31.03.2017, 11:03 Uhr

"Nein" aus Zirl: Kein Geld für das Naherholungsgebiet Rangger Köpfl in Oberperfuss

Am Rangger Köpfl sind große Investitionen zur Erhaltung und Attraktivierung des Ski- und Naherholungsgebietes geplant. (Foto: Hassl)

Schlechte Nachrichten für die Gemeinde Oberperfuss unter Bgm.in Johanna Obojes-Rubatscher und Rangger-Köpfl-GF Mag. Hubert Deutschmann: Die Marktgemeinde Zirl lehnte die Mitfinanzierung am Rangger Köpfl mehrheitlich ab. Zirl müsse zuerst die Hausaufgaben erledigen, begründet der Zirler Bgm. Thomas Öfner das "Nein" in der gestrigen, sehr emotional geladenen Gemeinderatsitzung (30.3.2017).

ZIRL. Aus Inzing gab es erst vor Kurzem ein knappes "grünes Licht" (9:6 Stimmen) für eine Beteiligung an den Kosten zum Erhalt des Ski- und Naherholungsgebietes am Rangger Köpfl in Oberperfuss. 136.000 Euro einmalig oder 12.000 Euro jährlich fließen von Inzing nach Oberperfuss. Aber dieses "Ja" ist an ein "Ja" aus Zirl gebunden, und hier gibt es seit gestern jedoch ein "Nein":
Die Marktgemeinde Zirl lehnt eine "Finanzspritze" mehrheitlich ab, nur die Liste "Zirl Aktiv" stimmte für eine finanzielle Beteiligung in Höhe von 250.000,- Euro für die Investitionen am Rangger Köpfl, wo Erneuerungen und der Bau einer Gondelbahn von Stiglreith bis oberhalb des Speicherteiches geplant wären.

Bgm. Thomas Öfner: "Zuerst das 'eigene Haus Marktgemeinde Zirl' in Ordnung bringen"

Die Entscheidung ist auch für Bgm. Thomas Öfner (SPÖ) mit Emotionen verbunden: "Es ist eine sehr unpopuläre Entscheidung, und ich werde mir dafür sicher wieder einiges Anhören müssen. Aber es wird erforderlich sein, zuerst das 'eigene Haus Marktgemeinde Zirl' in Ordnung zu bringen, bevor wir an die Beteiligung an Infrastruktur- und Tourismusprojekten in anderen Gemeinden denken können."
Öfner hat bereits mit der Amtsübernahme nach der Gemeindrats-Wahl 2016 erklärt, dass die nächsten Jahre in Zirl im Zeichen der Sanierung und Konsolidierung stehen werden. Öfner erinnert an den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung mit dem neuen Kindergarten im B4, die weitere Umsetzung der Barrierefreiheit und Sanierungsmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden, die längst fällige Adaptierung der Wasserversorgung in Eigenhofen, Instandhaltung von Straßen und der Bereich Begegnungszone, die sich eher zu einer gefährlichen Zone entwickelt hat, wie Öfner sagt.

Vize-Bgm.in Rangger von Zirl Aktiv: "Politischer Unwille!"

Vize-Bgm.in Victoria Rangger von "Zirl Aktiv" erklärt, das Rangger Köpfl ist seit Generationen der „Haus-Skiberg“ der Zirler/innen: "Mit dem Ganzjahreskonzept wäre es eine tolle Bereicherung zum Freizeitangebot der Marktgemeinde. Durch die Flexibilität der Finanzierung und die angebotene Variante, bei der für die Marktgemeinde Zirl ab 2019 eine monatliche Belastung von € 1518,50 auf 15 Jahre fällig werden würde, kann man nur von politischem Unwillen, sich am Projekt zu beteiligen, sprechen. Das Argument der angespannten Budgetsituation wird weiterhin für alles verwendet, wo der politische Wille fehlt."

Vize-Bgm.in Iris Zangerl Walser: "Das „NEIN“ hat ausschließlich finanzielle Gründe!"

Zu den Aussagen der Gemeinderatsliste Zirl Aktiv, es wird „politscher Unwille“ unterstellt, meint Vize-Bgm.in Iris Zangerl Walser (Zukunft Zirl): "Das „NEIN“ zu Beteiligung an den Kosten zur Sanierung des Ski und Naherholungsgebiet am Rangger Köpfl hat ausschließlich finanzielle Gründe.
Bereits im Herbst 2014 erhielt die MG Zirl von der BH-Innsbruck Land Abt. Gemeindeaufsicht ein Mahnschreiben, dass der hohe Verschuldungsgrad der Gemeinde Zirl bei der Budgeterstellung zu beachten ist. Dieses Schreiben enthielt auch die Aufforderung an den damaligen Bürgermeister den Gemeinderat dieses Schreiben zur Kenntnis zu bringen. Das Mahnschreiben verschwand jedoch in einer Schublade und tauchte erst im Feber 2015 wieder auf. In der Zwischenzeit wurde jedoch das Budget für das Jahr 2015 bereits beschlossen. Hätten die GemeinderätInnen von diesem Mahnschreiben vor diesem Beschluss Kenntnis erlangt, hätten sie dem Budget nicht zugestimmt.
Mit 19.12.2016 erhielt die MG-Zirl das 2. Mahnschreiben der Gemeindeaufsicht. Umso verwunderlicher ist es, dass die Liste Zirl Aktiv den Ernst der Lage nicht erkennt, bzw. noch immer nicht erkennen will. Eine zusätzliche finanzielle Belastung des Gemeindebudgets in der Höhe von € 273.330,-, auch wenn sie auf mehreren Jahren aufgeteilt wird, ist leider nicht möglich und würde vermutlich auch die Gemeindeaufsicht zu Maßnahmen zwingen.
Der Verschuldungsgrad der Gemeinde Zirl beträgt derzeit 64%. Jährlich müssen 1,4 Mio. Euro für Tilgung und Zins verwendet werden. Die frei verfügbaren Mittel belaufen entsprechend dem Schreiben der Gemeindeaufsicht auf nur mehr € 55.000,-. Die Finanzpolitik der Liste Zirl Aktiv in der letzten Gemeinderatsperiode hat Zirl an den Rand der Vollverschuldung geführt. Es ist daher leider Notwendig die Gemeindefinanzen in dieser Gemeinderatsperiode zu konsolidieren da erforderliche Projekte wie zB. Kinderbetreuung oder Wasserversorgung anstehen und somit auch finanziert werden müssen."

Größte Summen aus Zirl und Völs

Zusammen mit Völs (Abstimmung erst am 20. April) hätte Zirl mit 250.000 Euro die größte Geld-Summe für die Erneuerungspläne am Naherholungsgebiet Rangger Köpfl zu stemmen.
Kematen hat einer Beteiligung bereits zugestimmt, ist bereit, 105.000 Euro zu zahlen. Insgesamt müssten die Umlandgemeinden zusammen 800.000 Euro zum rund 4,4 Millionen teuren Erneuerungsprojekt zuschießen. Für die Gemeinde Oberperfuss wird es nicht mehr möglich sein, die touristische Infrastruktur ohne Beteiligung von Investoren aufrecht zu erhalten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.