Reportage
Von Japan durch die Nordwestpassage

Die berühmte Freydis zwischen Eisblöcken
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  • Die berühmte Freydis zwischen Eisblöcken
  • Foto: Wilts
  • hochgeladen von Ricarda Stengg

TELFS. Am Freitag, dem 29.11.2019, nahmen der Weltumsegler Erich Wilts und seine Frau Dr. Heide Wilts das Publikum mit auf eine Reise von Japan bis nach Grönland durch die Nordwestpassage. Der Vortrag wurde im Telfer Segelclub Delphin gehalten. Rupert Pischl aus Telfs ist bei dieser riskanten Reise einige Abschnitte mit dem Abenteuer-Paar gesegelt.

Unendlich Reisende

Seit 1990 ist das Ehepaar Wilts fast ständig auf See. Sie waren die ersten Deutschen, die in die Antarktis gesegelt sind und weltweit die Zweiten, die bei ihrer Antarktis-Umrundung die einzelnen Inseln anliefen. Sieben Jahre lang haben sie für 45.000 Meilen gebraucht. Heide konnte andere Segler, die einmal die Welt umrundeten und dann plötzlich aufhörten, nie verstehen. „Prima“, sagt sie immer nach jeder Reise, „dann kann man doch gleich wieder los“.

Erich und Heide zählen mit 300.000 Seemeilen zu Deutschlands befahrensten Seglern und wurden mit zahlreichen Preisen, darunter zweimal mit der begehrtesten Trophäe der Blauwassersegler, dem Trans-Ocean-Preis, geehrt. Die Bilder von Erich Wilts wurden mit dem internationalen Fotopreis Marian Skubin/No Limits Award gewürdigt und Dr. Heide Wilts wurde durch zahlreiche Reportagen und 14 selbstverfasste Bücher, die sie in den extremen Breiten der Nord- und Südhalbkugel geschrieben hat, international bekannt.

Aus Hobby wurde Leidenschaft

Nachdem Erich im Sommer 1969 das erste Mal auf die junge Medizinalassistentin am Strand von Norderney traf, dauerte es nicht lange bis die beiden gemeinsam auf Reisen gingen. An Bord von Erichs Schiff trank sie dann von diesem starken ostfriesischen Tee, den sie eigentlich nicht mochte, und blieb bei dem Mann, der so viel vom Segeln sprach, dass irgendwann sie es war, die vorschlug, sie müssten nun ein größeres Boot bauen. 

Am Anfang, sagte Heide, war es jene Mischung aus Abenteuerlust und Neugier, die den Menschen zum Entdecker macht. Heute sei es mehr die Liebe zur Natur insgesamt. Die Tiere, die man kennen lernt. Das Schwimmen mit den Delphinen. Wenn die Robben unter einem wegtauchen. „Dass man neben Albatrossen sitzen kann, die noch nie einen Menschen gesehen haben.“ Dass es möglich ist, Tieren „ohne Feindbild“ zu begegnen, weil sie noch keine schlechten Erfahrungen mit den Menschen haben. „Heide hat ein Feeling für die Tiere“, sagt ihr Mann.
„Bei Erich war es mehr das Sportliche“. Der Reiz, Inseln zu entdecken, deren Boden über die Jahrtausende höchstens eine Handvoll Menschen betreten hatte. Dieses wunderbare Gefühl, wenn man irgendwo zwischen den Riffen hindurch doch eine Stelle entdeckt, an der man ankern kann. Wenn man auf einer Insel steht, wo einst vielleicht auch James Cook vorbeikam, auf der Suche nach dem Südland, das es nicht gab. „Man fühlt sich schon ein bisschen wie ein Entdecker.“ Auch wenn alles bereits entdeckt ist.

Letztes Abenteuer

Nach dem dramatischen Verlust ihrer Freydis II durch den Tsunami in Fukushima 2011 baut das Ehepaar ihre dritte Freydis und startet 2012 von Deutschland aus zu ihrer nächsten Weltumsegelung. Die dritte, 16 Meter lange und fast 18 Tonnen schwere Freydis in der bekannten Signalfarbe rot hat damit ihren ersten Test bestanden. Dabei musste sie als Nachfolgerin der Freydis II, mit der die Weltumsegler 30 Jahre lang auf Törn waren, große Erwartungen erfüllen. Im Mai 2017 nehmen die beiden 75-jährigen mit der Freydis III für den Rückweg nach Europa die legendäre Nordwestpassage, von Japan, über die Aleuten und Alaska durch die Beringstraße bis nach Grönland. Die gewöhnliche Alternative wäre: durch den Pazifik südwärts und auf den üblichen Wegen heim nach Deutschland, "in Etappen zurück über Britisch-Kolumbien, Kalifornien und die Südsee nach Australien und von dort über den Südindik, Madagaskar und das Kap der Guten Hoffnung nach Europa". Dabei haben sie sich auf das Risiko einer Überwinterung und einen weiteren Verlust ihres Schiffs bereits eingestellt und 12-Monate-ausreichenden Vorrat für die Überwinterung eingepackt. Wie auch Bergsteiger des Mount Everests hoffen sie auf gute Bedingungen und die Motivation, eines der reizvollsten Reviere der Erde zu erkunden, treibt sie stets an. 

Die Nordwestpassage soll damit eines der letzten Abenteuer von Heide und Erich Wilts sein. Orte voller Geschichten gescheiterter Seeleute, von James Cook bis John Franklin, Legenden der Seefahrt und eine grandiose Natur, die aber jeden unerbittlich herausfordert.  Sie ankern in einsamen Buchten in totaler Wildnis, lassen sich trockenfallen und beobachten Grizzlybären in ihrem natürlichen Lebensraum, oder sie besuchen abgelegene Fischer- oder Eskimodörfer und verlassene Goldgräbersiedlungen.

Telfer segelt durch die weltberühmte Nordwestpassage mit

Rupert Pischl aus Telfs segelte beim Törn durch die Nordwestpassage mit dem Paar mit und konnte dadurch unter Beweis stellen, dass auch wir Tiroler das Zeug zum Segeln haben. Durch ihn sind Erich und Heide auch nach Telfs gekommen, da durch die gemeinsamen Segeltour eine wahre Freundschaft entstanden ist. "Das sind Freundschaften, die ein Leben lang halten, denn das gemeinsame Segeln erweitert nicht nur unseren Horizont, sondern wir leben auch auf engstem Raum zusammen und sind daher immer in Kontakt. Auf unserer Yacht ist egal wie viel Geld eine Person hat oder welchen Titel - wichtig ist das, was man tut", so Erich Wilts über die Freundschaft mit Rupert.

Autor:

Ricarda Stengg aus Telfs

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