21.06.2017, 14:23 Uhr

Der vergessene Brunnen

(Foto: Chronistenteam)

Lange Zeit lag der gemeinsame Tiefbrunnen der Höfe Hagele und Puelacher im Dornröschenschlaf und geriet in Vergessenheit, aber nur fast. Das Chronistenteam rund um Altbürgermeister Helmut Kirchmair hat dem Relikt aus dem 17. Jahrhundert neues Leben eingehaucht.

OBERHOFEN. Wie kommt es dazu, dass Brunnen in Vergessenheit geraten?
Kirchmair: Es gab in Oberhofen einige Brunnen. Durch den Bau der Gemeindewasserleitung im Jahr 1905 haben sie aber an Bedeutung verloren, sie wurden abgedeckt, manchmal auch zugeschüttet. Vorwiegend aus Sicherheitsgründen, aber auch, weil der Grundwasserspiegel gesunken ist.

Als Mitglied der Feuerwehr und ehemaliger Bürgermeister müssen Sie das ja wissen, entstanden dadurch nicht Engpässe im Hinblick auf Löschwasser?
Unser Dorf wurde immer wieder von katastrophalen Feuersbrünsten heimgesucht, 1884 brannte das Unterdorf mit 32 Häusern, dann 1875 das Oberdorf mit 25 Häusern und Wirtschaftsgebäuden. Für die Brandbekämpfung waren Löschwassergruben da, strategisch gut verteilt. Aber einfach war es für die Feuerwehrleute nie, in grauer Vorzeit wurden Menschenketten gebildet und mit Kübeln gelöscht. Wer sich für das Thema interessiert, kann sich das im Gemeindemuseum zu Gemüte führen.

Wie kam es dazu, dass ausgerechnet der Brunnen dieser beiden Höfe reaktiviert wurde? War es schwierig innerhalb der Chronistengruppe Zustimmung zu finden?
Es gab Vorgespräche und Besichtigungen und dann hat sich das Chronistenteam im Einvernehmen mit der Familie Puelacher als Grundeigentümer für die Reaktivierung des Brunnens entschieden. Egal um welches Projekt es sich in den letzten Jahren handelte, es wurde immer an einem Strang gezogen. Letztendlich geht es uns darum, für die Nachwelt sichtbar zu machen, wie einst das Wasser aus der Tiefe nach oben gefördert wurde und welche Bedeutung Brunnen dieser Art für Mensch und Tier hatten.

Und jetzt gibt es wieder Wasser?
Der Brunnen war staubtrocken. Aber es stand fest, dass das Wasser wieder fließen muss, sonst wäre unser Projekt ja einem Schildbürgerstreich gleichzusetzen. Wir ließen also bohren, die Feuerwehr spülte alles durch, jetzt - nach 150 freiwilligen Stunden - ist der Brunnen zehn Meter tief. Und das Wasser ist klar.

In Trinkwasserqualität?
Das könnte durchaus sein, die notwendigen Untersuchungen sind aber noch nicht durchgeführt worden. Wir sind mit dem jetzigen Stand der Dinge sehr zufrieden. In erster Linie wollen wir darstellen, wie so ein Tiefbrunnen funktioniert hat. Dafür haben wir den Brunnen ab dem Erdboden aufgemauert, einen Aufbau mit einer Vorrichtung zur Wasserentnahme schmieden und eine trittsichere Glasplatte als Abdeckung machen lassen.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Projekte Kohlenmeiler, Flurnamen oder Neuburger Hütte wird demnächst auch das Projekt Tiefbrunnen abgeschlossen sein, in welches Abenteuer wird sich die Chronistengruppe als nächstes stürzen?
Darüber möchte ich noch nicht sprechen, Ideen gibt es aber schon. (schmunzelt)

Brunnenfestl: Samstag, 15. Juli, 15 Uhr beim Puelacherhof, Gasse 5, Oberhofen

(Quelle: M.Schratzberger)
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