzkräfte am 22. Otkober 2025 gerufen:

Deutscher in Scharnitz aus Bergnot gerettet
Foto: Bergrettung Scharnitz

Zur Frage der Verletzungsmuster meinte Jan Reiter, dass sich in diesem Jahr kein Trend abzeichnete, keine Auffälligkeiten, den einzigen Anstieg in der Statistik waren "erkrankte Personen".
Die häufigsten Alarmierungen gab es in diesem Jahr bei der Gruppe der "Wanderer", gefolgt von Mountenbikern und Radfahrern.
Froh und stolz ist man auf ein schlagkräftiges Team, so Reiter:

"Die Ortsstelle Scharnitz besteht aus 41 Mitgliedern, darunter finden sich verdiente Bergretter, sowie aktive Bergretterinnen und Bergretter. Besonders stolz sind wir als Ortsstelle über den großen Anstieg unserer Anwärter, welche sich in Zukunft in der Ortsstelle ehrenamtlich engagieren möchten."

Das Übungsjahr verlief in der Ortsstelle Scharnitz, wie jedes Jahr, sehr gut:

"In unterschiedlichen Übungen konnte unser Ausbildungsteam den Wissensstand der Mitglieder erweitern. Von Erste-Hilfe-Schulungen, über technische Schulungen, bis hin zu theoretischen Einheiten, wurde das gesamte Spektrum unseren Mitgliedern geboten."

Bergrettung Seefeld/Reith

Andreas Wanner, Ortsstellenleiter der Bergrettung Seefeld/Reith, berichtet, dass kaum eine Woche ohne Einsätze vergeht.

"Die heurige Sommersaison ist schon Mitte April im Bereich Zirl mit mehreren Alarmierungen gestartet und zieht sich erfahrungsgemäß bis Ende Oktober. 24 Einsätze haben uns in den Sommermonaten gefordert, davon 11 im Zeitraum Juni bis August in ca. 280 Stunden."

Der herausforderndste Einsatz war sicherlich am 2. August, als drei junge Deutsche am Seefelder Panoramaklettersteig bei Regen nicht mehr weiterkamen und wir sie bergen mussten.
Es war auch für die Seefelder BergretterInnen wieder eine übliche Saison, von Sprunggelenks über Unterschenkelfraktur und Oberarmbruch bis hin zu Suchaktionen war wieder alles dabei, so Wanner:

"Nur verletzte Radfahrer hatten wir heuer keine. Die meisten Einsätze waren auch heuer wieder im Bereich Rosshütte, daher blicken wir auf eine normale Saison zurück."

Bis auf die Sommerpause wurde wieder fleißig trainiert und für den Ernstfall geübt (15-mal), aber auch die Prozessionen, Bergfeuer, Ausflüge und sonstige Öffentlichkeitsarbeit beanspruchte auch wieder viele freiwillige Stunden. Derzeit zählt die Ortsstelle Seefeld 75 Mitglieder, davon sind 47 aktiv.

Bergrettung Leutasch

23 Einsätze und drei große Ambulanzdienste im heurigen Sommer: Das ist die bisherige Bilanz der Bergrettung Leutasch – also ebenso ein durchschnittlicher Sommer, wie Ortsstellenleiter Michael Strigl sagt. Wanderer und Biker benötigten öfters Hilfe am Berg.
Ein Segelfliegerabsturz im August war wohl das außergewöhnlichste und auch das tragischste Unglück im heurigen Jahr (hier zum Bericht: Segelflugzeug stürzt bei Leutasch ab – Pilot tot geborgen).
Mit einem Happy End verlief dafür eine Reanimation auf der Rauthhütte, wie Strigl erzählt:

"Das gelang aufgrund des Zusammenspieles mehrerer Faktoren. Hüttenwirt Andreas Rauth fragte uns vor einigen Jahren, ob wir für ihn einen Defibrillator besorgen könnten, er würde diesen bezahlen. Dieser wurde von der OS Leutasch bestellt und in der Rauthhütte deponiert. Die Wartung und Schulung des Gerätes übernimmt ebenfalls die Bergrettung Leutasch. Auch aufgrund der Tatsache, dass zufällig eine Ärztin auf der Rauthhütte war, konnte die Person mit Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgreich defibrilliert und reanimiert werden."

Der Patient wurde dann mit Hilfe des Bergrettungsarztes der OS Leutasch und dem Notarzt des NAH RK2 aus Reutte stabilisiert und in das LKH-Innsbruck gebracht.

Foto: Bergrettung Leutasch

Zwei Tage am Berg: Ambulanzdienst für Ultratrail

Herausfordernd für die Bergrettung Leutasch ist der jährliche Ambulanzdienst für den Zugspitz-Ultratrail im Juni:

"Heuer wurde zum ersten Mal der 160 km Lauf rund um das Wettersteingebirge und zusätzlich um die Mieminger Kette durchgeführt. Musste normalerweise der Ambulanzdienst „nur“ ca. 30 Stunden geleistet werden, so musste er heuer doch von Donnerstag 23:00 Uhr bis Samstag ca. 14:00 Uhr durchgeführt und organisiert werden. Für diesen Ambulanzdienst haben wir uns spezielle Expeditionszelte angeschafft, um den Bergrettern und eventuellen Verletzten einen besten Unterschlupf am Berg zur Verfügung stellen zu können. Einen großen Dank an die motivierten Bergretter, die teilweise zwei Tage durchgehend am Berg verbracht haben, um diese Veranstaltung über die Bühne zu bringen."

Foto: Bergrettung Leutasch

Übungen

Monatliche Ortsstellenübungen und Bezirksübungen (diese wird alle 4 Jahre auch von der Ortsstelle Leutasch ausgerichtet) sowie zahlreiche freiwillige Fortbildungskurse im Ausbildungszentrum der Bergrettung Tirol im Jamtal prägen das Vereinsjahr der Bergretter.
Eine Übung wurde mit den Nachbarn der FFW Oberleutasch zum Thema „Waldbrand“ absolviert, schildert Strigl:

"Die FFW Oberleutasch ist zuständig für Waldbrände am gesamten Seefelder Plateau und im unwegsamen Gelände muss die Feuerwehr von der Bergrettung mit einer speziellen Ausrüstung, welche für Brände geeignet ist, gesichert werden. Die enge Zusammenarbeit wurde erfolgreich geübt und abschließend die Kameradschaft gepflegt."

Mitgliederstand der Bergrettung Leutasch: 38 Bergretter und Bergretterinnen; 23 aktive Einsatzbergretter (davon 2 Bergretterinnen). Von sechs Anwärtern ist die Hälfte weiblich. Neun wohlverdiente Bergretter beteiligen sich aktiv am Vereinsleben, altersbedingt nehmen sie aber nicht am Einsatzgeschehen teil, so Strigl:

"Wir sind derzeit sehr glücklich, dass wir keine Nachwuchsprobleme haben, jedoch aufgrund des kleinen Einzugsgebietes, welches nur das Gemeindegebiet von Leutasch umfasst, sind wir ständig auf der Suche nach motivierten und bergerfahrenen Bergrettungsanwärtern."

Foto: Bergrettung Leutasch
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