15.03.2016, 10:17 Uhr

Waldpflege schützt Inzing

Heuer müssen verantwortungsvolle waldhygienische Maßnahmen gesetzt werden. (Foto: Brecher)

90% der Waldfläche in Inzing ist hochwertiger Schutzwald - der selbst geschützt und gepflegt werden muss. BEZIRKSBLATT fragt den Inzinger Waldaufseher Thomas Brecher, wie es um den Wald in Inzing steht.

Wie ist der Waldzustand im Gemeindegebiet von Inzing?
THOMAS BRECHER: Ein Großteil des Schutzwaldes weist eine meist einschichtige Bestandesstruktur. Diese Einschichtigkeit ist gegenüber den immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen (Wind, Sturm, Schnee, Trockenheit) und anderen Biotischen Einflüssen (Käfer...) nicht ausreichend widerstandsfähig. Erschwerend ist anzumerken, dass mit ca. 55% des Waldes in Inzing älter als 110 Jahre ist. Es ist daher eine hohe Anfälligkeit hinsichtlich aller Schadfaktoren gegeben. Diese führen besonders in den Alten Beständen zu starken Stabilitätsverlusten. Es gilt daher diese instabilen Bestände umzubauen und zu verjüngen. Es wird daher ein strukturierter mehrschichtiger, mit standortgerechten Baumarten durchmischter Waldbestand angestrebt. Auch in der Waldpflege (Jungwuchs-dickungspflege, Durchforstung) besteht auf einigen Waldgebieten großer Nachholbedarf.
Durch das seit vielen Jahren laufendes Schutzwaldverbesserungsprojekt werden gezielt forstwirtschaftliche Maßnahmen, insbesondere Verjüngungseinleitungen und Pflegemaßnahmen zur Verbesserung des Waldzustandes umgesetzt.

Wie geht es dem Schutzwald (Wildschäden)?
THOMAS BRECHER: Hinsichtlich der durchaus vorhandenen Wildschäden wird festgehalten, dass diese nicht zu vernachlässigen sind. In Zusammenarbeit mit der Inzinger Jägerschaft werden jedoch gezielt Maßnahmen gesetzt um die Schäden möglichst zu verringern. Diese Maßnahmen sind im wesentlichen Verbissschutz, Schwerpunktbejagungen etc..

Waren zuletzt Aufforstungen nötig?
THOMAS BRECHER: Natürlich wird auf Naturverjüngung großer Wert gelegt, aber um eine flächige Verjüngung mit einer entsprechenden Baumartenmischung zu erzielen werden jährlich einige Tausend Pflanzen zusätzlich aufgeforstet. Der Jahresdurchschnitt der vergangenen 5 Jahre liegt bei 12.0000 Pflanzen, davon sind mehr als zwei Drittel der Pflanzen sogenannte Mischbaumarten wie: Lärche, Tanne, Ahorn, Esche, Kirsche, Linde, Bergulme, Vogelbeere, Buche, Eiche.
Ein Drittel der gesetzten Pflanzen sind Fichten - die von Naturaus vorhandene Hauptbaumart dieser Region.

Wie groß ist heuer die zu erwartende Gefahr wegen Borkenkäfer?
THOMAS BRECHER: Ein Hauptaugenmerk im heurigen Jahr sollte besonders dem Borkenkäfer gelten:
Borkenkäfer sind vor allem zu Beginn der Vermehrung auf bruttaugliches Material angewiesen, welches sie leider ausreichend vorfinden. Trockenheit und starke Unwetter ließen die Fichte unter Stress geraten und sorgten für eine Herabsetzung der Abwehrkräfte. Warme Temperaturen und im Wald verbliebenes Restholz (Brutmaterial) ermöglichen eine rasche Entwicklung der Käferbruten und damit die erfolgreiche Entwicklung mehrerer Generationen als in durchschnittlichen Jahren.

Wie kann die Gefahr eingedämmt werden?
THOMAS BRECHER: Regelmäßige (wöchentliche) Kontrolle bis in den Spätherbst. Entnahme von befallenen Bäumen (abfallende Rinde, braune Krone, Nadelfall), in denen die Entwicklung der Käfer fortgeschritten ist, unbedingt vor dem Ausfliegen der Käfer.
Suche und Entnahme der Bäume, wo die Entwicklung am Anfang steht (Bohrmehl, Bohrlöcher, Harztropfen). Keine Lagerung von Holz im Wald oder in Waldnähe. Bruttaugliche Resthölzer, Wipfelstücke nicht unbehandelt im Wald oder Waldnähe lassen. Vorlage von Fangbäumen und aufstellen von Käferfallen. Konsequente und verantwortungsvolle waldhygienische Maßnahmen sind das einzig Mittel, um ein weiteres Voranschreiten und eine Borkenkäfermassenvermehrung zu verhindern.
Auf Grund der klein strukturierten Besitzverhältnisse sind viele Zielsetzungen (naturnahe Waldbewirtschaftung, rechtzeitige Holzaufarbeitung – Käferbekämpfung, Pflegemaßnahmen etc.) nur erschwert und mit großen Aufwand zu erreichen. Dazu ist das Verständnis und der Wille jedes einzelnen Waldbesitzers erforderlich.

Zur Sache: Wald in Inzing

Die Gemeinde Inzing hat eine Gesamtfläche von 1.936 ha, davon sind ca. 800 ha Wald der sich wiederum in hochwertigen Objekt-Schutzwald (Anteil von ca. 90%), der den Siedlungsraum der Gemeinde Inzing direkt schützt, und in Wirtschaftswald (ca. 10%) aufteilt.
Die Besitzverhältnisse:
35% Teilwald: 195 Berechtigte auf 1300 Teilwaldparzellen, das entspricht im Durchschnitt ca. 1.300 m² pro Teilwaldparzelle.
25% Gemeindevermögen: Flächen hauptsächlich im Klammbereich und der Waldgrenze.
18% Öffentliches Gut: Land, Bund (entlang von Gewässern und Straßen).
17% Privat: 84 Ptivatwaldparzellen.
5% Typische Agrar Hof: 6 Mitglieder.
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