Versorgungssicherheit aufrechterhalten
Rettungsdienst und Bergrettung kooperieren

Geschäftsführer des Rettungsdienstes Tirols Andreas Karl (li.) und Bergrettungs-Landesleiter Hermann Spiegl.
  • Geschäftsführer des Rettungsdienstes Tirols Andreas Karl (li.) und Bergrettungs-Landesleiter Hermann Spiegl.
  • hochgeladen von Ricarda Stengg

TIROL. Ausnahmesituationen wie starker Schneefall, höchste Lawinengefahr, Unterbrechung der Stromversorgung und Straßensperrungen, stellen Einsatzkräfte, Behörden und vor allem die Bevölkerung immer wieder vor große Herausforderungen, das hat man vor Tagen auch in Osttirol wieder erfahren müssen. Daher arbeiten das Rote Kreuz Tirol, der Gemeinnützige Rettungsdienst und die Österreichische Bergrettung nun bereits seit einem Jahr zusammen, um insbesondere die Sicherheit und die medizinische Grundversorgung in den betroffenen Tälern zu gewährleisten.

Immer öfter sind Tirols Alpenländer von extremen Schneefällen, Muren oder Windwürfen betroffen. Auch wenn der Winter 2019 noch nicht begonnen hat, mussten Behörden bereits Zivilschutzalarm geben und einige Teile des Landes wurden zu Katastrophengebieten erklärt. Die Vorfälle, die sich erst kürzlich in Osttirol und im Stubaital ereigneten, führten uns dieses Problem noch einmal mehr vor Augen. Der Bedarf einer systematischen und standardisierten Kooperation der Einsatzkräfte, insbesondere des Rettungsdiensts und der Bergrettung, ist also größer denn je.

Dankbarkeit seitens des Roten Kreuzes

Andreas Karl, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Tirols Gemeinnützige Rettungsdienst GmbH., betont, "es gibt leider immer öfters Situationen, in denen wir nicht zu unseren Patienten gelangen können. Wir versuchen durch Personal, das in den betroffenen Gebieten wohnhaft ist, eine rasche Versorgung sicherzustellen und aufrechtzuerhalten. Allerdings ist dem nicht immer so und deswegen sind wir über einen starken Partner wie die Bergrettung Tirol sehr froh, denn diese ist genau in den Regionen mit der notwendigen Häufigkeit vertreten."
Die Zusammenarbeit erfolgte im Jahr zuvor, nach vermehrten Auftreten von Ausnahmesituationen und wurde nun auch institutionalisiert. Hinzu kommt, dass zwar viele Orte in Tirol durch den Einsatz von Hubschraubern versorgt werden, aber diese natürlich nur bei bestimmten Wetterlagen fliegen können. "Umso mehr sind wir also dankbar, dass die Bergrettung durch die notwendige Expertise und Technologie die für uns unbefahrbaren Straßen erreicht," so Karl.

Auch Bergrettung ist guter Dinge

"Für uns als Bergrettung, gilt natürlich das gleiche Motto. Wir versuchen jedem, der im unzugänglichen Gelände in Not geraten ist, nach bester Möglichkeit zu helfen und urteilen nicht darüber, warum und wieso die Betroffenen in diese Notlage geraten sind", so Hermann Spiegl, Landesleiter der Österreichischen Bergrettung. "Viele unserer Einsatzkräfte sind zur selben Zeit Rettungs- und Notfallsanitäter und arbeiten auch als Ärzte. 63 unserer Notärzte sind einsatzbereit. Zudem haben wir 41 Notfallsanitäter und 85 Rettungssanitäter, die vom Roten Kreuz ausgebildet wurden und nun durch die Kooperation in unseren Reihen zum Einsatz kommen. Erwähnenswert ist hierbei auch die Alpin-Medic Ausbildung, welche durch Markus Isser, Alpinmedizinischer Leiter der Bergrettung Tirol, möglich gemacht wurde. Durch diese Ausbildung konnte die Bergrettung, die in der Vergangenheit ein "Sanitätsmuffel" war, mit einem gewissen Ehrgeiz ausgestattet werden und mit minimalen Materialeinsatz, maximale Lösungen im unzugänglichen Gelände erzielen. Unsere Einsatzfahrzeuge sind dank der Förderung des Land Tirols so ausgestattet, dass sie für gewöhnlich überall hin kommen.

Einsatzkräfte zeigen sich hilfsbereit

Markus Isser macht die Wichtigkeit einer gemeinsamen Herangehensweise noch einmal deutlich. "Probleme sind nur miteinander lösbar und es ist wichtig, die bestehenden Ressourcen zu nutzen und ein Netzwerk aufzustellen. Mit dem plötzlichen Wintereinbruch des vorigen Jahres kam die Idee der Zusammenarbeit schnell ins rollen und dadurch kam diese Zusammenarbeit zustande. Bereits im letzten Jahr konnten wir komplett abgeschnittenen Orten wie dem Kauntertal, Außerfern, Osttirol und dem Unterinntal unsere gemeinsame Hilfe anbieten. In Situationen wie diesen hilft man einfach zusammen." Zudem erwähnte Isser den aktuellen Fall in Prägraten in Osttirol, wo das Fehlen eines lokalen Arztes ein Problem darstellte. "Der hilfsbereite Landesarzt Dr. Josef Burger, der normalerweise als Kinderarzt in Lienz arbeitet, ließ sich beurlauben, um sich in das Tal einfliegen zu lassen und die betroffenen Menschen medizinisch zu versorgen."

Gut gerüstet für den Winter

Aufgrund der klimatischen Veränderungen ist davon auszugehen, dass es in Zukunft häufiger zu Starkregen- oder Starkschneefällen und niederschlagsbedingten Ausnahmezuständen in den Alpenräumen kommen wird. Es ist daher wesentlich, zeitgerecht und präventiv die entsprechenden Strukturen aufzubauen, um Menschen die Sicherheit einer aufrechten medizinischen Versorgung in Notsituationen zu geben. Durch das koordinierte Vorgehen zwischen dem Rettungsdienst und der Bergrettung ist es möglich, die Bevölkerung auch in den entlegenen und vom Wetter besonders betroffenen Gebieten professionell erstzuversorgen und – falls dies erforderlich ist – in ein Spital zu bringen.

Autor:

Ricarda Stengg aus Telfs

Ricarda Stengg auf Facebook
Ricarda Stengg auf Instagram
following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Wirtschaft

Corona-Krise gemeinsam meistern
Hilfe vor Ort mit dem österreichweiten Netzwerk #schautaufeinander

In Ausnahmesituationen wie diesen stehen die Menschen zusammen und helfen sich gegenseitig. Die Regionalmedien unterstützen dies in allen Bundesländern und Bezirken Österreichs mit dem Netzwerk #schautaufeinander. Hier könnt Ihr Dienste suchen oder anbieten, die uns gemeinsam durch diese Krisenzeiten helfen. Du suchst jemanden, der/die notwendige Lebensmittel nach Hause liefert? Du willst dich in deiner Nachbarschaft nützlich machen, oder gibst online Nachhilfe? Dann poste doch deinen...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen