Ostern
Die Geschichte der Fastenkrippe

Die neue Fastenkrippe in der Hl. Geist Kirche Telfs.
  • Die neue Fastenkrippe in der Hl. Geist Kirche Telfs.
  • Foto: H. Hofer
  • hochgeladen von Julia Scheiring

Mit “Krippe“ verbindet man vor allem gemalte oder plastische Darstellungen rund um die Geburt Christi, also die Weihnachtskrippe.

Fast vergessen und auch aus vielen Kirchen verschwunden ist die früher sehr beliebte Andachtsform rund um die Passion Christi: Die „Fastenkrippe“ oder wie sie auch oft genannt wird die „Ernste Krippe“. Ein ungewohntes Wort! Die Gläubigen früherer Zeit wollten die Ereignisse der Karwoche vor Augen haben, konnten doch damals viele Leute die Bibel nicht lesen. Die Fastenkrippe stellt szenisch das Leiden und Sterben Christi dar und steht vor allem eng mit dem geistlichen Schauspiel der Barockzeit in Verbindung, auch wenn die Entstehung in die Zeit des frühen Mittelalters zurück reicht. Das Eingehen auf dieses Thema erfordert vom Krippenbauer eine größere Hinwendung zum Glauben, als die Gestaltung einer Weihnachtskrippe mit der fröhlichen Geburt Jesu. Eine durchaus verständliche innerliche Abneigung am Mysterium des Leidensweges Christi, der mit Trauer und Tod verbunden ist, gestalterisch mitzuwirken, dürfte wohl auch der Grund einer begrenzten Mitwirkung an einer solchen Aufgabenstellung gewesen sein.

Fastenkrippen erleben Wiedergeburt

Glücklicherweise erlebt dieses alte Brauchtum der Fastenkrippe in den letzten Jahren einen regen Aufschwung, woran die Krippenbauvereine einen dankenswerten Anteil haben. Man kann regelrecht von einer „Renaissance“ der Fastenkrippe sprechen. Denn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren nach der Liturgiereform viele Hl. Gräber und auch Fastenkrippen „entsorgt“ worden, wie dies in der großen Ausstellung von Fastenkrippen und Heiligen Gräbern im Stift Stams (März 2016) eindrucksvoll dokumentiert wurde, wo von manchem Hl. Grab von früher nur noch das Modell gezeigt werden konnte. Aktuell daher auch der Aufruf des Landesobmannes der Tiroler Krippenfreunde Oswald Gapp an die Tiroler Krippenfreunde, sich wieder vermehrt der alten Tradition der Passionskrippen zu erinnern (in „Tiroler Krippen-Geschehen“, 19. Jahrgang, Frühjahr 2019).

Holz in der Kirche, Papier zuhause

In Tirol wird der Beginn der Fastenkrippe ins 17. Jahrhundert datiert. Zuerst standen die Fastenkrippen nur in den Kirchen und Klöstern, ab dem 18. Jahrhundert dann auch in Privathäusern. Beginnend mit dem Einzug in Jerusalem am Palmsonntag wird das Geschehen szenisch gereiht bis zur Kreuzigung, manchmal auch bis zur Auferstehung. Große Fastenkrippen sind meist aus Holz geschnitzt oder ausgesägt. In unzähligen Figuren werden die Stationen des Leidens Jesu veranschaulicht. Den Hintergrund bilden weitläufige Landschaften, wie man sie von den Weihnachtskrippen kennt. Zur Aufstellung in Privathäusern wurden eher Papierkrippen geschaffen. Sie wurden häufig von bekannten Künstlern gezeichnet oder gemalt und dann in großer Auflage als Ausschneidebögen verlegt.

Fastenkrippen in Götzens und Telfs

Eine der schönsten und bekanntesten Fastenkrippen Tirols steht in Götzens. Mit über 250 Figuren, gezeichnet von Georg Haller (1772 – 1838), detailreich und szenisch überwältigend, präsentiert sich das vor rund 200 Jahren geschaffene Meisterwerk von Aschermittwoch bis Karsamstag in der Pfarrkirche zu Götzens.
Eindrucksvoll und auch sehr bekannt ist die „bewegliche“ Fastenkrippe von St. Moritzen in Telfs, die sicher eine Rarität in Tirol darstellt. Sie wurde in Bd. 1 „Krippen in Telfs“ auf S. 259 ff. dargestellt.
So mögen Fastenkrippen dazu beitragen, in den Familien das Bewusstsein für die Liturgie der Osterzeit zu wecken und das unfassbare Geschehen der Passion und Auferstehung Christi erlebbar zu machen.

von Ferdinand Reitmaier

Autor:

Julia Scheiring aus Telfs

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