"Ab und zu verliebe ich mich natürlich"

Interview von Theresa Kaserer

Herr Pfarrer, Sie sind mittlerweile für Adnet, Krispl und für Bad Vigaun zuständig. Wo bleibt der Pfarrernachwuchs?
Gottfried Grengel:
"Es gibt immer weniger Priester. Wir hatten jetzt schon einige Jahre gar keine Priesterweihe und der Altersdurchschnitt ist hoch. Nun werden priesterliche Mitarbeiter aus Indien und Afrika geholt, um bei uns auszuhelfen."

Was machen Afrika und Indien richtig, dass es dort so viele Pfarrer gibt?
Gottfried Grengel:
"Es sind ärmere Länder. Der Glaube gibt Halt. Bei uns herrscht Wohlstand, da brauchen die Menschen den Glauben scheinbar nicht so sehr. Der Zölibat ist nicht schuld, den haben sie dort auch, aber das Priesteramt ermöglicht Menschen in Afrika und Indien einen sozialen und finanziellen Aufstieg."

Wie sieht es bei uns mit dem Gehalt aus?
Gottfried Grengel:
"Es ist meistens eine monatliche Nuller-Runde. Wenn du sparsam lebst, dann kannst du dir ein wenig zusammensparen. Aber ich will nicht jammern, ich mag mein Amt."

Sie haben nicht einmal eine Pfarrersköchin!
Gottfried Grengel:
"Nein, ich koche selbst. Ich möchte niemanden bei mir in der Wohnung haben. Ich kenne das von Pfarrerskollegen: Da kommt es dann immer wieder zu Reibereien, wenn man mit einer Haushälterin zusammen wohnt."

Das ist dann wie in einer Beziehung quasi. Nur dass zwischen Pfarrer und Köchin - im Normalfall - die Sexualität wegfällt. Wobei bei vielen langjährigen Beziehungen zwischen Mann und Frau soll das ja auch vorkommen.
Gottfried Grengel:
"Ja, schrecklich! Viele Eheleute leben dann ja nur mehr nebeneinander her. Ich bewundere jeden, der eine gute Beziehung zusammenbringt: dass man 40, 50 Jahre zusammen ist und man sich trotzdem immer noch was zu erzählen hat. Verliebt sein und Liebe ist ein merkwürdiges Gefühl. Man braucht gemeinsame Ziele, dann läuft es vielleicht besser."

Aber mal ganz ehrlich: Geht Ihnen der Sex nicht ab?
Gottfried Grengel:
"Ich habe ja erst mit 25 Jahren beschlossen, Pfarrer zu werden und hatte vorher schon sexuelle Erfahrungen. Meine Traumfrau war aber nicht dabei. Ich brauche keine körperlichen Begegnungen, mir reicht die Meditation mit Gott. Das hat etwas mit Spiritualität zu tun."

Aber darf ein Pfarrer zumindest Sexfilme schauen?
Gottfried Grengel:
(lacht) "Das wäre eher kontraproduktiv, man könnte ja auf den Geschmack kommen. Nein, einen Porno ziehe ich mir nie rein, das finde ich geschmacklos. Aber Spielfilme mit Liebesszenen schaue ich mir schon an."

Sind Sie denn ab und zu verliebt?
Gottfried Grengel:
"Ja, das passiert. Aber mit 40 Jahren weiß ich, der andere ist auch ein Mensch mit Stärken und Schwächen und darum hat sich noch nie mehr entwickelt als ein kurzes schwärmerisches Verliebtsein. Dass ich einmal hätte sagen können: "Das ist mein Lebensmensch!", das war noch nie der Fall. Falls er mir jetzt einmal über den Weg laufen sollte, dann könnte es aber natürlich schon schwierig werden - das ist es ja immer, wenn etwas Besseres kommt als das, was man hat. Ich habe nun aber eine Beziehung zu Gott und er macht mir immer die Tür auf, wenn ich in Gedanken anklopfe. Ich bin für den Zölibat und mein Leben gefällt mir so, wie es ist. Ich könnte mich auch gar nicht auf meine Gemeinden und auf eine Familie konzentrieren."

Keine Sehnsucht nach Zweisamkeit?
Gottfried Grengel:
"Ich bin der geborene Single. Ich muss abends, wenn ich um 23.00 Uhr nach Hause komme, niemanden mehr fragen: Und? Wie war dein Tag? Lieber rede ich mit Gott, der redet mir nicht drein. Garantieren kann man aber natürlich nie, dass nicht doch einmal die Liebe zuschlägt. Dann müsste ich mich entscheiden. Ich kenne mittlerweile sechs ehemalige Priester, die wegen einer Frau aus der Kirche ausgetreten sind. Bis auf einen hat die Beziehung dann aber eh nicht funktioniert. Trotzdem ist es natürlich immer gut, eine Entscheidung zu treffen, wenn man merkt, dass man mit einer bestimmten Lebensform nicht glücklich ist."

Bekommen Sie manchmal unmoralische Angebote?
Gottfried Grengel:
"Ich hätte einige Affären haben können. Das gibt es schon, dass Frauen zudringlich werden, der Film "Dornenvögel" ist vielleicht schuld. Mag sein, sie empfinden es als romantisch, eine Erfahrung mit einem Priester zu haben. Ich weiß es nicht, ich kenne mich mit der Psychologie von Frauen nicht aus. Es ist jedenfalls noch nie passiert, dass eine "Anmache" besonders stimmungsmäßig gewesen wäre, sondern eher plump - Gott sei Dank vielleicht (lacht)."

Also, man merkt, Sie sind sehr aufgeschlossen. Aber trotzdem pro Zölibat?
Gottfried Grengel:
"Ja. Allerdings sollte die Kirche für ältere Herren eine Möglichkeit schaffen, dass sie, wenn sie spätberufen, aber verheiratet sind, Pfarrer werden können. Die Voraussetzung wäre aber, dass ihre Kinder aus dem Gröbsten heraußen sind. Mit kleinen Kindern funktioniert das nicht, nur mit bereits erwachsenen Kindern. Und geschieden dürften sie nicht sein. Und mit einer Vorstrafe geht es auch nicht!"

Herr Pfarrer, sind Sie echt immer brav? Haben Sie noch nie einen Lutscher gestohlen?
Gottfried Grengel:
"Nein, einen Lutscher habe ich noch nie gestohlen. Aber wegen Falschparkens und zu schnellem Autofahren kriege ich immer wieder Strafzettel - beziehungsweise meine Mutter bekommt die, weil mein Auto auf Sie angemeldet ist. Und dann schimpft sie mich wieder."

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