Der Mythos von „Schloss Eben“ in Telfs

Schatzgräber auf dem Schlossbichl bei St. Moritzen: der Sagschneider Stigges und sein Gehilfe – gezeichnet von Urban Sterzinger.
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  • Schatzgräber auf dem Schlossbichl bei St. Moritzen: der Sagschneider Stigges und sein Gehilfe – gezeichnet von Urban Sterzinger.
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  • hochgeladen von Georg Larcher

TELFS. Wie war das mit „Schloss Eben“? Diese Frage bekamen die Archäologen, die vergangenes Jahr auf dem „Schlossbichl“ gruben, von Besuchern mehrmals zu hören. Die geheimnisvolle, versunkene Ritterburg, die dem Hügel bei St. Moritzen seinen Namen gab, hat ihren festen Platz in der Telfer Sagenwelt. Ein halbes Dutzend Geschichten ranken sich um die mysteriöse Festung der „Herren von Eben“, die einst hier im Westen von Telfs gestanden haben soll. Und oft geht es um versunkene Schätze. Etwa in der Geschichte vom gespenstischen Moritzen-Schimmel, der den Schlüssel zum Burgschatz im Maul trägt, oder der vom Sagschneider Stigges: Er hat die Schatztruhe schon fast gehoben, als sein vorlauter Begleiter den Schlossgeist verärgert alles wieder zunichtemacht.
Dass Überlieferungen wie diese keine reinen Hirngespinste sein müssen, sondern oft einen historischen Kern haben, wissen auch die Archäologen. Deshalb war „Schloss Eben“ auch in der Ausstellung „Schlossbichl – der heilige Hügel von Telfs“, die vor kurzem im Noaflhaus zu sehen war, ein Thema. Dort konnte man über den Mythos von der versunkenen Burg folgende interessante Erläuterung lesen:
„Um das legendäre Schloss Eben ranken sich viele sagenhafte Geschichten. Meist geht es um verborgene Schätze und geisterhafte Erscheinungen. Überlieferungen wie diese sind für Archäologen ein Alarmsignal. Sie deuten oft auf verschollene historische oder prähistorische Stätten hin. So ist es auch beim Schlossbichl. Die Ausgrabungen haben gezeigt, dass es auf dem Hügel zwar keine mittelalterliche Burg gab (und auch der legendäre unterirdische Gang zur Burg Hörtenberg jenseits des Inns ist ein Mythos), dafür kam aber ein rund 1000 Jahre älteres frühgeschichtliches Heiligtum ans Licht. Wahrscheinlich entstand die Sage vom versunkenen Schloss vor Jahrhunderten, als auf dem Hügel noch Ruinen zu erkennen waren und urtümliche Fundstücke entdeckt wurden.
Einen realen Kern könnte auch die Überlieferung haben, dass die nahe­ge­le­ge­ne St. Moritzen-Kirche aus Steinen von „Schloss Eben“ erbaut worden sei. Bei den Ausgrabungen stellten die Archäologen fest, dass aus dem vorgeschichtlichen Mauerwerk tatsächlich Steine zu fehlen scheinen…“

(Text/Fotos: Stefan Dietrich)

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