12.02.2018, 12:01 Uhr

"Unsinniger Donnerstag" in Mittenwald

Die Schellenrüher machen den Anfang und läuten den Frühling in der Karwendelregion ein. (Foto: Alpenwelt Karwendel)

Den Winter austreiben, dieses Ziel hat der Fasching im Allgemeinen. Jede Gemeinde hat da ihr eigenes Rezept. Mittenwald lässt es mit einem ordentlichen Lautstärkepegel angehen. Schellenrührer, Goaslschnalzer und viele andere Gestalten machen am "unsinnigen Donnerstag" den Ort im Karwendelgebirge unsicher.

MITTENWALD. Sie jauchzen, sie trommeln und lassen die Schellen läuten, am "unsinnigen Donnerstag" vertreiben die Mittenwalder auf ihre traditionelle Weise den Winter und läuten den Frühling ein. Den Anfang machen die 12 Schellenrührer, bepackt mit schweren Kuhglocken an ihren Hüften. Der Vorläufer, der das Frühjahr symbolisieren soll, gibt die Richtung an und die "12 Kalendermonate" folgen mit lautem Geläut, um die Frühlingsgeister zu wecken. Da kann es unter den Zuschauern schon mal eng werden, denn die Maschkera brauchen Platz für ihren Auftritt. Mit verstellter Stimme machen die maskierten Mittenwalder die Zuschauer darauf aufmerksam und so mancher Tourist ist etwas verschreckt, wenn ihn eine starre Holzlarve zurechtweist. 

Die wichtigsten Maschkara-Figuren des Mittenwalder Faschings erklärt:
Schellenrüher, gekleidet in Lederhosen-Tracht und 12 Mann stark, läuten mit den schweren Kuhglocken den Frühling in der Karwendelregion ein. Die Glocken sind am Rücken auf Hüfthöhe befestigt und werden mit gesprungenen Schritten geläutet. 
Mit dabei sind auch immer die Goaslschnalzer. Sie tragen ein "Fleckerlgewand", ein Ganzkörperanzug aus zusammengenähten verschiedenen "Stofffleckerln". Mit Peitschen schlagen sie auf den Asphalt und erzeugen so jedes Jahr genügend Lärm, um den Winter auszutreiben. 
Für die Kinder eine gruslig schöne Attraktion, sind die Bärentreiber, die Teufel oder die Hexen. Begleitet von Trommelschlägen sind die "wilden" Bären und Teufel unterwegs und werden (meistens) von ihren "Haltern" an der Leine zurückgezogen, wenn sie sich aufs Publikum stürzen. Besonders die Hexen jagen auch noch nach dem offiziellen Umzug durch die Gassen und fegen so manchen Zuschauern mit ihren Besen den Boden unter den Füßen weg. 
Gefährlich und riskant ist auch das Muiradl. Hier wird ein Baumstamm durch den Ort gezogen, allein durch die Manneskraft der Maschkera. Auf dem Baumstamm montiert: zwei Wagenräder, die sich durch das Ziehen mitdrehen. Auf diesen Rädern und nahe einem Schleudertrauma, sitzen zwei Maschkera und versuchen das Gleichgewicht zu halten. 
Zahlreiche weitere Figuren läuten jedes Jahr in Mittenwald den Frühling ein. Der Jahrhunderte alte Brauch ist ein Event für Touristen wie auch Einheimische. Erst in der nächsten Wirtschaft gibt es für die Maschkera eine Pause mit ein paar Bier und deftigen Schmankerln. Bis in die Abendstunden wird so der Winter aus Mittenwald vertrieben, mit viel Krach und guter Stimmung. 
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