Interview mit Abstimmung
Veranstalter kämpfen ums nackte Überleben

Christian Santer(l.) und Alexander Schatz sehen die aktuelle Situation in der Evenbranche äußerst kritisch.
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TELFS. Die Corona-Pandemie trifft die Veranstaltungsbranche hart. Viele Künstler und Veranstalter kämpfen ums Überleben. Nachdem im Frühling 2020 viele in ein unerwartetes Loch geworfen wurden, kam im Sommer wieder Hoffnung auf. Einige Konzerte und Veranstaltungen konnten zur Freude aller Beteiligten stattfinden. Mit Herbstbeginn sehen sich die Veranstalter jedoch wieder vor dem Abgrund stehen. Die aktuellen Restriktionen der Bundesregierung machen es so gut wie unmöglich, eine geregelte Veranstaltung durchzuführen. Wir haben mit dem Referatsleiter der Telfer Veranstaltungszentren, Christian Santer gesprochen, um die aktuelle Lage in der Marktgemeinde Telfs zu schildern und einen Ausblick in die Zukunft zu geben.

Es sind schwere Zeiten für Veranstalter, wie kommt Telfs damit zurecht?

Christian Santer: Für uns ist es aus zweierlei Hinsicht schlimm. Weder unsere eigenen Veranstaltungen, noch externe Events können stattfinden. Was natürlich bedeutet, dass unsere Locations nur sehr schlecht ausgelastet sind. Vor allem für kleinere Veranstalter sind diese erneuten Restriktionen existenzgefährdend, die bluten momentan richtig.Im Sommer hatten wir richtig Hoffnung, dass wir diese schwere Zeit so langsam hinter uns lassen können, aber jetzt im Herbst geht wieder gar nichts. Im Augenblick ist ein kompletter Stillstand vorhanden. Aktuell sieht es so aus, dass wir bis zum kommenden Frühjahr weder Kultur-Events, noch Maturabälle oder Hochzeiten in unseren Veranstaltungszentren durchführen können. Es ist allerdings nicht so, dass wir keine Arbeit hätten. Mit den unzähligen Verschiebungen und den neuen Vorgaben, die fast täglich hereintrudeln, haben wir alle Hände voll zu tun. Das Blöde daran ist, dass wir gleich viel Arbeit haben, diese aber bei weitem nicht so viel Spaß macht. Es ist definitiv eine schwere Zeit, aber wir versuchen, in die Zukunft zu blicken. Abgesehen von zwei Absagen, konnten wir alle Veranstaltungen und Konzerte verschieben. Das ist schon einmal eine große Errungenschaft für uns.

Habt ihr große Einnahmen-Einbußen zu verzeichnen?

Ein Großteil der Erlöse in unserem Referat definiert sich aus der Vermietung der Veranstaltungsstätten. Da diese heuer kaum ausgelastet waren, haben wir massive Einbußen von ca. 75% im Vergleich zum Vorjahr. Aber erst der Herbst macht es richtig bitter. Wir hätten zahlreiche attraktive Veranstaltungen in petto gehabt, die jetzt alle verschoben werden mussten. Da geht uns jetzt viel durch die Lappen. Der Rathaussaal Telfs hätte eigentlich 730 Sitzplätze. Davon können wir zurzeit nur ca. 220 verwenden – das ist zu wenig für einen Großteil der Veranstaltungen.

Der Vorhang bleibt für größere Veranstaltungen in Telfs vorerst geschlossen.
  • Der Vorhang bleibt für größere Veranstaltungen in Telfs vorerst geschlossen.
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Wie habt ihr die erste Corona-Welle überstanden?

Die erste Welle kam für uns so unerwartet und überraschend, wie für die meisten anderen auch. Da haben wir gesehen, wie schnell sich der normale Alltag komplett um 180 Grad drehen kann. Schnell wurde in der Krise leider auch klar, dass es die Branche über die Jahre verabsäumt hat, sich zu solidarisieren und praktisch über keine Lobby in Politik und Gesellschaft verfügt. Plötzlich keinerlei Aufträge und Events, ausständige Hilfen und vor allem fehlende Planungssicherheit sorgen seither für berechtigte Existenzängste vieler tausender Protagonisten der Eventszene.

Treffen Land und Bund die richtigen Entscheidungen?

Ehrlich gesagt, möchte ich diese Entscheidungen nicht treffen müssen. Da die Eventbranche sozusagen die „Spaßbranche“ ist, kann ich verstehen, dass hier zuerst Restriktionen eingeführt werden. Woran es allerdings grob scheitert, ist die Hilfe für die Unternehmen. Restriktionen wegen Covid einzuführen ist die eine Sache, aber die Unternehmen so im Stich zu lassen, das kann einfach nicht sein. Viele, vor allem auch kleine Firmen der Eventbranche, stehen hilflos da, es wird ihnen keine Hilfe angeboten. Und wenn doch, weder akut noch in einer Weise, die wirklich etwas bewirken würde. Hier kann ich für meine Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass sich die Eventbranche mit den aktuellen Entwicklungen, auf Alarmstufe Rot befindet. Ohne Hilfe vom Land und Bund ist diese Situation für viele existenzbedrohend.

Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?

Auch wenn es sicherlich viel Grund zur Sorge gibt, versuche ich, das Glas halb voll zu sehen. Wir sind ein erfinderischer Haufen und das Programm für 2021 sieht wirklich toll aus. Da haben wir einen tollen Mix für Jung und Alt gefunden, es ist garantiert für jeden Geschmack etwas dabei. Der Art Club Imst, Telfs Lebt, das Hillvibes-Team und alle anderen arbeiten stets zusammen, um im kommenden Jahr ein fulminantes Comeback geben zu können. Bis Sommer 2021 können wir allerdings nicht warten. Spätestens im Frühjahr muss es wieder voll losgehen, sonst sehe ich schwarz. In den letzten Jahren haben wir immer ein tolles Programm gehabt, das von der Bevölkerung auch dementsprechend angenommen wurde. Das soll in Zukunft auch nahtlos so weitergehen.

Was ist der neueste Stand in der Begegnungszone?

Am 24.10. hätte in der dann fertiggestellten Begegnungszone eine aufwendige Eröffnungsfeier mit jeder Menge Straßenkünstlern stattfinden sollen. Live-Musik, Walking Acts und jede Menge Rahmenprogramm hätten uns durch den ganzen Tag begleitet. Auch dieses Fest ist momentan leider nicht durchführbar. Sobald jedoch wieder an größere Events gedacht werden kann, wird die Eröffnung im großen Stil nachgeholt, vielleicht sogar mit einem großen Act. Nach der Eröffnung geht es im neuen Dorfzentrum was Kultur betrifft, sehr bunt weiter. Unter dem Motto „Telfs überrascht dich“ werden in der Begegnungszone immer wieder kleine Konzerte, Veranstaltungen und auch Märkte stattfinden.

Christian Santer(l.) und Alexander Schatz sehen die aktuelle Situation in der Evenbranche äußerst kritisch.
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