Entdeckung während Bauarbeiten für GHS-Projekt in Telfs
Rätsel gelöst: Wasserwaal-Kanal etwa 400 Jahre alt

Waal-Experte Werner Holzner dokumentiert den interessanten Fund am Köll-Areal.
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  • Waal-Experte Werner Holzner dokumentiert den interessanten Fund am Köll-Areal.
  • Foto: MG Telfs/ Dietrich
  • hochgeladen von Georg Larcher

TELFS. Die "Rettungskette" wurde am 7. Juli in Gang gesetzt - eine "Rettungsgrabung" erfolgte schon Tage später. Die Rede ist von einem historischen Kanal am Telfer Obermarkt, den Baggerarbeiten für ein GHS-Wohnbauprojekt ans Licht brachten. Die Zeit drängte, der Wohnbau erlaubt keine langen Verzögerungen. Hier musste die Archäologie eine lang zurückliegende Zeit in sehr kurzer Zeit erfassen. (Hier zum ersten Bericht: Archäologen dokumentierten jahrhundertealten Kanalbau )

Zurück zur "Rettungskette": Ein merkwürdig aussehendes Gewölbe im Hang auf dieser Baustelle am Köll-Areal stach der Telferin MMag. Dr. Edith Hessenberger (Leiterin Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseum) ins Auge. Sie "alarmierte" den Telfer Historiker Stefan Dietrich, dieser den Archäologen des Bundesdenkmalamts Innsbruck, Johannes Pöll. Der veranlasste schließlich die archäologische Untersuchung dieses Stollens, der durch seine eigenwillige Deckenkonstruktion aus Natursteinen aufgefallen ist. Der Wohnbau musste zwar nicht gestoppt werden, die Arbeiten konzentrierten sich zu der Zeit auf einen anderen Bereich.

Rettungsgrabung am Telfer Obermarkt

Kurzfristig wurde die Innsbrucker Grabungsfirma ARDIS mit der Ausgrabung beauftragt, die auch schon Erfahrung mit "Rettungsgrabungen" hat. Bald wurden erste Datierungen angestellt: Bis 400 Jahre alt könnte der Kanal sein. Das bestätigte Werner Holzner, Experten für Wasserwaale in Tirol. Es handelt sich um das Teilstück eines historischen Bewässerungssystems.
Am Nachmittag des Donnerstag, 22. Juli, musste der alte Kanal dem Fortschritt der Baustelle weichen und wurde vom Bagger dem Erdboden gleichgemacht.

"In Städten finden wir solche Kanäle häufiger, in ländlichen Gebieten wie in Telfs sind solche Funde selten und sehr interessant",

erklärt ARDIS-Geschäftsführer Mag. Karsten Wink nach dem BEZIRKSBLÄTTER-Lokalaugenschein vorigen Donnerstag-Vormittag. Drei größere Kisten an Keramikscherben wurden gesammelt, darunter Teller, Schüsseln, Flaschen und auch eine Pfeife. Die Gegenstände stammen allerdings aus verschiedenen Zeiten. Vermutlich war es Unrat im Material, mit dem der Kanal vor langer Zeit zugeschüttet wurde. Darüber stand ein zerfallenes Wirtschaftsgebäude. Die Archäologinnen sondierten und dokumentierten, sicherten sehr viele Fundstücke, erledigten ihre Arbeit schnell und genau.

Wasser für die Felder

Der ausführlichen Dokumentation folgen nun die Bewertungen durch Experten. Derweil bestätigte der Telfer Waal-Experte Holzner, dass dieser Kanal zum Waal-System gehörte und mindestens 400 Jahre alt ist. Er kennt einen Kanal ähnlicher Bauart aus Haiming, dieser stammte aus dem Jahre 1616!

"Es ist wahrscheinlich die Fortsetzung des Meaderloch-Waales, der sollte an dieser Stelle durchlaufen",

meint Holzner zum Fund in Telfs. Seit 15 Jahren erforscht Holzner die Waale im Land. Die ältesten Waale entstanden im 12./13. Jahrhundert.
"Die Durchflussmenge in diesem Kanal war enorm", erzählt Holzner nach Vermessung des Kanals am Köll-Areal:

"Etwa 1000 Liter pro Sekunde flossen durch, für damals eine sehr große Menge!"

Diese war auch nötig zum Antrieb von z.B. Mühlen oder Sägen etc. Der Waal wurde früher auch über den heutigen Griesbach bis zum Telfer Giessen geleitet und diente der Bewässerung der dortigen Äcker.

Fast in Nachbarschaft zur Fundstelle liegt auch das älteste Fabrikgebäude der Telfer Textilindustrie, das entstand 1838 und beherbergt heute u.a. Musikschule und die BEZIRKSBLÄTTER-Geschäftsstelle. Das damalige Werk bezog ebenso Wasser aus diesem Kanal und beendete die eigentliche "Waal-Ära".

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