14.03.2017, 18:30 Uhr

Vom Zirbenklotz zum wilden Krampus-Kopf

Vom Zirbenholzbrett bis zum fertigen Schnitzwerk vergehen bis zu sechs Stunden. Dann folgt die aufwändige Feinarbeit.

Beeindruckende Larven aus Zirbenholz entstehen in einer kleinen Werkstätte in Pfaffenhofen.

PFAFFENHOFEN. Ein feines Händchen für grobe Gestalten hat der Pfaffenhofer Maskenschnitzer Markus Spiegel. Täglich stellt er das unter Beweis: Mit seinem kreativen Talent versorgt der hauptberufliche Künstler einen großen Kundenkreis mit hölzernen Masken für Krampus- und Faschingsaufführungen. Die Werke werden meistens nach den Vorstellungen der Käufer gestaltet. Dank Internet hat Spiegel Abnehmer aus dem In- und dem deutschsprachigen Ausland, sie senden ihre Wünsche in die kleine Produktionsstätte im Keller des Reihenhauses, das Markus mit Gattin Nadia und Sohn Marius (6 Jahre) bewohnt.
Die individuell angefertigten Einzelstücke werden ausschließlich aus Zirbe gefertigt, erklärt Markus: "Es gibt auch Sonderwünsche, etwa eine Maske aus Nussholz, aber das kommt kaum vor, das Hartholz ist schwierig zu verarbeiten und es macht auch keinen Sinn."

Schnitzkunst
Angeregt von den Mitgliedern der Pfaffenhofer Tuifl, die sich irgendwann keine teuren Masken mehr leisten wollten, probierte Spiegel vor Jahren einfach drauf los. Der gelernte Zimmerer weiß mit Holz gut umzugehen, das Schnitzerhandwerk war schnell erlernt und das Rohmaterial liefert ein Betrieb in Ötztal Bahnhof. Schnell wurde aus dem Hobby ein Ein-Mann-Unternehmen.
"Ich versorge mich jedes Jahr mit 10 Zentimeter dicken Zirbenholzbrettern", erklärt Spiegel. Zwischen 800 und 1000 Euro kostet ein Kubikmeter Zirbenholz, das bereits getrocknet ab Werk geliefert wird. Die Bretter leimt der Pfaffenhofer selbst zusammen, so kommt er auf die gewünschte Tiefe von 20 cm. "Ich schneide immer einheitliche Blöcke im Standardmaß 30 x 24 x 20 cm (H/B/T) daraus", erklärt der Schnitzer, und macht sich dann ans Werk. In der Werkstätte riecht es angenehm nach Zirbe, ein Holz, das deswegen auch gerne in Form von Spänen als Füllmaterial von Polstern dient oder für edle Zirbenstuben etc. "Ich rieche das gar nicht mehr", sagt Spiegel, der täglich viele Stunden in der duftenden Werkstätte verbringt. Hier erfolgt bereits der grobe Zuschnitt mit der handlichen Motorsäge. „Dann schnitze ich einfach drauf los. Manche Masken entstehen aus dem Kopf heraus, ich lasse mich dann einfach so treiben und schaue, wo es mich hinführt.“
Oft werden die Masken aber nach der Vorlage der Kunden gemacht. Auch Gruselfilme bieten passenden Vorlagen." Der fertig geschnitzte Kopf wird dann mit einem motorbetriebenem Werkzeug ausgehöhlt.
In drei bis sechs Stunden ist so eine Larve fertig geschnitzt. Anschließend folgt die aufwändige Gestaltung, die Feinarbeit nimmt nochmals über 20 Stunden in Anspruch. Die Maske wird lackiert, mit den aus Acrylharz selbst hergestellten Augen und Accessoires (Haare, Fell etc.) ausgestattet, die Hörner werden aufgeschraubt. Abnehmer zahlen 500,- Euro aufwärts für das individuelle Einzelstück.

Weitere Berichte zum Thema Holz aus ganz Österreich finden Sie in unserem Themen-Channel.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.