Interview
Bürgermeister Josef Schwarzenbacher macht die Bühne frei für die Jungen

Josef Schwarzenbacher
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ANNABERG-LUNGÖTZ. Josef Schwarzenbacher (ÖVP) war 25 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Annaberg-Lungötz und somit der längste im gesamten Tennengau. Es heißt zwar "the Show must go on" aber nicht für Schwarzenbacher, sondern für den jungen Christian Hirscher.

Herr Bürgermeister, was kommt den in den nächsten Jahren auf die Gemeinde zu?
JOSEF SCHWARZENBACHER: Wir sind eine wachsende Gemeinde und jedes Jahr ist eine neue Herausforderung. Gewerbegebiete sollten errichtet werden, ein Schulsanierungsprojekt läuft in Lungötz und Schutzbauten im Güterwegbereich sind noch offen. Das sind die Hauptthemen momentan.

Treten Sie zur Gemeinderatswahl 2019 wieder an?
SCHWARZENBACHER:
Ich bin immer gerne Bürgermeister gewesen, habe Schönes und Tauriges miterlebt, war zehn Jahre im Salzburger Landtag und immer ein Sprachrohr für alle Bürger, habe jeden so gut wie möglich unterstützt, ganz egal welche politische Gesinnung er hatte. Aber ich mache jetzt die Bühne für die neue Generation frei, da ich ein sehr starkes junges Team hinter mir habe. Mein Nachfolger als Spitzenkandidat bei der Gemeinderatswahl 2019 steht seit dem 3. Dezember fest: es ist Christian Hirscher. Sollte es gewünscht sein, stehe ich mit Rat und Tat zur Seite, aber ich bin auch der, der junge Leute nach ihrer Art handeln lässt und sich nicht einmischt. Jede Generation hat die Verantwortung für sich zu tragen. Mein Vorgänger, der Leonhard Hirscher, hat mir auch nicht dreingeredet. Das habe ich immer wertgeschätzt.

Sie waren 10 Jahre lang im Salzburger Landtag?
SCHWARZENBACHER:
Ja ich habe damals zum Landeshauptmann Wilfried Haslauer gesagt 'du nach zwei Perioden lasse ich das.' Man hat dort sehr viel gelernt aber auch sehr viel Negatives gesehen, was in der Politik danebengeht und in Zukunft anders zu machen wäre.

Was halten Sie davon, dass oft gesagt wird, die heutige Jugend sei faul?
SCHWARZENBACHER:
Man sollte ja nicht immer sagen unsere Jungen können nichts oder tun nichts. Das kann ich absolut nicht leiden, da werde ich aggressiv. Ich finde die nächsten Generationen sind sehr sehr engagiert. 

Ihre Gemeinde besteht aus zwei Ortsteilen, Annaberg und Lungötz, wirft diese Doppelgleisigkeit Probleme auf?
SCHWARZENBACHER:
Nein – wir haben einfach in jedem Ortsteil Volksschulen und Kindergärten, jeweils eine Feuerwehr, eine Musikkapelle sowie ein doppeltes Vereinsleben und zwei Kirchen. 

Merken Sie, dass viele Leute von der Gemeinde wegziehen?
SCHWARZENBACHER:
Gott Lob und Dank nein. Die jungen Leute verlassen bei uns ihre Heimatgemeinde nicht und suchen sich hier Arbeit. Wir haben auch einen Zuzug, vor allem von Familien mit Kindern. Aufgabe der Gemeinde ist es, zu schauen, dass man Wohnraum hat. Wir schaffen Wohnungen zum Normaltarif und nicht sündteure, die bei der High-Society-Partie ankommen. Im Eigentumsbereich kostet der Quadratmeter bei uns 2.000 bis 2.500 Euro. Um 450 bis 500 Euro gibt es in Annaberg-Lungötz schon wunderschöne Wohnungen zum Mieten.

Es ist zwar wirklich idyllisch hier, aber ein Problem vielleicht die Anbindung zur Autobahn?
SCHWARZENBACHER:
Das ist das Problem. Wenn man ein Pendler ist, der in Salzburg seinen Arbeitsplatz hat, ist es schwierig. Zwar machen es einige, aber es ist nicht das Gelbe vom Ei sag' ich ganz ehrlich. Deshalb wäre es wichtig für das zukünftige Gemeindeteam, dass es zusätzliche Arbeitsplätze in der Ortschaft schafft. Ich bin ein Verfechter der Telearbeitsplätze, wo man für Betriebe auch Arbeiten von zu Hause aus machen kann. Vor 15 Jahren haben Sie zu mir gesagt 'Du Schwarzenbacher Sepp, du spinnst, als wenn sowas gehen würde.' Damals haben sie gelacht, heute funktioniert dieses Arbeitssystem schon des Öfteren. Gerade für Mütter mit Kindern bietet sich das an. 

Was ist das größte Kapital der Gemeinde?
SCHWARZENBACHER:
Die Natur. Wir haben eine gute Luft, ein tolles Wasser. Es gibt viele Leute die Ruhe suchen und nicht in einen überlaufenen 'Halligalli-Ort' möchten wo es nur 'Rambazamba' gibt. Leute sind teilweise durch das Berufsleben so unter Druck, dass sie eben genau einen erholsamen Ort suchen. Aber wir sind auch eine Tourismusregion mit dem Skigebiet Dachstein-West. Aber wir forcieren den sanften Tourismus.

Was fehlt Ihnen in der Gemeinde?
SCHWARZENBACHER:
Wenn das Arztehepaar in vier, fünf Jahren in Pension geht müssen wir schauen, dass die Stellen nachbesetzt werden. Und unsere kleinen Supermärkte sollten genützt werden und nicht nur die großen, sonst wird es die wohl nicht mehr lange geben.

Auf welche Projekte sind Sie ganz besonders stolz?
SCHWARZENACHER:
Ein kleines Projekt, auf das ich ganz besonders stolz bin ist zum Beispiel unser eigenes "Essen auf Rädern" in Zusammenarbeit mit dem Alten- und Pflegeheim in Abtenau. Das schwierigste und eines der größten Projekte war die Errichtung der Donnerkogelbahn, die vor vier Jahren eröffnet wurde. Das hat mir sehr viele Nerven gekostet und mich an meine Grenzen gebracht. 

Wie verstehen Sie sich mit Mitgliedern anderer Parteien?
SCHWARZENBACHER:
Ich mache keinen Unterschied zwischen blau, rot und schwarz. Ich habe ganz dicke Freunde unter den anderen Gemeindemandataren – es geht ja hauptsächlich um das Menschliche.

Josef Schwarzenbacher

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